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Rockoholic

Rockoholic

Titel: Rockoholic Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: C. J. Skuse
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hinter meinem Rücken passiert ist, was ich nicht mitgekriegt habe. Ich fasse an meinen Kopf, weil mir vielleicht irgendwas in den Haaren klebt, was ich nicht bemerkt habe. »Mein Opa ist gestorben und du findest das lustig?« Ich spüre, wie mir vor Wut die Augen brennen. Jetzt reicht’s mir. Ich will gerade aufstehen und diese erbärmliche Gestalt aus meiner Garage werfen, als er sich wieder auf die Seite rollt und mich anschaut.
    Â»Dein Opa war legendär!«, sagt er. »Verstehst du nicht, was er getan hat? Er ist auf Raten gestorben – qualvoll und unter Schmerzen und keiner konnte etwas dagegen tun.«
    Eine Träne rollt mir übers Gesicht. »Ja, ich weiß.« Ich versuche verzweifelt meine Tränen wegzuwischen, bevor er sie sieht, aber sie laufen und laufen und ich kann sie gar nicht schnell genug wegwischen. Und dann hoffe ich, dass er sie doch sieht, damit er sich nach mir ausstreckt und mich in die Arme schließt, mich tröstet.
    Â»Ihr hattet einen tollen Tag, einen Tag voller Spaß, und habt Quatsch gemacht und er konnte nur von weitem zuschauen«, fährt er fort. »Dein Opa wusste, dass seine Zeit gekommen war, und das hatte er nicht nur akzeptiert, er wollte dem Tod noch ein Schnippchen schlagen. Er wollte seine Fahrt mit der Achterbahn. Ich vermute, das Ganze war von Anfang an geplant und er ist mit voller Absicht in diesen Sexshop reingebrettert. Einfach nur legendär!«
    So hatte ich das Ganze bisher noch nie betrachtet. Ich hatte bloß daran gedacht, wie gern Opa eben solche Nummern abzog. Irgendwas Blödes, Hirnverbranntes, etwas Schockierendes, womit man bei einem alten Mann nicht rechnete. Etwas, worüber die Leute redeten und lachten.
    Â»Besser als zu Hause zu sterben und im Bett vor sich hinzuwelken wie ’ne olle Topfpflanze, oder etwa nicht?«
    Â»Ich hab Chaos bei seiner Trauerfeier gespielt«, sage ich ihm.
    Â»Echt?«
    Â»Also nicht ich selbst, aber ich hab die CD in die Stereoanlage gehauen und … habe eine Essensschlacht veranstaltet. Es war ein dermaßen trauriger Tag und sie haben totale Scheißmusik gespielt. Er hat den Song gemocht. Und er passte irgendwie.«
    Â»Das ist echt cool«, sagt Jackson.
    Und plötzlich kann ich es lustig finden. Nach diesen langen zwei Wochen, nach all diesen schrecklichen Sachen, die über Opas Unfall in der Zeitung gestanden haben, nachdem ich mich mit Schuldgefühlen herumgeplagt habe, weil ich nicht bemerkt hatte, wie er die Bremsen an seinem Rollstuhl gelöst hatte – finde ich es jetzt tatsächlich lustig. Wir lachen zusammen, wie Freunde, nicht wie Kidnapper und Geisel. Er setzt sich auf, nimmt sich wieder mein Skizzenbuch und blättert es bis zum Ende durch. Dann schlägt er noch eine Zeichnung von Mac auf, die ihn mit vollem Rocky-Horror-Make-up zeigt. »Ich liebe diesen Film. Wann hat Mac Premiere?«
    Â»Freitagabend. Das Publikum wird sich verkleiden, das ganze Programm also. Ich hab mir in einem Kostümverleih so ein richtig krasses Schlampen-Outfit bestellt. Vielleicht kommst du ja mit und guckst dir die Show an?«
    Â»Vielleicht«, sagt er und knetet seinen Anhänger zwischen den Fingern.
    Ich verbringe diese Nacht mit Jackson. Also, ich schlafe nicht mit ihm, ich schlafe bloß im selben Raum mit ihm, auf den Federn. Wir bleiben noch eine Ewigkeit lang wach und reden über Gott und die Welt. Über Kindheit. Über die Arbeit. Über Eltern und die Abwesenheit von Eltern. Über Politik und so. Über den Klimawechsel. Es ist einfach nur genial. Und zum ersten Mal will ich nicht von ihm weg. Das ist Jackson ohne das ganze Geschiss, ohne die Drogen, ohne den Ruhm, ohne die Angst. Ich habe so lange von einer Nacht wie dieser geträumt. Das ist genau, was ich brauche. Er ist genau, was ich brauche.

KAPITEL 16
HOPPLA, JETZT KOMMT SALLY!
    Es ist Montag. »Halley kommt nachher zurück«, zwitschert Mum fröhlich, als ich, um den Schein zu wahren, gähnend durch die Küche schlurfe, als wäre ich eben erst von oben aus meinem Zimmer gekommen, wo ich vorgeblich die ganze Nacht verbracht habe. Ich sehe etwas Weißes aus dem Augenwinkel – eine Gänsefeder. Ich pflücke sie mir aus den Haaren.
    Es gibt nichts zu sagen. Ich weiß, dass Halley heute Nachmittag von ihrer Fahrt zurückkehrt. Es steht im Kalender. Ich weiß es. Also sage ich nichts.
    Â»Wird schön sein, sie wieder

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