Schluss mit dem ewigen Aufschieben
ruiniert, isst man Spaghetti ungeniert«,
heißt die Devise: »Jetzt kommt es nicht mehr drauf an!« In der extremsten Form bricht Ihre Selbststeuerung sofort zusammen,
sobald Sie den ersten ablenkenden Impuls wahrnehmen. Dann kommen Ihr Genuss durch unmittelbare |137| Triebbefriedigung und Ihre Reue durch Gewissensbisse zur selben Zeit zu einem Höhepunkt.
Nach solchen Zwischenfällen treten bei Ihnen mit hoher Wahrscheinlichkeit die folgenden Reaktionen ein:
Zunahme negativer Gefühle: Enttäuschung bis hin zur Depression,
verringertes Selbstvertrauen,
Unsicherheit über die eigenen Fähigkeiten.
Eventuell erleben Sie auch Missbilligung durch andere oder weitere negative Konsequenzen.
Dadurch wird erneut Spannung erzeugt, die das Aufschieben in einem Teufelskreis verstärkt: Unschlüssigkeit und weitere Verzögerungen
nehmen zu, ebenso Ihr innerer Ärger. Scham und Neid auf Erfolgreichere können sich einstellen, was die Bereitschaft, von ihnen
Hilfe anzunehmen, um beispielsweise bessere Arbeitsmethoden zu erlernen, noch einmal herunterschraubt.
Wissenschaftler, die das Verhalten von Menschen unter Laborbedingungen und in freier Wildbahn beobachten, haben sich immer
wieder gefragt, was gute Arbeitshaltungen und positive Leistung unterscheidet von diesem katastrophalen Verlauf mit schlechten
Arbeitsergebnissen und einem quälend erlebten Prozess der Leistungserbringung. Dabei hat sich gezeigt, dass man bestimmte
Fertigkeiten
(skills)
braucht, um sich zu motivieren, ein schwieriges Vorhaben anzufangen und durchzuhalten. Motivierte Menschen
sind
nicht anders, sie
verhalten
sich aber anders. Die Wahrnehmung ihres Verhaltens verstärkt ihre Motivation: Eine positive Rückkopplung setzt ein, angemessenes
Verhalten wird gelernt. Leider gilt auch, dass Sie als jemand, der aufschiebt, noch stärker entmutigt werden können, wenn
Sie mit ungenügenden Fertigkeiten an Entscheidungen oder Aufgaben herangehen. Umgekehrt aber werden Sie, wenn Sie die Strategien
der Sieger anwenden (auch wenn Sie sich überhaupt nicht danach fühlen) mehr Erfolg als bisher haben. Damit können Sie einen
Grundstein legen für Veränderungen, die weit über die Anwendung von neuen Fertigkeiten hinausgehen.
Im dritten Teil dieses Buches, in dem es um die Bewältigung des Aufschiebens geht, biete ich Ihnen eine Fülle von Möglichkeiten
an, neue
skills
zu lernen und schon vorhandene zu verbessern.
|138| Zusammenfassung
Insgesamt zeigen diese wissenschaftlichen Erklärungsversuche, dass Aufbau und Funktion Ihres Gehirns ebenso wie die Struktur
und Dynamik Ihrer Persönlichkeit Sie für das Aufschieben in unterschiedlicher Weise anfällig machen können. Außerdem können
Sie sich in Konfliktsituationen befinden, bei denen das Aufschieben scheinbar eine Lösung anbietet, die jedoch einem neurotischen
Symptom entspricht und nur tiefer in die Probleme hineinführt, die Sie vermeiden wollten. Was und wie Sie aufschieben, wird
durch Ihre bevorzugten Modi des Umgang mit der Welt und mit Konflikten bestimmt. In akuten Aufschiebesituationen
reagieren Sie ungeduldig, wenn sich die Aufgaben als schwierig erweisen, Widerstände auftreten und perfektionistische Ansprüche
im Spiel sind;
engen Sie Ihre Aufmerksamkeit auf eben diese Schwierigkeiten und die begleitenden unangenehmen Gefühle ein;
weichen Sie gewohnheitsmäßig zwanghaft und impulsiv auf leichter zu bewältigende Dinge aus, um die unangenehme Selbstwahrnehmung
zu reduzieren und weniger Anstrengung zu erleben.
|139| 8.
Ich war schon immer so: Individuelle Aspekte
Wird man als Aufschieber geboren? Oder lernen wir das Aufschieben? Warum gelingt es manchen Menschen, ungestört Entscheidungen
zu treffen und handlungsfähig zu sein, während andere sich quälen und abmühen? Natürlich haben diese Unterschiede mit unserer
Erziehung zu tun, mit unseren Vorbildern und unseren Erfahrungen. Häufig wurden uns die Motivationen von außen nahe gelegt,
wir mussten uns Notwendigkeiten unterordnen und wurden von außen belohnt. Damit legten wir uns eine extrinsische, das heißt
von äußeren Faktoren gesteuerte Motivation zu. Besser hatten wir es, wenn wir eine intrinsische Motivation (die, bei der die
Sache selbst Spaß macht) erwerben konnten. Dazu brauchten wir das Erleben von
sozialer Einbindung (nicht allein zu sein),
Autonomie (selbst entscheiden, probieren und handeln zu dürfen),
eigener Kompetenz (unsere Sachen erfolgreich zu erledigen).
Um Vertrauen
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