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SB 121 – Mission Zeitbrücke

SB 121 – Mission Zeitbrücke

Titel: SB 121 – Mission Zeitbrücke Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Perry Rhodan
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Bruder«, besagte das Blinken.
    Er würgte den Bissen hinunter. Krampfhaft versuchte er, sich des mühsam erlernten Ai-Kodes zu erinnern. »Und mit dir, mein Bruder«, antwortete er.
    »Darf ich mich zu dir setzen?«
    »Gewiss, du bist mir willkommen.«
    Der Ai-Mutant ließ sich umständlich neben ihm nieder. Surfos Verstand raste. Er beherrschte den Blinkkode nur so unvollkommen, dass er sich spätestens beim übernächsten Satz verraten würde. Er konnte vorgeben, er hätte ein Gelübde getan, allein zu bleiben und Gesellschaft zu meiden. Dazu war es zu spät, schließlich hatte er den Ai schon zum Platznehmen aufgefordert. Außerdem: Wie hätte er die komplizierte Aussage fehlerfrei blinken sollen?
    »Du kannst sprechen?«, schnarrte er.
    Der Ai machte eine vage Geste der Zustimmung. »Kann sprechen«, drang es aus seiner Kinntasche. »Nicht gut.« Gleichzeitig blinkte er.
    »Muss üben«, sagte Mallagan nur. »Land gehört den Kranen. Kein Auskommen ohne ihre Sprache.«
    »Das ist so«, signalisierte der Ai.
    Mallagan hielt ihm ein Stück gebratenes Fleisch hin. »Hunger?«
    »Kranische Nahrung bekommt mir nicht.«
    Es war eine merkwürdige Unterhaltung. Der Ai blinkte, Surfo sprach. Mehrmals betonte er, dass es wichtig sei, die Sprache der Kranen zu beherrschen. Das klang schon fast wie die Wiedergabe einer Tonaufzeichnung.
    »Aus welchem Teil von Forgan VI kommst du?«, fragten die Blinksignale.
    Mallagan stockte das Blut. Er wusste über Forgan VI nichts anderes, als er in jener letzten Nacht in Gruda vom Bibliotheksdienst erfahren hatte. Eine heiße Tropenwelt, nur in den Polregionen besiedelbar, wichtigste Siedlungen im Bereich des Nordpols.
    »Südpol«, schnarrte er.
    »Ich auch«, signalisierte der Ai. »Kennst du ...«
    Was Mallagan hätte kennen sollen, erfuhr er nicht. Das Blinken wurde für ihn unverständlich. Er nahm an, dass es sich um den Namen einer Stadt oder eines Siedlers handelte. »Kenne nicht«, antwortete er. »In den Bergen aufgewachsen. Stadt nie gesehen.«
    Der Ai sah zum Himmel auf. Die Sonne war eben vollends hinter den Bergen verschwunden. Dunkelheit stieg auf. Einige Minuten vergingen. Mallagan hatte Hunger, trotzdem wagte er nicht zu essen. Der Ai hätte seine Hände gesehen und seine Kaubewegungen bemerkt.
    Gerade in dem Moment, in dem er sich entschloss, einen Satz zu blinken, um sich nicht noch verdächtiger zu machen, stand der Ai auf. »Du bist kein Bruder«, sagte er in einwandfreiem Krandhorjan. »Du trägst eine Maske, wenn auch eine sehr gute Maske. Ich weiß nicht, warum du aussehen willst wie einer von uns. Aber einen Rat kann ich dir geben: Lerne, dich auszudrücken wie ein Ai.«
    Mallagan schaute niedergeschlagen vor sich hin. Der Ai regte sich nicht, er wartete auf eine Antwort.
    »Dein Rat ist gut, leider werde ich nicht mehr dazu kommen, ihn zu befolgen«, sagte Surfo schließlich. »Ich habe diese Maske angelegt, weil sie zu meinem Körperbau passt. Außerdem habe ich nicht vor, mich länger als unbedingt notwendig als Angehöriger deines Volkes auszugeben. Und die Wahl meiner Maske bedeutet nicht, dass ich dein Volk gering schätze.«
    »Ich weiß es, mein Freund«, antwortete der Ai ruhig. »Du bist ein Verfolgter.« Es war eine Feststellung, keine Frage.
    »Ich habe nichts verbrochen. Aber ich verfolge meine eigenen Ziele. Darum muss ich mich verstecken.«
    »Wie ist dein Name?«, fragte der Ai. »Ich meine deinen angenommenen Namen. Deinen Ai-Namen.«
    Es wäre ein grober Verstoß gegen die guten Sitten gewesen, die Frage akustisch zu beantworten. »Mit-Schwingen«, blinkte Mallagan.
    »Ein guter Name«, sagte der Ai. »Wir sind Fremde in diesem Reich, du und ich. Die Herzöge von Krandhor haben uns ein Leben aufgezwungen, das wir von uns aus niemals gewählt hätten. Das Universum ist in Aufruhr. Ich habe den Glauben, dass alles dem Guten dient. Das Orakel berät die Herzöge. Das Orakel will allen Wesen wohl, nicht nur den Kranen. Eines Tages wird es ein mächtiges Sternenreich geben, über das alle Völker gleichberechtigt herrschen. Doch bis es so weit ist, regiert die Ungewissheit, und es wird Geschöpfe geben wie mich, die ziellos einherwandern, und solche wie dich, die sich unter der Maske eines Fremden verstecken müssen.« Er hielt inne und schaute auf die dunkle, unbewegte Oberfläche des Sees hinaus. »Inzwischen wünsche ich dir Glück auf den Weg, mein Freund. Mein Weg ist in die Einsamkeit gerichtet. Ich werde wochenlang keinem anderen Wesen

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