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Racheklingen

Racheklingen

Titel: Racheklingen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Joe Abercrombie
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verzichtet, als Erster zuzuschlagen. Das Überraschungsmoment aufgegeben. Sich in eine Falle hineinbegeben. Der General mit der kleinsten Truppe ist stets gut beraten, in der Offensive zu bleiben.«
    »Das hat Stolicus gesagt, oder? Ich hätte nie gedacht, dass Sie es so mit Büchern haben.«
    »Ich kenne mein Geschäft, Rogont, und auch die Bücher, die dazugehören.«
    »Ich bin Ihnen überaus dankbar, dass Sie und Ihr Freund Stolicus mir meine Misserfolge so schön erläutert haben. Vielleicht würde mir jetzt einer von Ihnen netterweise auch noch sagen, wie ich einen Sieg erringen kann?«
    Monza ließ die Augen über die Landschaft gleiten, nahm die Neigungswinkel der Hänge in Augenschein, maß die Entfernungen vom Menzesberg zur oberen Furt, von der oberen zur unteren, von den gestreiften Stadtmauern bis zum Fluss. Die Stellung schien auf den ersten Blick mehr Vorteile zu bieten, als tatsächlich der Fall war. Rogont musste zu viel Gelände absichern und hatte dafür nicht genug Männer.
    »Sie können jetzt nur noch das Offensichtliche tun. All Ihre Bogenschützen auf die Talineser ansetzen, wenn sie die Furt überqueren, und dann die Fußtruppen angreifen lassen, sobald die ersten Reihen des Feindes das hiesige Ufer erreichen. Halten Sie die Kavallerie hier zurück, damit sie sich mit den Tausend Klingen beschäftigen kann, sobald die sich zeigen. Hoffen Sie darauf, Foscar schnell zu besiegen, noch bevor er die Furt überwunden hat, denn dann können Sie sich anschließend gegen die Söldner wenden. Aber Foscar besiegen …« Sie betrachtete die große Truppe, die sich in Linien aufstellte, die so breit waren wie die gesamte Furt, während die Kaiserstraße unaufhörlich weitere Kolonnen ausspuckte, die sich zu ihnen gesellten. »Wenn Orso dächte, dass Sie eine Aussicht auf einen Sieg hätten, dann hätte er einen erfahreneren und weniger wertvollen Befehlshaber eingesetzt. Foscar ist Ihnen mehr als zwei zu eins überlegen, und er braucht nichts weiter zu tun, als Sie hier aufzuhalten.« Sie sah zur Anhöhe hinauf. Die gurkhisischen Priester saßen ganz in der Nähe der styrischen Damen, um sich das Schauspiel anzusehen, die weißen Gewänder hell in der Sonne, die dunklen Gesichter grimmig. »Wenn Ihnen der Prophet ein Wunder schicken wollte, dann wäre es jetzt der beste Augenblick dazu.«
    »Leider hat er nur Geld geschickt. Und schöne Worte.«
    Monza schnaubte. »Sie werden mehr als schöne Worte brauchen, um heute zu gewinnen.«
    »Wir werden mehr brauchen«, verbesserte er. »Da Sie ja nun einmal an meiner Seite kämpfen. Wieso tun Sie das überhaupt?«
    Weil sie zu müde und zu krank war, um noch allein kämpfen zu können. »Offenbar kann ich einem schönen Mann, der in Schwierigkeiten geraten ist, nicht widerstehen. Als Sie noch alle Trümpfe in der Hand hatten, kämpfte ich für Orso. Und nun sehen Sie mich an.«
    »Sehen Sie uns beide an.« Er atmete tief durch und stieß dann einen frohen Seufzer aus.
    »Worüber sind Sie denn jetzt plötzlich so glücklich?«
    »Fänden Sie es besser, wenn ich verzweifelt wäre?« Rogont lächelte sie an, anziehend und dem Untergang geweiht. Vielleicht gehörte beides zusammen. »Um der Wahrheit die Ehre zu geben, ich bin erleichtert, dass die Warterei vorüber ist, ganz gleich, wie unsere Chancen stehen. Wer große Verantwortung trägt, muss sich in Geduld üben, aber das war nie nach meinem Geschmack.«
    »Sie stehen in einem ganz anderen Ruf.«
    »Die Menschen sind komplizierter als ihr Ruf, Generalin Murcatto. Das sollten Sie doch wissen. Heute werden wir diese Angelegenheit beenden. Kein Zaudern mehr.« Er lenkte sein Pferd davon, um sich mit einem seiner Adjutanten zu beraten, und ließ Monza allein, die vornübergebeugt, die Arme schlaff auf dem Sattelknauf, mit zusammengekniffenen Augen zum Menzesberg hinüberblickte.
    Sie fragte sich, ob Nicomo Cosca dort war und durch sein Fernrohr zu ihr hinabsah.
     
    Cosca spähte durch sein Fernrohr zu der großen Menge Soldaten auf der anderen Seite des Flusses hinab. Der Feind. Dabei hegte er gegen diese Leute nicht den geringsten persönlichen Groll. Das Schlachtfeld war nicht der richtige Ort für Hass. Blaue Flaggen mit dem weißen Turm von Ospria flatterten über den Truppen, aber eine war größer als die anderen und mit Gold bestickt. Die Standarte des Großen Zauderers höchstpersönlich. Reiter scharten sich darum und auch einige Damen, die offenbar mit aus der Stadt geritten waren, um in bestem

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