Privatdetektive (16 Romane in einem Band)
man ausschlachten konnte. Und ihr Kabel-Sender würde sich da sicher nicht zurückhalten.
Der nächste Anruf kam von Sally.
"Jo?"
"Ja?"
"Ich dachte, es interessiert dich vielleicht: Mister Enright ist heute auch nicht zum Dienst erschienen. Zwei Tage hintereinander, das ist nicht mehr normal! Weißt du, was ich glaube? Er wird sich aus dem Staub gemacht haben, bevor alles zusammenbricht!" Dann stockte sie plötzlich.
"Was ist los?" fragte Jo.
"Ich muß jetzt Schluß machen. Ich rufe von meinem Schreibtisch aus bei dir an. Das war sowieso schon mehr als riskant!"
*
Eine halbe Stunde später war Jo bei Enrights Haus. Er hatte zuvor noch einmal dort anzurufen versucht, ohne daß sich jemand gemeldet hätte. Jo hatte es auch nicht anders erwartet, aber er wollte sichergehen.
Wenn Enright sich wirklich aus dem Staub gemacht hatte, dann hatte er vielleicht Spuren hinterlassen.
Sein Haus sieht aus, als hätte es eine Alarmanlage! dachte Jo, während er vor der Haustür stand. Jedenfalls hatte es die richtige Preisklasse. Aber Jo brauchte sich keine Gedanken darüber zu machen, wie man sie außer Gefecht setzen konnte, denn das hatte bereits jemand anderes vor ihm besorgt. Das Schloß der Haustür war aufgebrochen, die Tür angelehnt.
Jo schob sie vorsichtig auf und trat ein.
Wer immer hier eingedrungen war, er hatte sicher keinen Sinn für Antiquitäten oder dergleichen, denn von Enrights kostbarer Wohnungseinrichtung schien nichts zu fehlen. Nirgends war etwas aufgebrochen oder beschädigt. Der Täter schien sich dafür gar nicht interessiert zu haben.
Das große Wohnzimmer schien völlig unversehrt zu sein. Der Einbrecher hatte nicht einmal den Teppich schmutzig gemacht. Vielleicht war er auch gar nicht hier gewesen, sondern zielstrebig auf etwas anderes zugegangen...
Als Jo schließlich in Enrights Arbeitszimmer gelangte, sah er, worauf der Einbrecher es abgesehen gehabt hatte. Der Schreibtisch war aufgebrochen und durchwühlt. Und im Kamin fand er wenig später Reste von Papier. Es sah ganz danach aus, als wäre hier in aller Eile belastendes Material vernichtet worden. Vielleicht hing es mit der Geschichte zusammen, die Sally ihm erzählt hatte.
Jo stocherte noch ein bißchen in den verkohlten Blättern herum, aber da war wohl nichts mehr zu machen.
Schließlich ging er noch in die Schlafzimmer. Bei Carrie Enright fehlte erwartungsgemäß ein Großteil ihrer Garderobe, aber bei ihrem Mann war das nicht der Fall. Die Kleiderschränke waren prall gefüllt und es deutete nichts darauf hin, daß er eine Reise geplant hatte.
Selbst Saul Enrights Rasierapparat lag an Ort und Stelle im Bad.
Schließlich ging Jo zurück ins Arbeitszimmer und griff nach dem Telefonhörer. Erst verständigte er das Einbruchsdezernat, dann telefonierte er mit Captain Rowland.
Aber der war diesmal ziemlich kurz angebunden.
"Hör zu, Jo, du weißt, daß ich dir immer gerne helfe, aber im Moment ist hier der Teufel los wegen dieser Clemence-Sache! Wir müssen zusehen, daß wir unsere Berichte fertig kriegen. Für den Staatsanwalt hätte alles am besten schon gestern fertig sein müssen und die Presse rennt uns hier die Türen ein."
"Was ist mit Barry Douglas?"
"Bis jetzt noch nichts. Aber ich denke, daß er aus dem Rennen ist."
"Er ist ein wichtiger Zeuge, Tom!"
"Erzähl' das der Polizei von Yonkers!"
"Und dann ist da noch was! Saul Enright, Gardners Stellvertreter und Nachfolger ist verschwunden. Schon seit zwei Tagen. Und in seiner Wohnung hat jemand ein Feuer aus seinen Papieren gemacht."
Rowlands Seufzen drang unangenehm laut durch den Hörer.
"Und was soll ich jetzt tun? Ihn etwa auch zur Fahndung ausschreiben lassen?"
"Das wäre nicht schlecht, Tom!"
"Das ist nicht witzig, Jo! ich stecke bis zum Hals in Arbeit und du..."
"Schon gut, schon gut! Es würde schon reichen, wen ich wüßte, ob er irgendwo im Umkreis in einem Krankenhaus liegt oder etwas in der Art."
"Okay! Ich werde mal herumhören."
Nachdem das Gespräch beendet war, suchte Jo noch nach einem Foto von Enright. Schließlich fand er ein Pressebild in Schwarz weiß, auf dem er zusammen mit Moss Gardner abgebildet war.
Jo steckte es ein und ging hinaus ins Freie.
Die Leute vom Einbruch mußten bald auftauchen und dann wollte der Privatdetektiv sich auf jeden Fall aus dem Staub gemacht haben, um nicht lang und breit irgendwelche Fragen beantworten zu müssen.
Bevor er sich in seinen 500 SL setzte, inspizierte er noch kurz die Garage. Das
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