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Saemtliche Werke von Jean Paul

Saemtliche Werke von Jean Paul

Titel: Saemtliche Werke von Jean Paul Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Jean Paul
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indem sie mit der Vorlese zufrieden wären, lassen. – Das Landvolk wäre von den Krankheiten, die aus den Nachtwachen kämen, von Erkältungen und Ermüdungen glücklicherweise befreiet. Der größte Vorteil aber wäre der, daß, da bisher Bauern über die Jagdfronen murrten (und nicht ganz mit Unrecht), weil sie darüber die Zeit der Ernte versäumten, daß alsdann die Hirsche an ihrer Statt die Ernte in der Nacht übernähmen, wie sich in der Schweiz die Jünglinge für die Mädchen, die sie liebten, nachts dem Getreide-Schneiden unterzögen, damit diese, wenn sie am Morgen zur Arbeit kommen, keine finden – und so würden die Jagdfronen in den Ernten niemand mehr stören als höchstens das – Wild etc.«
    Was ist aber vom Konsistorialsportulboten Viktor zu erzählen? – Dieser kirchliche Hebbediente setzte alle Pfarrherren durch seinen Spaß und alle Pfarrfrauen durch seine Gewandtheit in Erstaunen, und bloß sein Blech und seine Papiere konnten die Echtheit eines solchen Botenexemplars hinlänglich verbürgen. Er kassierte alles ein, was der Konsistorialsekretär liquidiert hatte, und entschuldigte sich damit, daß es weder ihm noch dem Sekretär in diesem Falle zukäme, gewissenhaft zu sein. In seiner kurzen Amtführung sackte er ohne Scham ein alle rückständige Ehepfänder vom geringsten Wert – wir im Kollegio, sagte er, sind auf einen halben Batzen erpicht – Gelder, wenn die Ehen geschieden waren – Gelder, wenn diese von den Räten geschlossen waren, es sei durch Indulgenzen für Trauerzeit, für Blutverwandtschaft oder für elterliche Einwilligung – Gelder, wenn die Gelder erst einmal (oder zweimal) bezahlt waren, aber noch nicht zum zweiten (oder dritten) Male, wiewohl das Konsistorium diesen Geld-Nachklang stets nur in dem Falle verlangte, wenn die Leute die Quittung verloren hatten – Gelder, welche die Pfarrherren bloß für Dekrete zu erlegen hatten, worin sie losgesprochen wurden. – –
    Darauf schüttete er den Sack vor dem Fürsten aus und plättete die Goldwoge auseinander und fing an:
    »Ihro Durchlaucht!
    Das Konsistorium ist des Teufels: es könnte über alle Gebote eine lutherische Poenitentiaria sein und ist es nur über das sechste. Was eine ehrliche Konsistorial-Regie – ich nämlich – hat zusammenscharren können, liegt da auf dem Tisch. Der Haufe könnte noch einmal so breit sein, wenn das Konsistorium Verstand hätte und sagte: ›Wer kauft? neue frische Ablaßbriefe für alles!‹ – Es hat gezeigt, daß es über einige Verwandtschaftgrade Dispensationbullen so gut wie der Papst verfertigen könne; warum will es sich denn an keine näheren Grade machen? Es würde von großen so gut als von kleinen dispensieren können, wenn es darüber her wollte, und ebensogut von Bußtag-Fasten als von Trauerzeit und dreimaligem Kanzelausrufe, dieser erotischen Fastenzeit. Beim Himmel, wenn ein einziger Mensch, wie der Papst, die geistliche Waschmaschine ganzer Weltteile zu sein vermag und die Seelen am Jubeljahre bündelweise säubern kann: so werden doch wir alle im Kollegium zur Waschmaschine eines einzigen Landes zu gebrauchen sein? Geschieht das nicht: so nehmen wir – denn wir wollen leben – Sündengeld und Sportuln für das wenige, worin wir gütig nachzusehen haben; und wenn in Sparta die Richter die Göttin der Furcht anbeteten, so verehren bei uns die Parteien dieses schöne ens. – Hätten wir nur wenigstens von fünf oder sechs großen Sünden loszusprechen, nur z. B. von einem Mord: so könnten wir Ehescheidung und Ehe-Beschleunigung – diese ganz entgegengesetzten Operationen gelingen uns, so wie das Karlsbader Wasser zugleich den Stein in der Blase zerteilt und Eingetauchtes im Brunnen versteinert – für halbes Geld erlassen.«…. Nach einer langen Pause: »Ihro Durchlaucht, es ist doch nicht zu machen, weil der Henker die weltlichen Räte mitten unter den geistlichen hat: ein halb profaner Sessiontisch ist zu keinem heiligen Stuhle umzudrechseln; es ist also nichts zu wünschen – außer der gesegneten Mahlzeit – als Verträglichkeit, damit geist- und weltliche Räte die Parteien, um welche sie sitzen, ordentlich aufspeisen können, ein paar Knochen ausgenommen, die uns Schreibern und Boten zufallen; so sah ich oft auf einem toten Pferde zugleich Stare und Raben in bunter Reihe einträchtig wohnen und hacken und zehren.« – –
    Mein Korrespondent versichert mich, durch diese Reden richtete der Hofmedikus mehr bei Jenner aus als der Hofprediger

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