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Privatdetektive (16 Romane in einem Band)

Privatdetektive (16 Romane in einem Band)

Titel: Privatdetektive (16 Romane in einem Band) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Alfred Bekker
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elektronische Schloß zu öffnen hätte zu lange gedauert, aber glücklicherweise gab es ein Fenster, durch Jo einen Blick ins Innere warf.
    Es waren zwei Einstellplätze zu sehen. Einer offenbar für Enrights Wagen, der andere für den Sportflitzer seiner Frau. Und beide waren leer.
    Immerhin! dachte Jo. Die Möglichkeit, daß der Vorsitzende der Mercy-Foundation sich davongemacht hatte, war noch nicht ganz gestorben. Wenn es so war, dann mußte es jedenfalls eine ziemlich überstürzte Flucht gewesen sein.

    *

    Zum Mittagessen traf sich Jo mit Sally March. Als sie das Restaurant betraten, blickte sie sich mißtrauisch um.
    "Was ist los mit dir?" fragte Jo, nachdem sie sich gesetzt hatten.
    Sie seufzte und dabei flog ein Lächeln über ihre sinnlich wirkenden Lippen. "Vielleicht sehe ich schon Gespenster", meinte sie.
    "Inwiefern?"
    "Na, daß jemand von der Mercy Foundation etwas merkt." Sie zuckte die Achseln. "Ich bin so etwas nicht gewohnt, Jo..."
    "Ich verstehe..."
    "Wirklich?" Sie lächelte jetzt und ihre dunklen braunen Augen musterten Jo auf unnachahmliche Weise. "Ich habe etwas für dich", sagte sie.
    Jo hob die Augenbrauen und sah, wie sie ihm einen Zettel über den Tisch schob. Dort stand eine Adresse.
    "Was soll das sein?" fragte Jo.
    "Die Adresse einer Taubstummen-Schule, die mit Geldern der Mercy-Foundation unterstützt wurde. Eine von Dutzenden..."
    "Und was ist so besonders an dieser hier?"
    "Daß Mister Enright in letzter Zeit sehr oft dort gewesen ist! besonders in letzter Zeit. Ich weiß es, weil ich seine Spesenabrechnung gesehen habe...." Dann legte sie eine Mappe auf den Tisch. "Ich habe alle Unterlagen der Mercy-Foundation über diese Schule, an die ich herankommen konnte, kopiert..."
    Jo nahm die Mappe und blätterte sie durch.
    "Ganze Arbeit", lächelte er. "Vielleicht solltest du den Job wechseln und in meiner Branche Fuß zu fassen versuchen!"
    Aber sie winkte energisch ab. "Beinahe hätte Sussman gemerkt, was ich da durch den Kopierer jagte... Nein, danke, diese Aufregung wäre auf die Dauer nichts für mich!"
    Jo beugte sich vor und deutete auf die Unterschrift. "Du meinst, daß das etwas mit dem Griff in die Spendenkasse zu tun hast, den du bei Enright vermutest?"
    "Natürlich. Mir fällt nämlich jetzt auch wieder ein, daß bei dem Streit, den Sie hatten, der Name dieses Ortes gefallen ist: Beaufort, Pennsylvania. Warum sollte es nicht etwas damit zu tun haben? Angenommen diese Schule existiert gar nicht, beziehungsweise nur als Fassade..."
    "Dann würde das Geld in einer Art Loch verschwinden", stellte Jo fest.
    Sie nickte. "So ist es. Ich habe außerdem mehrfach versucht, dort anzurufen."
    "Und?"
    "Es hat sich niemand gemeldet. Ist doch merkwürdig, oder?"
    "Allerdings..."
    "Die Schule wird im Internatsbetrieb geführt und hat nach unseren Unterlagen 1500 Schüler! Da werden die doch wohl jemanden angestellt haben, der den Hörer abnimmt! Jedenfalls unter normalen Umständen..."
    "Könnte Enright vielleicht jetzt dorthin gefahren sein?"
    "Könnte er. Aber warum sollte er dort übernachten, Jo?"
    Walker zuckte Achseln. "Keine Ahnung", murmelte er. "Jedenfalls ist er verschwunden. Hast du Lust, mit mir zu dieser Schule hinzufahren?"
    "Ich? Aber..."
    "Wenn ich da auftauche, wird mir niemand einen Ton sagen, aber wenn jemand von der Stiftung mitkommt."
    "Ich habe gleich noch Dienst."
    "Du könntest anrufen und sagen, daß du beim Mittagessen den Magen verdorben hast!" grinste Jo.
    Sie zuckte mit den Schultern. "Warum eigentlich nicht? Aber ich riskiere viel dabei, Jo! Angenommen mein Verdacht erweist sich als unbegründet und Saul Enright sitzt morgen wieder in seinem Büro! Dann kann ich mir einen neuen Job suchen!" Jo lächelte. "Manchmal muß man ein bißchen riskieren. Im Übrigen handelst du doch nur im Interesse der Mercy Foundation. Und wenn die Stiftung dein Engagement nicht zu schätzen weiß, solltest du dir über kurz oder lang sowieso was Besseres suchen..."

    *

    Bis Beaufort, Pennsylvania waren es fast drei Stunden mit dem Wagen, obwohl Jo ziemlich auf das Gaspedal drückte und sich dabei sogar einen Strafzettel einfing.
    Die Stadt selbst war ein kleines Nest, das auf den meisten Karten gar nicht verzeichnet war. Immerhin hatte Beaufort eine eigene Highway-Abfahrt, aber man mußte schon sehr aufpassen, um nicht einfach vorbeizufahren. Die Taubstummen-Schule mußte hier zu den wenigen, über die Gemeindegrenzen hinaus bekannten Punkten zählen, vorausgesetzt sie existierte

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