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Olympos

Titel: Olympos Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Dan Simmons
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gewinnen, doch eines Menschen Wiede r kehr wird nicht erbeutet noch gewonnen, sobald es verließ das Gehege der Zähne ‹ . Nicht einmal Vater Zeus besitzt die Macht, Tote zum Leben zu erwecken, Achilles.«
    »Weshalb hast du es mir dann angeboten, verdammt noch mal?«, knurrt der Männertöter. Er spürt, wie sich nun Zorn zur Liebe gesellt – Öl und Wasser, Feuer und … nicht Eis, sondern eine andere Art Feuer. Er ist sich deutlich seines Zorns wie auch der Götter und Göttinnen tötenden Klinge in seiner Hand b e wusst. Um nichts Unüberlegtes zu tun, steckt er die Klinge in seinen bre i ten Kriegsgürtel.
    »Es ist möglich, Penthesilea wieder zum Leben zu erwecken«, sagt Athene, »aber diese Macht habe ich nicht. Ich werde sie mit einer Art Ambrosia bestreuen, das sie vor der Verwesung b e wahrt. So wird ihr Leichnam bis in alle Ewigkeit die Röte auf den Wangen und den Hauch verklingender Wärme bewahren, den du jetzt spürst. Ihre Schönheit wird nie vergehen.«
    »Was nützt mir das?«, knurrt Achilles. »Erwartest du wirklich von mir, dass ich meine Liebe mit einem Akt der Nekrophilie z e lebriere?«
    »Das bleibt dir überlassen«, sagt Pallas Athene mit einem höhn i schen Grinsen, das Achilles beinahe dazu bringt, den Dolch aus dem Gürtel zu ziehen. »Aber wenn du ein Mann der Tat bist«, fährt sie fort, »dann erwarte ich von dir, dass du den Leichnam deiner Geliebten auf den Gipfel des Olymps bringst. Dort, in e i nem großen Gebäude in der Nähe eines Sees, verbirgt sich unser göttliches Geheimnis – eine Halle voller durchsicht i ger, mit einer Flüssigkeit gefüllter Tanks, in der fremdartige Geschöpfe unsere Wunden behandeln, alle Schäden beheben und dafür sorgen, dass wir – wie du es einmal formuliert hast – über das Gehege der Zähne wiederkehren.«
    Achilles dreht sich um und schaut zu dem endlosen Berg hi n auf, der das Sonnenlicht einfängt. Er steigt immer weiter e m por. Der Gipfel ist außer Sicht. Die senkrecht aufragenden Steilwände an seinem Fuß, nur der Anfang des gewaltigen Massivs, sind über viertausend Meter hoch. »Den Olympos e r klimmen … «, sagt er.
    »Es gab einmal eine Roll ’ , eine Treppe«, sagt Pallas Athene und zeigt mit ihrer langen Lanze hin. »Dort siehst du ihre Übe r reste. Es ist noch immer der leichteste Weg nach oben.«
    »Ich werde mir den Weg nach oben Schritt für Schritt erkäm p fen müssen«, sagt Achilles mit einem schrecklichen Grinsen. »Ich fü h re noch immer Krieg gegen die Götter.«
    Pallas Athene grinst ebenfalls. »Die Götter bekriegen sich jetzt selbst, Peleussohn. Und sie wissen, dass sich das Bran-Loch ein für alle Mal geschlossen hat. Die Sterblichen bedrohen die Ha l len des Olymps nicht mehr. Ich schätze, dass du unentdeckt und u n behelligt emporsteigen wirst, aber wenn du oben bist, werden sie gewiss Alarm schlagen.«
    »Aphrodite«, flüstert der fußschnelle Männertöter.
    »Ja, sie wird dort sein. Und Ares auch. All die Baumeister deiner persönlichen Hölle. Du hast meine Erlaubnis, sie zu töten. Ich bi t te dich nur um einen Gefallen als Gegenleistung für mein Ambr o sia, meinen Rat und meine Liebe.«
    Achilles dreht sich wieder zu ihr um und wartet.
    »Zerstöre die Genesungstanks, wenn sie deine Amazonengelie b te wieder lebendig gemacht haben. Töte den Heiler – ein riesiges, monströses Tausendfüßlerwesen mit zu vielen Armen und A u gen. Zerstöre alles in der Halle des Heilers.«
    »Würde das nicht auch das Ende deiner Unsterblichkeit bede u ten, Göttin?«, fragt Achilles.
    »Lass das meine Sorge sein, Pelide«, sagt Pallas Athene. Sie streckt die Arme aus, die Handflächen nach unten, und gold e nes Ambrosia rieselt auf Penthesileas blutigen, durchbohrten Leib hinab. »Geh jetzt. Ich muss zurück zu meinen eigenen Kriegen. Was mit Ilium geschieht, wird bald entschieden werden. Dein Schicksal wird sich dort oben auf dem Olymp en t scheiden.« Sie zeigt auf den Berg, der sich endlos über ihnen erhebt.
    »Du spornst mich an, als hätte ich die Macht eines Gottes, Pa l las Athene«, sagt Achilles mit leiser Stimme.
    »Du hattest schon immer die Macht eines Gottes, Peleu s sohn.« Die Göttin erhebt segnend ihre freie Hand und qtet fort. Die Luft strömt mit einem leisen Donnerschlag in das Vakuum.
    Achilles legt Penthesileas Körper nur kurz inmitten der and e ren Leichen nieder, um sauberes, weißes Leinen aus seinem Kriegszelt zu holen und ihn darin einzuhüllen. Dann holt er seinen Schild,

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