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Schwere Wetter

Titel: Schwere Wetter Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Bruce Sterling
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aus, daß sie beinahe greifbar schien.
    Die vier einfachen Ranger waren mit schokoladebraunen US-Wüstentarnuniformen bekleidet. Sie trugen braune Cowboyhüte, braune Lederholster mit eingeprägtem Stern, Geländestiefel mit dem Stern auf dem Oberleder, und einer der beiden hatte sich sogar einen kleinen Silberstern in einen Schneidezahn einarbeiten lassen. Sie waren bärtig, langhaarig, schmallippig und staubig, und sie starrten vor Waffen und Handys und wirkten äußerst hart.
    Und dann war da noch der vierte im Bunde. Er trug ein khakifarbenes T-Shirt, Uniformshorts und Laufschuhe, und er hatte ein lädiertes Stoffkäppi auf und ein von häufigem Gebrauch mitgenommenes Gewehr über den Rücken geschnallt.
    Dieser letzte Typ war schwarz. Sein Haar war verstrubbelt wie das eines irren Büffel-Soldaten. Jane bedeutete die Hautfarbe eines Menschen nicht viel. Menschen, die feine ethnische Unterscheidungen machten, hatten für sie immer einen Beigeschmack von rassistischen Wahnideen, und angesichts ihres eigenen ethnischen Hintergrunds nahm Jane an, daß sie das Recht dazu hatte, gegenüber derartigen Haarspaltereien ein wenig auf der Hut zu sein. Carol war schwarz, und niemand scherte sich darum. Rudy Martinez sah aus, als wäre ein Großelternteil von ihm schwarz gewesen. Dieser Ranger jedoch war richtig schwarz, von einem geradezu übernatürlichen, seidigen Schwarz. Manche Leute stellten heutzutage seltsame Dinge mit ihrer Haut an, besonders, wenn sie sich oft im Freien aufhielten und sich Gedanken über das Ozonloch machten.
    Gefolgt von dem widerwillig hinterdreinschlurfen Alex und flankiert von Greg und Joe Brasseur, kam Jerry aus der Kommandojurte hervor, um die Ranger zu begrüßen. Jerry hatte den gewohnten schäbigen Papieranzug gegen saubere Freizeithosen, ein ordentliches geknöpftes Hemd und einen weißen Mantel eingetauscht. Joe Brasseur trug Hemd, Krawatte und Brille, hatte ein Clipboard in der Hand und wirkte ausgesprochen geschäftsmäßig. Greg wirkte so wie immer: Jeans, Armeehemd, Sonnenbrille, Muskeln. Alex trug sein neues Hemd, braune Jeans und sah aus, als wäre er am liebsten ganz woanders.
    Die Männer versammelten sich um die Geländewagen der Ranger und begannen sich mit tiefer Stimme zu unterhalten. Das war auch wieder etwas, das Jane an den Rangern nicht gefiel. Sie waren unglaubliche Chauvis. Jane wußte, daß sich vor einigen Jahrzehnten ein paar texanische Polizistinnen den Rangern angeschlossen hatten, doch als die Ranger damit begonnen hatten, routinemäßig und in großer Zahl Leute abzuknallen, war es mit der ganzen Geschlechterintegration bald wieder vorbei gewesen. Jetzt war sie ebenso tot wie die Durchsetzung der Drogengesetze, die Rassenintegration, das öffentliche Gesundheitssystem und andere auf der Strecke gebliebene Nettigkeiten jener Zeit. Weder bei den Texas Rangern noch bei der Nationalgarde oder der US-Army wurden noch irgendwelche Frauen zu Kampfeinsätzen hinzugezogen. Und die Männer in diesen kleinen, frauenlosen Enklaven waren daran nicht unschuldig.
    Alex ließ sich von Captain Gault kurz befragen, dann eilte er erleichtert davon.
    Der tiefschwarze Typ bemerkte, daß Jane aus der Nähe zuschaute. Er trottete zu ihr hinüber und grinste sie an. »Könnte ich 'n bißchen Wasser kriegen? Und Salz?«
    »Klar, Officer.« Jane rief Ellen Mae ans Telefon.
    Der schwarze Ranger nickte friedfertig, holte etwas aus der ausgebeulten Tasche seiner Shorts und drehte sich eine Marihuana-Zigarette. Die Schienbeine und Unterarme des Mannes waren über und über mit schmalen Narben übersät. Seitlich am Hals hatte er einen Narbenkrater, in den das Endglied von Janes Daumen hineingepaßt hätte.
    »Ich bin mir nicht sicher, ob ein Vollstreckungsbeamter im Dienst Marihuana rauchen sollte«, sagte Jane.
    Der Ranger schnippte mit seinem stumpfen Daumennagel ein Streichholz an, zündete den Joint an und inhalierte gierig. »Hör auf zu träumen, Mädchen«, sagte er.
    Der junge Jeff Lowe kam mit einer Kanne, einem antiseptischen Pappbecher, zwei Salztabletten und ein paar Streifen Dörrfleisch von der Küchenjurte herbeigetrabt. Er reichte alles schüchtern dem Ranger.
    »Rauchen Sie da Dope?« fragte Jeff und machte große Augen.
    »Ich hab grünen Star«, meinte der Ranger. Er schluckte die Salztabletten, spülte mit drei Bechern Wasser nach, nahm zwei tiefe Züge vom Joint, dann trat er ihn aus und machte sich gierig über das Dörrfleisch her.
    »Gutes Fleisch«, sagte er mit

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