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Neuromancer-Trilogie

Titel: Neuromancer-Trilogie Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: W Gibson
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Apfelblütenmuster am Rand, die schon Sprünge hatte und zu einem Service gehörte, an das sich Turner noch erinnerte.
    »O Gott«, sagte Sally. »In was bist du da nur reingeraten, Turner?«
    »Gute Frage.« Er nahm am Tisch Platz.
    Angie starrte ihn kauend an.
    »Angie«, sagte er, »Rudy hat was in deinem Kopf gefunden, als er dich durchleuchtet hat.«
    Sie hörte auf zu kauen.
    »Er weiß nicht, was es ist. Vielleicht hat’s dir jemand eingepflanzt, als du noch viel jünger warst. Weißt du, was ich meine?«
    Sie nickte.
    »Weißt du, was es ist?«
    Sie schluckte. »Nein.«
    »Aber du weißt, wer’s reingemacht hat?«
    »Ja.«
    »Dein Vater?«
    »Ja.«
    »Weißt du, warum?«
    »Weil ich krank war.«
    »Inwiefern krank?«
    »Nicht schlau genug.«
     
    Gegen Mittag war er fertig. Das Hovercraft stand vollgetankt am Tor im Maschendrahtzaun bereit. Rudy hatte ihm ein
rechteckiges schwarzes Reißverschlusstäschchen voller Neuer Yen gegeben; manche Scheine waren so abgegriffen, dass sie fast durchscheinend waren.
    »Ich hab das Band durch ein französisches Wörterbuch gejagt«, sagte Rudy, während einer der Hunde die staubigen Rippen an seinen Beinen scheuerte. »Hat nicht geklappt. Ist wohl so’ne Art Kreolisch. Vielleicht afrikanisch. Willst du’ne Kopie?«
    »Nein«, sagte Turner, »behalt’s.«
    »Danke«, sagte Rudy, »aber ich verzichte. Ich hab nicht vor zuzugeben, dass du hier warst, falls jemand fragt. Sally und ich, wir fahren heute Nachmittag nach Memphis und bleiben da bei ein paar Freunden. Die Hunde werden das Haus bewachen.« Er kraulte das Tier hinter seiner Plastikhaube. »Klar, Alter?« Der Hund winselte und zuckte. »Ich musste ihnen das Waschbärjagen abgewöhnen, als ich ihnen die Infrarot-Optik eingesetzt hab, sonst gäb’s weit und breit keine Waschbären mehr …«
    Sally und das Mädchen kamen von der Veranda herunter. Sally trug eine kaputte Segeltuchtasche mit Sandwiches und einer Thermoskanne Kaffee. Turner dachte daran, wie sie oben im Bett gelegen hatte, und lächelte. Sie lächelte zurück. Sie sah älter aus heute, müde.
    Angie hatte das blutverschmierte MAAS-NEOTEK-T-Shirt gegen ein unförmiges schwarzes Sweatshirt eingetauscht, das Sally irgendwo aufgetrieben hatte. Das machte sie wiederum jünger, als sie war. Sally hatte es auch fertiggebracht, die verbliebenen Blutergüsse durch ein barock anmutendes Make-up zu tarnen, das sich mit dem kindlichen Gesicht und dem weiten Shirt seltsam biss.
    Rudy drückte Turner den Schlüssel für das Hovercraft in die Hand. »Hab mir heute Morgen von meinem alten Cray einen Überblick über die neuesten Meldungen der Unternehmen
zusammenstellen lassen. Eine davon sollte dich interessieren. Maas Biolabs hat den Tod von Dr. Christopher Mitchell bekanntgegeben. Unfall.«
    »Beeindruckend, wie unklar sich diese Leute ausdrücken können.«
    »Legt den Gurt ganz straff an und lasst ihn auch an«, sagte Sally gerade, »sonst ist euer Hintern grün und blau, bis ihr zur Statesboro-Umgehung kommt.«
    Rudy schaute zu dem Mädchen hinüber und blickte dann wieder Turner an. Turner sah die geplatzten Äderchen an seiner Nasenwurzel. Die Augen waren blutunterlaufen, und das linke Lid zuckte heftig. »Tja, das war’s dann wohl. Komisch, aber ich hatte schon gedacht, ich würd dich nie wiedersehen. Irgendwie komisch, dass du wieder da bist …«
    »Ihr beiden habt mehr getan, als ich erwarten konnte«, sagte Turner.
    Sally schaute weg.
    »Also, vielen Dank. Und jetzt müssen wir los.« Turner kletterte in die Kabine hinauf; am liebsten wäre er schon weg gewesen. Sally drückte dem Mädchen die Hand, gab ihr die Tasche und blieb neben ihr stehen, während sie über die zwei ausklappbaren Trittbügel einstieg. Turner nahm auf dem Fahrersitz Platz.
    »Sie hat dauernd nach dir gefragt«, sagte Rudy. »Nach’ner Weile ist es so schlimm geworden, dass die Endorphin-Analoga den Schmerz nicht mehr ganz ausschalten konnten. Alle zwei Stunden oder so hat sie gefragt, wo du bist, wann du kommst.«
    »Ich hab dir Geld geschickt«, sagte Turner. »Das hätte für die Verlegung nach Chiba gereicht. In den Kliniken da unten hätten sie was Neues probieren können.«
    Rudy schnaubte. »Chiba? Herrgott. Sie war’ne alte Frau. Was hätte es ihr denn gebracht, wenn man sie in Chiba noch’n
paar Monate länger am Leben erhalten hätte? Ihr größter Wunsch war’s, dich zu sehen.«
    »Hat nun mal nicht geklappt«, sagte Turner, während das Mädchen auf dem Sitz neben

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