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Nick Stone - 01 - Ferngesteuert

Nick Stone - 01 - Ferngesteuert

Titel: Nick Stone - 01 - Ferngesteuert Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Andy NcNab
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leisteten uns ein Taxi nach Georgetown. Natürlich wäre es billiger gewesen, mit einem Bus oder der Metro zu fahren, aber so bekamen uns unterwegs weniger
    Fahrgäste oder Fußgänger zu Gesicht. Unser Taxifahrer war ein Nigerianer. Der Stadtplan auf dem Beifahrersitz neben ihm wirkte nicht sonderlich vertrauenerweckend, und die Englischkenntnisse des Manns waren sehr
    beschränkt. Er fragte mich radebrechend, wo Georgetown liege. Das kam mir so vor, als frage ein Londoner Taxifahrer nach Chelsea. Anhand des Stadtplans erklärte ich ihm geduldig, wie er fahren mußte. Ich rechnete mit ungefähr einer halben Stunde Fahrzeit.
    Unterwegs begann es zu nieseln – nicht genug, um die Scheibenwischer laufen zu lassen, aber doch so stark, daß er sie gelegentlich einschalten mußte. Kelly mampfte einen Apfel und sah aus dem Fenster. Ich hielt Ausschau nach anderen Motels. Vielleicht würden wir bald wieder umziehen müssen.
    Wir saßen einige Minuten lang schweigend
    nebeneinander, bis mir einfiel, daß der Fahrer erwarten würde, uns reden zu hören. »In deinem Alter bin ich noch 173
    kein einziges Mal mit einem Taxi gefahren«, erzählte ich.
    »Meine erste Taxifahrt habe ich mit fünfzehn gemacht, glaube ich.«
    Kelly betrachtete mich erstaunt. »Du hast Taxis wohl nicht gemocht?«
    »Nein, wir haben bloß nicht viel Geld gehabt. Mein Stiefvater ist meistens arbeitslos gewesen.«
    Sie starrte mich stirnrunzelnd an. Dann wandte sie sich ab und sah wieder aus ihrem Fenster.
    Vor der Key Bridge staute sich der Verkehr.
    Georgetown lag gleich gegenüber auf dem anderen Ufer des Potomac River, so daß wir schneller dort gewesen wären, wenn wir ausgestiegen und zu Fuß gegangen
    wären, aber es war klüger, sich nicht zu viel auf der Straße zu zeigen. Kellys Gesicht würde in allen
    Zeitungen und vielleicht sogar auf Fahndungsplakaten abgebildet sein. Die Polizei würde mit Hochdruck nach ihr und ihrem Entführer fahnden.
    Ich beugte mich über die Lehne des Beifahrersitzes, griff nach dem Stadtplan und dirigierte den Taxifahrer zur Wisconsin Avenue, der in Nord-Süd-Richtung
    verlaufenden Hauptverkehrsstraße. Ich hatte Georgetown als beinahe selbständigen Stadtteil in Erinnerung – mit vornehmen, hübschen Stadthäusern, die in San Francisco hätten stehen können. Die unebenen Gehsteige waren aus roten Ziegeln, und praktisch jeder am Randstein parkende Wagen schien ein BMW, Volvo, Mercedes, Golf GTI
    oder Discovery zu sein. An allen Häusern und
    Geschäften prangte ein Schild, das verkündete, dieses Gebäude werde von einem Sicherheitsdienst überwacht.
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    Versuchte man dort einzubrechen, hatte man eine
    Schnelle Eingreiftruppe im Genick, bevor man auch nur dazu kam, den Stecker des Videorecorders
    herauszuziehen.
    Die Wisconsin Avenue ist ein breiter Boulevard mit Häusern und Läden auf beiden Straßenseiten. Wir fanden das Restaurant Good Fellas nach ungefähr einer halben Meile auf der rechten Seite der einen Hügel
    hinaufführenden Straße. Was Restaurants betraf, schien es eines dieser schicken Designerlokale zu sein; seine gesamte Straßenfront war schwarz bis hin zu den
    Rauchglasfenstern, und der einzige Farbklecks waren die Goldlettern über dem Eingang. Inzwischen war es fast Mittag; das Personal würde also vollzählig anwesend sein.
    Wir betraten das Restaurant durch die zweiflüglige schwarze Glastür und standen im Eishauch einer
    Klimaanlage. Vor uns lag eine Art Vorraum, der die gesamte Frontbreite des Restaurants einnahm. Ungefähr in der Mitte saß an einem Schreibtisch eine junge Empfangsdame, die sehr elegant und freundlich aussah.
    Pats guter Geschmack imponierte mir. Die junge Frau sah uns lächelnd entgegen, als ich mit Kelly an der Hand auf sie zuging.
    Als wir näher kamen, merkte ich, daß sie fragend
    lächelte. Sie war jetzt aufgestanden, und ich sah, daß sie zu ihrer weißen Satinbluse eine elegante schwarze Hose trug. »Entschuldigung, Sir«, sagte sie, »aber wir …«
    Ich hob lächelnd die Hand. »Schon gut, wir wollten nicht bei Ihnen essen. Ich versuche nur, meinen Freund 175
    Patrick zu finden. Er ist vor gut einem halben Jahr Stammgast bei Ihnen gewesen. Erinnern Sie sich
    vielleicht an ihn? Meines Wissens ist er mit einer Ihrer Bedienungen befreundet gewesen. Er ist Engländer, redet wie ich.«
    »Davon weiß ich leider nichts, Sir; ich bin erst seit Semesterbeginn hier.«
    Semesterbeginn? Natürlich, wir waren in Georgetown, im Universitätsviertel. Viele der hiesigen

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