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Poison (German Edition)

Poison (German Edition)

Titel: Poison (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Wolfram Alster
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Frankfurt bin, besuche ich euch mal.« Jakob nickt einladend und dreht sich einen Joint. Ich fass es nicht. Der Typ passt in die Szene wie eine Taube auf den Flugplatz. Jedenfalls, wir reden noch ein bisschen, und dann fahre ich mit dem Taxi nach Hause, schlafen. Lange schlafen, mindestens bis nachmittags. Ausgelaugt genug fühle ich mich sowieso, und die bleierne Müdigkeit, die mich gerade überkommt, tut den Rest dazu.

45
    Shahin
     
    Einen Traum einzufangen und in Erinnerung zu behalten, ist ziemlich schwer. Dieses Mal gelingt es mir nicht, denn als es an der Tür läutet und ich langsam wach werde, verblassen die Gestalten in meinen Träumen zu Schemen, werden nebulöser und durchscheinender, bis sie, zeitgleich mit meinem endgültigen Erwachen beim dritten Klingeln verschwinden.
    »Wer klingelt denn jetzt um diese Zeit?«, denke ich, während ich mir einen Blick auf den Wecker gebe. Halb elf morgens. Mhm, der Briefträger kommt immer erst so gegen eins, und Pakete? Ich habe nichts bestellt. Nachbarn gibt es eigentlich auch keine, ich wohne Altbau im zweiten Stock und mit ausgebautem Dachboden, wo sich neben einem Duschbad und einer Toilette auch mein Schlafzimmer befindet. Im ersten Stock wohnen irgendwelche Studenten, Heteros, die eine WG haben, und die ziemlich abgefuckte Partys feiern, Dope rauchen, abhängen, Zeitverschwendung also. Und ich glaube auch kaum, dass die alte Dame aus dem Erdgeschoss freiwillig zu mir hoch kommt, so schlecht, wie sie laufen kann – und das, obwohl wir eigentlich ein gutes Verhältnis haben, aber sie ruft eher immer an, wenn sie etwas benötigt, und ich kaufe es dann meist für sie ein.
    Und – irgendwie hatte ich es mir schon gedacht – ist keiner mehr an der Tür, als ich den Hörer von der Sprechanlage abhebe und lausche, ist nur noch das Gezwitscher der Vögel zu hören, die bereits von ihrer Reise aus dem Süden zurückgekehrt sind, und ab und zu ein Auto, das draußen vorbei fährt. Ein Blick aus dem Fenster zeigt mir einen schwarzen Jeep, der draußen gerade losfährt. Vielleicht ein Nachbar, ein Gast oder wer auch immer. Nichts für mich. Auch der Anrufbeantworter blinkt mir kein fröhliches »Ich habe eine Nachricht für dich« entgegen, nur das Handy liegt immer noch ausgeschaltet auf dem Couchtisch. Mir fällt ein, dass ich den Akku immer noch nicht aufgeladen habe, weswegen ich das Handy ans Ladegerät anschließe und die eingegangenen SMS durchsehe. Ahhh, Ricardo. »Sind morgen in Kreuzberg, Melrose Place. Sieht man sich mal?« Ricardo. Ein eher durchschnittlicher Typ aus Frankfurt, mit dem ich ein-, zweimal im Bett war. Eher aus Mitleid, wobei ich zugeben muss, dass er gar nicht so übel war. Er hatte es echt drauf, mich horny zu machen. Mhm, aber ob ich ihn deswegen treffen muss? Vielleicht keine dumme Idee, um mich auf andere Gedanken zu bringen. »Sind morgen in Kreuzberg« setzt ein »wir« voraus, sonst hätte er sicher »bin morgen in Kreuzberg« geschrieben. Wahrscheinlich tourt er wieder mit seiner Band durch die Gegend. Bedeutungslos. Schlechte Musik von schlechten Musikern, aber das würde ich ihm nie sagen. Immerhin, wenn mir gar nichts einfällt, was ich sonst tun könnte, werde ich wohl hingehen. Na ja, immerhin im »Melrose Place«. Passt von seiner Klasse her voll zur Band. Drittklassige Musik einer drittklassigen Gruppe gehört auch in einen drittklassigen Laden, that’s it.
    Und nun? Ich meine, sonst. Auch wenn der Job in München mir sicher ist, dauert es wohl noch bis Mai, Juni, nächsten Jahres, wohlbemerkt. Was mache ich bis dahin? Noch mal umziehen? München kennenlernen? Oder noch ein bisschen durch Berlin touren? Den Job gleich an den Nagel hängen? In Urlaub fahren? Wieder auf dumme Gedanken kommen? Oder noch einmal etwas erfinden und dann verkaufen? Wie das Sicherheitssystem für die Deutsche Bank. Klaus, mein Bekannter, mit dem ich meine Firma gegründet hatte, und ich, wir hatten damals Kontakte zu ein paar ... mhm... sagen wir, Kreisen von Leuten, die sich bloß an einen Computer setzen und diesen schief anschauen mussten, damit dieser auf zunächst unerklärliche Weise zu arbeiten und wildfremde Daten auszuspucken begann. Innerlich grinse ich bei dieser Umschreibung. Ich habe nicht wirklich Ahnung von Computern, aber als Mathematiker hatte ich schon immer ein Faible für Kryptografie, Wahrscheinlichkeitstheorien, Verschlüsselung und Codierung von Daten. Insofern war es für mich sehr leicht, eine Software zu entwickeln, die

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