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Schwarzer Tanz

Schwarzer Tanz

Titel: Schwarzer Tanz Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tanith Lee
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auch ihre Kinder mitgebracht, gebändigte Kinder, die Pommes frites aßen oder auf dem Boden saßen und malten.
    Vierzehnjährige mit Kindern und dick aufgetragener Mascara, schlank mit seltsam fetten Gesichtern, die noch nicht gelebt, doch schreiend und weinend die Geburt ihrer Nachkommenschaft aus ihrer Mitte mit angesehen hatten.
    Keine von ihnen sah ängstlich drein. Sie fühlten sich alle ziemlich wohl in ihrem abendlichen Verein, der Familienplanungsklinik.
    Ich fürchte, ich habe gar nichts geplant. Ich trage ein Kind unter dem Herzen und möchte einen Abbruch. Würde dieser Mann ihr zuhören?
    War es der Mann hinter der gelben Tür? Sie hatte gehofft, dass es diesmal eine Frau sein würde. Die Berührung einer Frau wäre vielleicht weniger schrecklich.
    Aber sie waren alle Frauen. Schau sie dir nur an.
    Die eine mit den klappernden Nadeln wie Madame Defarge, mit ihrem schmuddligen gelben Haar, das sich auf ihrem Kopf türmte, und dem roten Lippenstift wie eine klaffende Wunde. Und dort schrieb eine wahrscheinlich einen Brief; sie hielt das Blatt schräg vor sich und kaute auf ihren Nägeln.
    Auch die Vorhalle roch nach Frauen. Billiger und kostspieliger Duft wie Fliegenspray, klebriges Deodorant, Haarlack, Babys und Spülhände.
    Rachaela wurde schlecht. Wenn es passieren würde, wo war dann die Toilette? Es musste eine geben. Sie hätte fragen sollen. Sie konnte es fühlen, wie es von innen gegen ihren Bauch drückte wie eine solide Verdauungsstörung.
    Versuch, nicht daran zu denken. Sie atmete flach in der übelriechenden Luft.
    Ein Mädchen in einem purpurroten Kostüm begann, sich mit der neben ihr sitzenden Frau zu unterhalten.
    » Ich kann diese Warterei nicht ausstehen. Geht mir auf die Nerven.«
    » Yeah.«
    Ja, dachte Rachaela.
    » Weiß gar nicht, was er diesmal sagen wird. Ich schätze, er mag mich.«
    » Sei nicht albern.«
    » Also, wieso denn nicht?«
    » So viel können die ihm hier gar nicht bezahlen.«
    Das purpurfarbene Mädchen spielte mit einer Schachtel Zigaretten unter dem » Bitte nicht rauchen « -Zeichen, fingerte damit herum wie mit einem Spielzeug. Wenn sie sie schon nicht rauchen durfte, konnte sie sie zumindest festhalten.
    » Er sagt dauernd: › Geben Sie es doch endlich auf. ‹ Ich hab’s doch versucht, oder? Hab’ diesen ganzen Mist angefangen.«
    » Yeah.«
    » Diese ganzen Berater und Psychiater. Ob ich auch wirklich sicher sei? Klar, bin ich verdammt nochmal sicher. Kann doch nicht noch einen Balg haben, oder? Kann ich mir nicht leisten, und er wird mich auch verlassen.«
    » Oh, Lyn.«
    » Na ja, das hätte er doch. Wir sind sowieso schon inner beschissenen Lage. Und ich hab’ die verflixte Pille genommen. Jawohl. Regelmäßig. Und dann, wuppdich, hab’ ich schon wieder ’n Braten inner Röhre. Das wär’ dann Nummer drei gewesen.«
    » Lyn, du quatscht und quatscht.«
    » Es ist dieser Ort. Er erinnert mich an das alles. All diese Psychiater in dem Krankenhaus. Gleich vier von denen haben mich bequasselt. Wie ein verdammter Richter mit seinen Geschworenen wollten se mich dazu überreden, es zu kriegen. Ich kann es nich kriegen. Ich hab’ doch schon zwei.«
    Rachaela lauschte mit auf den Holzboden gerichteten Blick. Hörte jemandem zu, der das alles schon vor ihr durchgemacht hatte.
    » Na ja, du bist es ja losgeworden, Lyn«, sagte die unfreundliche Freundin.
    » Das war vielleicht eine Quälerei. Und wie sie dich da behandeln. Und die Schmerzen. Jesus, ich habe gedacht, alles wäre dann in Ordnung. Seitdem stimmt nichts mehr mit mir. Du weißt das. Ich könnt’ ihn danach nicht mehr an mich ranlassen.«
    » Das war seelisch. Ham se dir doch gesagt.«
    » Ne, das war’s nicht. Die ham irgendwas mit mir angestellt, diese glotzdummen Idioten. Die behandeln dich wie einen Haufen Scheiße, wenn du’s dir wegmachen lässt.«
    Die gelbe Tür öffnete sich, und ein schlankes, fettwangiges junges Mädchen kam mit zufriedenem Gesichtsausdruck zurück.
    Erneut erschien der Gott und ging zum Schreibtisch. Er erteilte irgendwelche Anweisungen und war wieder verschwunden. » Miss Garland«, sang die Frau in Lila, und die Froschprinzessin kam nach vorn und verschwand, ihr Bonbon furchtlos lutschend, durch die Tür.
    Die Defarge ließ eine Masche fallen und fluchte.
    » Ich geh nach draußen, brauch ’ne Kippe«, sagte das purpurfarbene Mädchen. Sie stand auf und verließ den Vorraum.
    Ein neues Bild. Sie untersuchten deinen Körper, und andere untersuchten deinen

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