Patty Janes Frisörsalon
einfach gewisse Leute, die besser daran tun, in ihren eigenen Kreisen zu bleiben«, erklärte Bernice.
»Das heiÃt, wenn man nicht so clever ist, reiche Vorfahren zu haben«, übersetzte Avel.
Bernice zog ihre Augenbrauen so weit zusammen, daà sie eine einzige Linie der MiÃbilligung bildeten. »Wie dem auch sei«, sagte sie, »wir sind heute nicht hier zusammengekommen, um euch zu bitten, eure Hochzeit abzublasen.«
»Nur, sie zu verschieben«, stimmte Esme nickend ein.
»Was?« fragte Avel.
»Du wirst zu der Zeit in Kolumbien sein, Avel«, erklärte Esme in einem Ton, der von falscher Freundlichkeit nur so troff.
»Wo?« fragte Avel.
»In Kolumbien, in Südamerika«, antworteten die Schwestern.
»Uns bietet sich dort eine Gelegenheit zu einem groÃen Geschäft, aber vorher müssen einige Nachforschungen betrieben werden«, sagte Bernice.
»Der Aufsichtsrat hat sich dafür entschieden, daà du das übernimmst«, fügte Esme hinzu.
»Aber ich sitze doch im Aufsichtsrat«, entgegnete Avel, »und ich habe das nie entschieden.«
»Wir haben in deiner Abwesenheit abgestimmt«, sagte Bernice.
»Durch die du ja häufig glänzt«, bemerkte Esme. »Du reist am fünfzehnten Mai ab. Alle Vorverhandlungen sollten bis Mitte Juli abgeschlossen sein.«
»Ihr wiÃt genau, daà das nicht geht.« Avel stand auf. »Ich heirate im Juni.«
»Höchstens, wenn du dein Jawort auf spanisch gibst«, entgegnete Bernice.
»Avel!« Harriet nahm ihn bei der Hand, sie wuÃte, daà er in einer Auseinandersetzung mit diesen Frauen keine Chance haben würde. »Avel, wir können das Hochzeitsdatum verschieben.«
Eine pochende Ader schwoll an Avels Schläfe an. »Nein, wir können das Hochzeitsdatum nicht verschieben! Wir heiraten am dreiundzwanzigsten.«
Harriet sah die Tränen in Avels Augen und hörte das Gelächter der Schwestern, als er sie mit sich zur Tür zog. Sie hatte während des ganzen Gesprächs kein Rückgrat gezeigt, aber keiner konnte ihren Verlobten ungestraft zu Tränen treiben. Sie blieb so abrupt stehen, daà Avel einen halben Schritt zurücktaumelte.
»Hey, Mädels«, sagte sie so munter wie die Avonberaterin, »ich versteh gar nicht, warum ihr eure Zeit im Getreidegeschäft verschwendet, wo ihr so offensichtlich fürs Damenringen wie geschaffen seid.« Sie lächelte zuckersüÃ. »Ihr wärt bestimmt die Stars â die Leute lieben doch schmutzige Kämpfe.«
Avel lachte den ganzen Weg bis zum Auto.
»Was ist denn am dreiundzwanzigsten so Besonderes?« fragte Harriet später, als sie am Hiawatha-See parkten.
»Ich hatte einfach immer dieses Datum im Kopf, wenn ich an meine eigene Hochzeit gedacht habe«, antwortete Avel, während er ihr langes braunes Haar streichelte. »Ich war so erleichtert, als du damit einverstanden warst â ich hatte Angst, du hättest dir vielleicht schon einen eigenen besonderen Tag ausgedacht.«
»Avel, das Datum ist mir völlig gleichgültig; wichtig ist mir nur, daà wir heiraten.«
Avel küÃte ihr die Hand. »Du, meine geliebte Pragmatikerin«, sagte er.
»Du alter SüÃholzraspler«, erwiderte Harriet und gab ihm einen KuÃ.
Eine Woche später muÃte Avel wieder zu einer Besprechung. Milt Zims, der Privatdetektiv, hatte ihn in sein Büro bestellt, um ihm mitzuteilen, daà die Fahndung beendet sei, SchluÃ, aus, fertig. Zims rollte eine Ecke eines dünnen Hefters zusammen. »Soweit ich feststellen kann, ist Mr. Thor Rolvaag vom Erdboden verschwunden.«
»Was ist mit den beiden Frauen, mit denen er was hatte?«
Zims grub seine Finger in eine Dose Kautabak. »Nach dem, was ich gehört habe, war das jeweils nur ein SchuÃ.« Er lachte über sein Wortspiel. »Auf die Anschläge haben Sie nichts gehört?«
Avel schüttelte den Kopf. Er und Harriet hatten VermiÃtenanzeigen von Thor an Ladenfenster und Anschlagbretter in Lebensmittelgeschäften geklebt, aber niemand hatte sich gemeldet â auÃer einer Frau, die sagte, wenn sie ihn jemals fänden, sollten sie ihm doch bitte ihre Telefonnummer geben.
Danach hatte Patty Jane sie gebeten, die Anschläge alle wieder abzunehmen. Mit jedem Tag wuchs ihre Ãberzeugung, daà Thor nicht verlorengegangen war wie ein streunender Hund,
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