Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Rosen des Lebens

Rosen des Lebens

Titel: Rosen des Lebens Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: R Merle
Vom Netzwerk:
das Verfahren kann Jahre dauern, falls Ihr nicht andere,
     weniger kostspielige und wirksamere Mittel gebraucht.«
    »Und was für Mittel, Herr Richter?«
    »Es wäre unzulässig, sie Euch zu nennen, Herr Graf«, sagte er mit tiefer Verneigung. »Sie sind illegal.«
    Ich drückte ihm ein paar Münzen in die Hand, und er brach mit seinem Schreiber auf. Der arme Mann mit seinem schweren Schreibpult
     hatte sich die ganze Zeit einen guten Klafter hinter ihm gehalten und hatte weder am selben Tisch mit ihm trinken noch sich
     überhaupt setzen wollen.
    Bis Mougeot in Verbannung ging, was erst nach der Verurteilung Rapinauds erfolgen konnte, weil der Halunke mein einziger Zeuge
     gegen den Verwalter war, wurde er in einen Keller des Schlosses gesteckt, der durch ein vergittertes Fenster, einen halben
     Klafter über dem Teich gelegen, Luft bekam. Ich ordnete an, daß er ausreichend ernährt und ohne Grausamkeit behandelt würde.
     Im Verlauf seiner Gefangenschaft verlangte er, Pfarrer Séraphin zu beichten, der sich mit ihm eine volle Stunde einschloß.
     Danach ließ sich denken, daß seine bekannten Übeltaten nicht die einzigen Sünden waren, die er zu bereuen hatte. Laut Figulus
     hatten sich im Dorf die Zungen gelöst und zappelten nun ohne Ende: Inzest, Kindesmord, Sodomie, Vergewaltigung, es gab keine
     Schandtat, die man ihm nicht anhängte.
    Nach dem Aufbruch des Richters schenkte ich Pfarrer Séraphin ein kräftiges junges Maultier, um ihm für seinen Dienst zu |152| danken, aber er war noch nicht zufrieden. Als Saint-Clair ihn in den Stall führte, damit er sich ein Tier aussuche, hörte
     er den Pfarrer zwischen den Zähnen brummen: »Und wer bezahlt mir jetzt, daß ich die Erde öffne?« Er spielte auf die Leiche
     von Guillaumin an, die er in christliche Erde betten mußte, aber die Witwe war am Verhungern in ihrer Hütte und hatte nicht
     das nötige Geld für das Begräbnis.
    »Was läßt sich Séraphin denn dafür bezahlen, daß er die Erde öffnet?« fragte ich Saint-Clair, als wir allein waren.
    »Ich weiß nicht, aber ich wette, es ist ziemlich teuer, Herr Graf, die meisten unserer Dörfler sind deshalb bei ihm verschuldet
     und müssen ihre Begräbnisse Sou für Sou abzahlen.«
    »Und wer gräbt die Erde auf?«
    »Figulus. Und er schließt sie auch wieder über dem Verstorbenen.«
    »Wird er dafür bezahlt?«
    »Nein, das gehört zu seinen Aufgaben.«
    »Soso«, sagte ich nach kurzem Schweigen, »dann ist der Friedhof für Séraphin also eine zusätzliche Rente.«
    Am Tag darauf schickte ich Monsieur de Saint-Clair mit Pissebœuf und Poussevent in kriegerischem Aufzug zu Rapinaud, um ihm
     folgenden Brief zu überreichen:
     
    »An den Bauern Rapinaud. Das Geständnis von Mougeot, aufgenommen vom Richter von Montfort l’Amaury, hat erbracht, daß Ihr
     ihn zu der Brandlegung in meinem Wald Cornebouc angestiftet habt. In meiner Eigenschaft als oberster Gerichtsherr des Gutes
     Orbieu, dem Eure Liegenschaften und Äcker unterstehen, habe ich beschlossen, Euch auf immer von besagtem Boden zu verbannen.
     Das Urteil wird binnen acht Tagen vollstreckt. Ihr mögt jedoch einen Eurer Söhne bestimmen, in Eurem Haus und auf Euren Äckern
     solange zu verbleiben, bis der Verkauf abgeschlossen ist. Ich werde von meinem Vorkaufsrecht Gebrauch machen und Euch den
     Preis bezahlen, den das Gericht von Montfort l’Amaury für angemessen erachtet.
    Pierre-Emmanuel de Siorac
    Graf von Orbieu«
     
    Früher als gedacht kehrte Saint-Clair zurück, die Unterhaltung war sehr kurz gewesen: Rapinaud leugnete, Mougeot zur |153| Brandlegung in meinem Wald Cornebouc veranlaßt zu haben, und erklärte, er werde gegen meinen Verbannungsbeschluß bei Gericht
     Einspruch einlegen.
    »Wir werden also noch ein Hühnchen zu rupfen haben mit dem Fettsack!« sagte Saint-Clair.
    »Nicht lange: Das Gericht wird nichts gegen einen Königlichen Kammerherrn unternehmen, auch wenn Rapinaud es darum mit einem
     Sack Goldstücke in der Hand ersucht. Wie ist sein Haus? Ich hatte bisher kein Verlangen, es zu sehen.«
    »Oh«, sagte Saint-Clair, »solide aus Stein gebaut, die Fassade mit Ziegeln abgesetzt, obenauf ein Schieferdach. Und aus Protzerei
     hat es dazu einen Turm.«
    »Einen Turm!« sagte ich und lachte. »Sollten wir es etwa, ohne es zu wissen, mit einem Herrn von Rapinaud zu tun haben?«
    »Ein Turm aus gutem Stein, oben zwei Fenster nach Süden, hübsch nebeneinander unter einem Rundbogen. Auf dem Dach eine stolze
     Wetterfahne in

Weitere Kostenlose Bücher