Montgomery u Stapleton 02 - Das Labor
vor. Also, mich hat dieser Fall längst nicht so verrückt gemacht wie all die anderen - insbesondere die Meningokokkenfälle.«
»Was mir angst macht, ist, daß die Krankheiten immer nach dem gleichen Muster verlaufen«, entgegnete Jack. »Auch dieser Mann hatte die schlimmste Form einer Pneumonie, die es überhaupt gibt. Bei den anderen seltenen Krankheiten, die hier ausgebrochen sind, war es ähnlich: Sie sind alle sehr heftig verlaufen. Der Unterschied ist allerdings, daß die Infektiosität bei Influenza wesentlich höher ist.«
»Ich verstehe, was Sie meinen«, sagte Kathy. »Aber wir haben doch den ganzen Winter über immer wieder Influenzafälle gehabt.«
»Fälle von primärer, durch Influenzaviren verursachte Pneumonie?«
»Nein, das nicht«, gab Kathy zu.
»Heute morgen habe ich jemanden nachprüfen lassen, ob es hier im Krankenhaus weitere Patienten mit ähnlichen Symptomen gibt«, erklärte Jack. »Man hat mir gesagt, es sei kein weiterer Fall aufgetreten. Wissen Sie, ob es inzwischen welche gibt?«
»Nicht daß ich wüßte«, erwiderte Kathy. »Könnten Sie vielleicht einmal nachsehen?« bat Jack. Kathy wandte sich ihrem Computer zu und gab einen Befehl ein. Einen Augenblick später erschien auf dem Bildschirm die Antwort. Es waren keine weiteren Fälle von Viruspneumonie aufgetreten.
»Okay«, sagte Jack erleichtert. »Dann checken wir am besten gleich noch ein paar andere Dinge ab. Der Name des Patienten war Kevin Carpenter. Auf welcher Station oder in welchem Zimmer hat er gelegen?«
»Er war in der Orthopädischen Abteilung«, sagte Kathy. »Die Symptome haben gegen achtzehn Uhr eingesetzt«, erklärte Jack. »Sehen wir also mal nach, ob irgendeine Krankenschwester, die gestern abend auf der Orthopädischen Station Dienst hatte, inzwischen krank geworden ist.«
Kathy zögerte kurz und wandte sich wieder ihrem Computer zu. Ein paar Minuten später hatte sie eine Namensliste der Schwestern und Krankenpfleger auf dem Bildschirm; auch deren private Telefonnummern waren angegeben.
»Wollen Sie, daß ich sie jetzt gleich anrufe?« fragte Kathy. »In ein paar Stunden müssen sie sowieso ihren Dienst antreten.«
»Wenn es Ihnen nichts ausmacht«, entgegnete Jack. Kathy begann zu wählen. Beim zweiten Anruf hatte sie eine Mrs. Kim Spensor am Apparat, die tatsächlich krank war. Wie sie Kathy mitteilte, war sie gerade im Begriff gewesen, im Krankenhaus anzurufen und sich krank zu melden, weil sie an einer schlimmen Grippe leide und beinahe vierzig Grad Fieber habe. »Dürfte ich vielleicht mal kurz mit ihr reden?« fragte Jack. Kathy fragte Kim, ob sie bereit sei, mit einem Arzt zu sprechen, der gerade zufällig in ihrem Büro sei. Da Kim nichts dagegen einzuwenden hatte, reichte Kathy Jack den Hörer. Jack stellt sich vor, verschwieg jedoch, daß er Gerichtsmediziner war. Nachdem er ihr durch ein paar mitfühlende Worte ein wenig Trost zu spenden versucht hatte, erkundigte er sich nach ihren Symptomen.
»Es fing ganz plötzlich an«, erklärte Kim. »Den ganzen Tag über ging es mir bestens, und dann habe ich plötzlich fürchterliche Kopfschmerzen und Schüttelfrost bekommen. Außerdem habe ich Muskelschmerzen, und der Rücken tut mir weh. Es ist weiß Gott nicht meine erste Grippe, aber so heftig wie diesmal hat es mich noch nie erwischt.«
»Müssen Sie husten?« fragte Jack.
»Ein bißchen. Aber ich habe das Gefühl, es wird schlimmer.«
»Haben Sie Schmerzen in der Brust? Zum Beispiel hinter dem Brustbein, wenn Sie einatmen?«
»Ja. Hat das was zu bedeuten?«
»Sind Sie mit einem Patienten namens Carpenter in Berührung gekommen?«
»Ja. Genauso wie mein Kollege George Haselton. Als Mr. Carpenter plötzlich Kopfschmerzen und Schüttelfrost bekam, war er ein ganz schön anstrengender Patient. Aber Sie glauben doch wohl nicht, daß meine Symptome etwas mit Mr. Carpenter zu tun haben, oder? Die Inkubationszeit für Grippe beträgt doch mehr als vierundzwanzig Stunden.«
»Ich bin kein Spezialist für Infektionskrankheiten«, sagte Jack ausweichend. »Deshalb kann ich Ihnen die Frage nicht beantworten. Aber ich empfehle Ihnen, Rimantadin zu nehmen.«
»Wie geht es denn Mr. Carpenter?« fragte Kim. »Nennen Sie mir einfach den Namen einer Apotheke in Ihrer Nähe«, schlug Jack vor, »dann gebe ich das Rezept telefonisch durch.« Er ging absichtlich nicht auf Kims Frage ein. Offensichtlich hatte sich der Zustand von Mr. Carpenter erst so dramatisch verschlechtert, nachdem sie Feierabend
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