Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Sämtliche Dramen

Sämtliche Dramen

Titel: Sämtliche Dramen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: William Shakespeare
Vom Netzwerk:
Hand auf das Haupt
    In den prophet’schen Sinn mir Wahrheit flößen,
    So wird dies feine Kind des Landes Segen.
    Sein Blick ist voll von sanfter Majestät,
    Sein Haupt geformt von der Natur zur Krone,
    Die Hand zum Szepter, und er selbst in Zukunft
    Zur Zierde eines königlichen Throns.
    Ihn haltet hoch, Mylords: er ist geboren,
    Euch mehr zu helfen, als durch mich verloren.
    Ein Bote tritt auf.
    Warwick
.
    Was bringst du Neues, Freund?
    Bote
.
    Daß Eduard Eurem Bruder ist entwischt
    Und nach Burgund geflohn, wie er vernommen.
    Warwick
.
    Mißfäll’ge Neuigkeit! Doch wie entkam er?
    Bote
.
    Er ward entführt durch Richard, Herzog Gloster,
    Und den Lord Hastings, die im Hinterhalt
    Auf ihn gewartet an des Waldes Ende
    Und von des Bischofs Jägern ihn befreit,
    Denn täglich war die Jagd sein Zeitvertreib.
    Warwick
.
    Mein Bruder war zu sorglos bei dem Auftrag.
    Doch laßt uns fort, mein Fürst, nach Mitteln sehn
    Für jeden Schaden, welcher mag geschehn.
    König Heinrich, Warwick, Clarence, der Kommandant und Gefolge ab.
    Somerset
.
    Mylord, ich mag nicht diese Flucht des Eduard;
    Denn ohne Zweifel steht Burgund ihm bei,
    Und dann gibt’s neuen Krieg in kurzer Zeit.
    Wie Heinrichs jüngst gesprochne Weissagung
    Mit Hoffnung mir auf diesen jungen Richmond
    Das Herz erquickt, so drückt es Ahnung nieder,
    Was ihm zu seinem Schaden und zu unserm
    In dem Zusammenstoß begegnen mag.
    Drum wollen wir, dem Schlimmsten vorzubeugen,
    Lord Oxford, schnell ihn nach Bretagne senden,
    Bis sich der Bürgerfeindschaft Stürme enden.
    Oxford
.
    Ja, denn kommt Eduard wieder auf den Thron,
    So teilte Richmond wohl der andern Lohn.
    Somerset
.
    Gut, in Bretagne wohn’ er dann geborgen.
    Kommt also, laßt uns gleich das Wert besorgen!
    Ab.
    ¶

Siebente Szene
    Vor York.
    König Eduard, Gloster und Hastings treten auf mit Truppen.
    König Eduard
.
    Nun, Bruder Richard, Lord Hastings und ihr andern:
    So weit macht doch das Glück es wieder gut,
    Daß ich noch einmal den gesunknen Stand
    Mit Heinrichs Herrscherkrone soll vertauschen.
    Ich setzte zweimal glücklich übers Meer
    Und brachte von Burgund erwünschte Hülfe.
    Was ist nun übrig, da von Ravenspurg
    Wir vor den Toren Yorks so angelangt,
    Als einziehn, wie in unser Herzogtum?
    Gloster
.
    Das Tor verschlossen? Das gefällt mir nicht;
    Denn manchen, welcher an der Schwelle stolpert,
    Verwarnt dies, drinnen laure die Gefahr.
    König Eduard
.
    Pah, Freund! Jetzt dürfen Zeichen uns nicht schrecken:
    Ich muß hinein im Guten oder Bösen,
    Denn hier versammeln sich zu uns die Freunde.
    Hastings
.
    Mein Fürst, noch einmal klopf’ ich an und mahne.
    Der Schultheiß von York und seine Räte erscheinen auf der Mauer.
    Schultheiss
.
    Mylords, wir wußten schon von eurer Ankunft,
    Und uns zu sichern, schlossen wir das Tor;
    Denn jetzo sind wir Heinrich Treue schuldig.
    König Eduard
.
    Wenn Heinrich Euer König ist, Herr Schultheiß,
    Ist Eduard mind’stens Herzog doch von York.
    Schultheiss
.
    Ja, bester Herr, dafür erkenn’ ich Euch.
    König Eduard
.
    Nun, und ich fodre bloß mein Herzogtum.
    Gloster
beiseit.
    Doch hat der Fuchs die Nase erst hinein,
    So weiß er bald den Leib auch nachzubringen.
    Hastings
.
    Herr Schultheiß, nun? Was steht Ihr zweifelnd noch?
    Das Tor auf! Wir sind König Heinrichs Freunde.
    Schultheiss
.
    Ah, so? Das Tor soll euch geöffnet werden.
    Von oben ab.
    Gloster
.
    Ein weiser, tücht’ger Hauptmann, und bald beredet!
    Hastings
.
    Der gute Alte läßt gern alles gut sein,
    Bleibt er nur aus dem Spiel; doch sind wir drinnen,
    So zweifl’ ich nicht, wir werden baldigst ihn
    Samt seinen Räten zur Vernunft bereden.
    Der Schultheiß kommt mit zwei Aldermännern aus der Stadt.
    König Eduard
.
    Herr Schultheiß, dieses Tor ist nicht zu schließen
    Als bei der Nacht und in der Zeit des Kriegs.
    Freund, fürchte nichts und gib die Schlüssel ab:
    Er nimmt die Schlüssel.
    Denn Eduard will die Stadt und dich verfechten
    Und alle die, so hold sind unsern Rechten.
    Trommeln. Montgomery kommt mit Truppen auf dem Marsch begriffen.
    Gloster
.
    Bruder, das ist Sir John Montgomery,
    Wo ich nicht irre, unser biedrer Freund.
    König Eduard
.
    Sir John, willkommen! Doch warum in Waffen?
    Montgomery
.
    In seiner stürm’schen Zeit dem König Eduard
    Zu helfen, wie ein treuer Untertan.
    König Eduard
.
    Dank, teuerster Montgomery! Aber nun
    Vergessen wir den Anspruch an die Krone
    Und fodern unser Herzogtum allein,
    Bis Gott beliebt, das andre auch zu

Weitere Kostenlose Bücher