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Pfad der Schatten reiter4

Pfad der Schatten reiter4

Titel: Pfad der Schatten reiter4 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: britain
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gerichtet, die Schultern straff nach hinten und die Hände ruhig. Hier war jemand, dem man korrektes Reiten beigebracht hatte, aber sie wirkte trotzdem steif, als sei ihr unbehaglich zumute. Die Tatsache, dass sie ihr Kinn nach oben reckte und ihr Gesicht einen Ausdruck der Verachtung trug, half auch nicht gerade. Karigan vermutete, dass sie wütend darüber war, Reitstunden für Anfänger ertragen zu müssen.
    »Sie ist ganz schön hochnäsig«, sagte Elgin.
    Karigan hob eine Augenbraue, weil er so unverblümt sprach.
    »Sie stammt aus einer Adelsfamilie, wie ich höre, und ihre Eltern waren nicht besonders glücklich, als sie berufen wurde. Sie reitet den alten Graft, als wäre er ein Holzscheit. Sie meint, dass sie für uns und unsere alten Kavalleriepferde zu gut ist. Ihr Pappi hat ihr zu Hause bestimmt alle möglichen Vollblutpferde zum Reiten gegeben.«
    Karigan warf ihm einen Seitenblick zu. Auch sie hatte Zugang zu den besten Pferden in den Ställen ihres Vaters gehabt, als sie aufwuchs, und sie fand sein Urteil über Sophina unfair. Sie verzichtete jedoch darauf, Elgin das zu sagen und ihn an den Reichtum ihres Vaters zu erinnern.
    »Findest du, dass Graft mit Sophina auf dem Rücken glücklich aussieht?«, fragte er.
    Karigan musste zugeben, dass das nicht der Fall war. Er kanterte eher zögernd und kaute unzufrieden auf seiner Gebissstange. Und Sophina wirkte, als wäre sie glücklicher, auf dem Damensattel eines Jagdpferdes in Gesellschaft anderer Menschen ihres eigenen Ranges zu reiten.

    »Warte nur, bis Riggs mit dem berittenen Kampftraining anfängt«, sagte Elgin mit einem etwas boshaftem Glitzern in den Augen. »Dann wird Sophina einiges lernen, jedenfalls hoffe ich es. Ich hoffe, dass sie es alle lernen, denn ihr Überleben wird davon abhängen.«
    Er hatte recht, überlegte Karigan. Grüne Reiter waren in allen denkbaren Situationen und unter allen möglichen Umständen unterwegs. Der berittene Kampf würde für die jungen Reiter eine völlig neue Disziplin sein, genau wie damals für sie. Ihr Waffentraining mit Meister Drent war gut und schön  – zu Fuß. Ein Schwert vom Rücken eines Pferdes aus zu schwingen, erforderte ganz andere Fertigkeiten.
    »Wir wollen, dass sie zurückkommen«, murmelte Elgin. »Das wollen wir immer.«
    Plötzlich schien Elgin die Reiter vor sich nicht mehr wahrzunehmen. Karigan vermutete, dass er an Reiter aus der Vergangenheit dachte. Sie wusste nicht viel über seine Geschichte, aber sie fragte sich, wie viele Reiter er wohl verloren hatte. Sie beobachtete ihn aufmerksam, sah einen Muskel in seiner Wange zucken und merkte, wie sein verwittertes Gesicht kaum merklich härter wurde.
    »Befehlsgewalt ist nie einfach.« Seine Stimme war so leise, dass Karigan dachte, er hätte eigentlich mit sich selbst gesprochen. »Wenn man einen Befehl erteilt, weiß man nie, ob sie es schaffen zurückzukommen.«
    Karigan hätte ihm gern einige Fragen gestellt und ihn behutsam ein wenig über seine Vergangenheit ausgeforscht, aber in diesem Augenblick erschien ein Grüner Fußbote, der sie zu Hauptmann Mebstone befahl. Sie verabschiedete sich von Elgin, und als sie wenige Minuten später die Offiziersbaracke erreichte, öffnete ihr der Hauptmann selbst und bat sie herein.
    Die Kammer des Hauptmanns diente diesem als Wohnquartier und Büro und hatte fast überhaupt keine persönliche
Note. Dafür füllten Bücher, Geschäftsbücher und andere Aufzeichnungen die Regale, und in einer Ecke stand ein Fass voller Landkarten. Ihr Arbeitstisch war mit Papieren übersät, und dazwischen standen einige Tassen mit alten Teeresten. Das Licht war schwach, denn wie die Burg selbst war auch die Offiziersbaracke aus Stein, und das einzige Licht fiel durch die Schießscharten herein. Karigan wusste, dass der Hauptmann nicht viel Zeit hier verbrachte, denn sie war häufig im Schloss, um dem König zu dienen und an Besprechungen teilzunehmen.
    »Setz dich, Karigan«, sagte Hauptmann Mebstone und fing dann an, mit ihrer Feder auf einem Papier zu kritzeln, als wüsste sie gar nicht, dass sich eine Reiterin mit ihr im Raum befand.
    Karigan setzte sich auf einen Stuhl vor dem Arbeitstisch, wartete darauf, dass der Hauptmann sich ihr widmete, und fragte sich, warum sie wohl herbeordert worden war. Vielleicht würde sie jetzt doch endlich auf einen Botenritt ausgeschickt werden, obwohl Mara normalerweise solche Befehle weitergab. Vielleicht wollte der Hauptmann wissen, wie weit sie mit den

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