Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Pfad der Schatten reiter4

Pfad der Schatten reiter4

Titel: Pfad der Schatten reiter4 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: britain
Vom Netzwerk:
Garth war mitten in der Nacht verschwunden.
    Vielleicht lag ihre Rastlosigkeit an dem hellen Sonnenlicht und dem Geruch der von der Schneeschmelze durchfeuchteten Erde. Die Vögel kehrten zirpend aus dem Süden zurück, und die Pferde rannten und stampften mit neuer Energie über ihre Weiden. Die Welt erwachte wieder zum Leben, aber Karigan war mit ihrer schwachen Lampe und den Geschäftsbüchern in den feuchten, dunklen Gewölben des Schlosses eingesperrt. Vielleicht sollte sie Kondor aufzäumen und mit ihm ein paar Runden um den Reitring drehen.
    Manche der neuen Reiter waren offensichtlich besser mit den subtileren Feinheiten der Reitkunst vertraut als andere.
Pferdemeisterin Riggs verlangte keine perfekte Form. Aber sie bildete ihre Schützlinge zu kompetenten Reitern aus, die stundenlang im Sattel bleiben konnten und auch in schwierigen Situationen oder während eines Kampfes nicht abgeworfen wurden, und die wussten, wie man einen Langstreckenritt im richtigen Rhythmus bewältigt. Auch die Pflege eines Pferdes und seines Sattels und Zaumzeugs waren wichtige Lektionen.
    Momentan ritten sie auf ausgedienten Kavalleriepferden. Später im Frühling wurden neue Botenpferde eintreffen, angeliefert von einem Händler, dessen Familie die Grünen Reiter seit Generationen mit ihren Tieren versorgt hatte. Die Pferde stammten aus der Wildnis und waren sehr intelligent; sie besaßen sogar geradezu unheimliche Kenntnisse – falls sie dazu aufgelegt waren.
    Bald würde jeder neue Reiter ein Pferd haben, das nur ihm gehörte, das er ritt und pflegte, und mit dem er eine ganz besondere Partnerschaft und Freundschaft einging, die andauern würde, solange die beiden lebten.
    »Rückwärtstrab«, rief Meisterin Riggs.
    Die Reiter gehorchten oder versuchten vielmehr, dem Befehl zu folgen. Ein Mädchen schlug ihre Beine auf die Flanken ihres Pferdes, das einfach stehen blieb und den Kopf zu Boden senkte, um zu grasen. Ein Junge konnte sein Pferd nicht davon abhalten, weiterhin im Kreis zu gehen. Anderen gelang es nicht, die Diagonale zu wechseln, eine Technik, die für den Postentrab unerlässlich war. Meisterin Riggs korrigierte jeden einzelnen Reiter.
    »Sie scheinen Fortschritte zu machen«, sagte Karigan.
    »Sie haben noch viel zu lernen«, antwortete Elgin.
    »Zumindest üben sie nicht die Hofetikette. Haben Sie es geschafft, mit Mara über Ty zu sprechen?«
    Elgin lachte schnaubend auf.
    »Bedeutet das ein Ja?«, fragte Karigan.

    Elgin nickte. »Ich muss Mara für ihre kreative Lösung bewundern.«
    »Ach?«
    »Anstatt Ty direkt zu konfrontieren, schickte sie ihn auf einen Botenritt nach Penburn. Er wird relativ lange weg sein, und ich kann dafür sorgen, dass diese kleinen Kücken zu richtigen Reitern werden.«
    Karigan musste zugeben, dass dies ein guter Schachzug von Mara gewesen war. Ty wegzuschicken stellte für ihn keine Beleidigung dar, im Gegensatz zu einer offenen Kritik an seinen Trainingsmethoden, und er konnte den direkten Befehl eines Botenrittes nicht verweigern.
    »Ha, als Ty vorschlug, statt seiner dich auszusenden«, erzählte Elgin, »sagte ihm Mara, er solle froh sein, wenn du hierbleibst und weiterhin an den Gehaltskonten arbeitetest, falls er Wert darauf legt, seinen Lohn rechtzeitig zu kriegen. Das überzeugte ihn.«
    Es erklärte auch, warum Karigan auf keinen Botengang geschickt worden war. Sie seufzte. Je eher sie mit den Kontenbüchern fertig war, desto eher konnte sie wieder reiten.
    Sie sahen dem Unterricht noch eine Weile schweigend zu. Die Sonne fiel angenehm auf Karigans Rücken, und sie hatte keine Lust, wieder in die düstere Burg zurückzukehren. Meisterin Riggs forderte ihre Studenten zum Kantern auf. Auch hier gelang einigen den Übergang besser als anderen. Manche saßen beim Kantern sicher im Sattel, andere hopsten dabei auf und ab.
    »Diese Merla«, sagte Elgin, »macht sich schon ganz gut.«
    Karigan entdeckte das Mädchen, eine schlaksige Sechszehnjährige, die ziemlich kompetent im Sattel saß, obwohl sie ihre Ellbogen nach außen streckte und ihre Haltung etwas krumm war.
    »Aus Andolind«, sagte Elgin. »Ihre Eltern sind Pachtbauern.
Arme Leute. Die haben keine Pferde. Sie hat noch nie auf einem gesessen, bevor sie hierher kam. Sieh sie dir jetzt an … als wäre sie dazu geboren. Siehst du, wie Baron sich verhält? Es gefällt ihm. Sophina dagegen …«
    Karigan betrachtete die junge Frau, die kerzengerade auf ihrem Pferd saß, die Absätze nach unten und die Zehen nach oben

Weitere Kostenlose Bücher