Pfad der Schatten reiter4
Brüste hervortraten, wenn er eine frische Tasse Kauv verlangte, und kicherte und errötete, wenn er ihr zuzwinkerte. Amberhill hatte noch nie erlebt, dass seine matronenhafte Köchin sich so verhielt. Es war umso besser, dass er Brigham für den Rest des Tages beurlaubt hatte. Der Mann wäre entsetzt gewesen.
Amberhill setzte sich ans Kopfende des Tisches, und Mamsell Landen kam mit einem gefüllten Teller für ihn wieder herein.
»Esst alles auf, Herr«, sagte sie. »Ihr solltet Euch ein Beispiel an Meister Yap nehmen. Er hat einen fabelhaften Appetit.«
Yap grinste beim Kauen, und Amberhill fürchtete, ihm selbst würde der Appetit gleich vollends vergehen.
»Diese Fress …« Yap hielt inne, weil er sich daran erinnerte, das Essen zuerst herunterzuschlucken, und begann dann von
Neuem. »Diese Fressalien sind sehr gut, Herr. Richtiges Landfleisch! Wie ich das vermisst hab, die vielen Jahre auf dem Meer.« Er schob sich noch einen großen Happen Schinken in den Mund und kaute begeistert.
Amberhill stocherte in seinem Frühstück herum und staunte, wie viel Essen und Kauv Yap herunterbrachte. Immer wieder eilte Mamsell Landen mit weiterem Nachschub aus der Küche herbei.
»Ich fühl mich so frisch wie ein neugeborenes Kindlein«, sagte Yap. Er strich mit einer Hand über die ihm verbliebenen Haare. »Ich dachte, Euer Mann Brigham würde mir die ganze Haut von den Knochen schrubben. Auf seiner Feindesliste will ich nicht stehen.«
»Nein, in der Tat«, murmelte Amberhill und schlürfte seinen Kauv. Normalerweise trank er ihn mit Zucker und Rahm, aber irgendwie zog er ihn heute Morgen stärker vor. »Ich habe einige Kleider für Sie zum Anprobieren herausgelegt.«
»Das ist sehr großzügig, Herr. Heute ist ein sagenhafter Morgen gewesen. Keeler hätte das nie geglaubt.«
Amberhill hob die Augenbrauen. Ganz bestimmt hätte Keeler diesen Morgen nicht als sagenhaft bezeichnet, da seine Knochen nun im Ossarium in der Eierstraße lagen, aber Yap schien die Abwesenheit seines ehemaligen Kumpanen absolut nichts auszumachen.
Als Yap sich bis zum Rand vollgestopft hatte und sowohl Amberhill, als auch Mamsell Landen damit komplett verblüfft hatte, führte ihn Amberhill in Morrys Zimmer hinauf und half ihm in die Kleider, die er ausgewählt hatte. Bevor Yap das Hemd anzog, bemerkte Amberhill alte Narben von Peitschenhieben auf seinem Rücken, so viele, dass der Rücken mehr Narben als glatte Haut aufwies. Yap mochte im Moment ein lustiger Kerl sein, aber das bedeutete nicht, dass sein Leben als
Seemann immer leicht und locker gewesen war. Piraten konnten besonders grausame Strafen austeilen.
Die Kleider platzten fast aus den Nähten, und sowohl die Hemdsärmel, als auch die Hosenbeine waren zu lang, aber das bedrückte Yap nicht im Geringsten. »Sie sind sehr fein, Herr«, sagte er. »Ich hab noch nie was Feineres angehabt.« Er betrachtete sich von allen Seiten in Morrys Spiegel.
Amberhill rieb sich das Kinn. Er könnte diese und Morrys restliche Kleider auslassen und neu säumen oder Yap neue Kleidungsstücke anmessen lassen.
Als sie wieder unten in der Eingangshalle waren, sauste Yap in alle Richtungen, um zu sehen, wie sich der Umhang um ihn bauschte. Amberhill kniff die Augen zusammen. Unter diesem Umhang steckte mehr als nur Yap.
»Tja, ich danke Euch für Eure Freundlichkeit, Herr, aber ich glaube, Ihr habt jetzt genug vom alten Yap. Ich nehm jetzt meinen Lohn und geh.«
»Wohin wollen Sie denn gehen?«, fragte Amberhill und tat für den Augenblick so, als sei er mit Yaps Absicht einverstanden.
Yap zuckte die Achseln. »Wo es Schiffe gibt. Ich bin Seemann. Was anderes kann ich nicht, Herr.«
Amberhill ließ vier Silberstücke in Yaps Hand fallen, und der Pirat schluckte. »Das … das ist sehr großzügig, Herr. Ich dank Euch. Und jetzt, lebt wohl.«
Als Yap sich zur Tür umdrehte, blitzte etwas Metallisches unter dem Umhang auf. Etwas, das nicht von den Münzen stammte. Amberhill packte Yaps Arm und wirbelte ihn herum.
»Meister Yap, ich bin sehr großzügig zu Ihnen gewesen, wie Sie mehr als einmal bestätigt haben. Aber jetzt beleidigen Sie mich.«
»Ha?«
»Was verstecken Sie unter dem Umhang?«
»Wie? Aber… aber gar nichts, Herr!« Doch Yaps puterrotes Gesicht erzählte etwas anderes.
Amberhill schlug schneller zu als eine Schlange und zerrte Yap ein paar silberne Kerzenleuchter aus den Händen.
»Ist das etwa nichts?«, schimpfte Amberhill. »Leeren Sie Ihre Taschen aus.« Als Yap
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