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Schwere Wetter

Titel: Schwere Wetter Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Bruce Sterling
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und Sitze und Überrollbügel, wie sie dein protziger Wagen hat, besitzt es nur eine Speiche. Eine Speiche, ein eingebautes Gyroskop und ein Satelliten-Navigationssystem.« Alex zuckte die Achseln. »Und so einen Megachip, damit es nicht irgendwo dagegenstößt und keinem Bullen über den Weg läuft.«
    »Oh, je«, stöhnte Jane. »Yeah, das ist Klasse, Alex.«
    »Es trägt, ich weiß nicht, etwa vierzig Kilo Handelsware. Keine große Sache. Die Dope-Leute haben jetzt Hunderte von diesen Dingern. Sie kosten nicht viel, daher ist das für sie mehr so ein Spielzeug.«
    »Warum hast du mir nichts davon gesagt?«
    »Du machst wohl Scherze. Seit wann muß ich dich denn vorher um Erlaubnis fragen?« Er ging zum Packesel hinüber.
    Jane eilte ihm nach. »Das hättest du aber besser tun sollen.«
    »Mach, daß du wegkommst!« schrie er. »Die sind scharf!« Jane zuckte zusammen und sprang zurück, während Alex vergnügt in sich hineinkicherte. »Idiotensicher! Das falsche Paßwort, und das Ding explodiert auf der Stelle und vernichtet sämtliche Beweise! Und außerdem - wenn du nun nicht zu ihren Freunden gehörst? Wenn du ihnen lästig geworden bist? Dann machen sie eben manchmal eine Bombe draus und lassen dich in dem Moment in die Luft fliegen, wo du das Touchpad berührst.«
    Er lachte. »Guck nicht so finster. Das ist doch alles bloß Legende. Doper-Geschwätz. Die Dope-Vaqueros lassen so schnell keinen in die Luft fliegen. Wir beide wissen doch, daß die Grenze nicht mehr viel bedeutet. Es gibt keine Grenzen mehr! Bloß noch offene und freie Märkte!« Er kicherte glücklich in sich hinein. »Man kann damit alles mögliche transportieren. Dope, Strengstoff, tiefgefrorene Menschenherzen, ganz egal. Die sind auch bloß so ein Transportunternehmen.«
    Alex tippte mit übertriebener Sorgfalt eine lange Zahlenreihe in ein Tastenfeld an der Oberseite des Packesels. Es dauerte eine Weile, bis der Roboter den Code verarbeitet hatte, dann klappte er an Scharnieren aus rostfreiem Stahl zischend auf und enthüllte das um seine Taille laufende Frachtabteil aus Gummi.
    Alex holte die darin befindlichen Gegenstände heraus. Eine Menge plastikverschweißte Klamotten. Ein Paar Cowboystiefel. Eine gelbe, zylinderförmige Gasflasche. Eine Plastikkanne. Eine Designersonnenbrille in einem stoßfesten Etui. Eine Handfeuerwaffe.
    Alex probierte die Sonnenbrille sogleich an; die Freude darüber war ihm anzusehen. »Hier, das ist für dich«, sagte er und warf Jane die Waffe zu. »Ich kann damit nichts anfangen.«
    Jane fing sie japsend auf. Die Waffe war aus Keramik und Spritzguß-Plastik, ein kurzläufiger, sechsschüssiger Revolver. Er fühlte sich steinhart und absolut tödlich an. Er wog etwa soviel wie eine Teetasse. Er würde an jedem Metalldetektor vorbeikommen und hatte in der Herstellung wahrscheinlich keine zwei Dollar gekostet.
    »Du bist ein Arschloch!« sagte sie. »Wenn die Ranger den finden, drehen sie durch.«
    »Yeah, und den Cops von Houston würde es auch nicht gefallen, wenn die Vaqueros so blöd wären, einen Packesel durch die Straßen von Houston hüpfen zu lassen, aber das werden sie wohl kaum tun, oder? So dämlich ist niemand. Nur wir beide wissen davon. Das heißt, Carol weiß auch Bescheid.« Alex holte ein funkelndes Metallarmband aus dem Fach. »Diese Barometeruhr ist für Carol! Sie hat keine Ahnung, daß ich ihr die gekauft hab, aber ich glaube, sie wird ihr gefallen, was meinst du? Paßt bestimmt prima zu ihrem Trouper-Armband.« Er schob sich den wabbligen Papiersombrero in die Stirn zurück. »Carol ist die einzige, die sich mir gegenüber wirklich anständig verhalten hat.«
    »Carol wird das nicht gefallen…«
    »Ach, komm schon!« fauchte Alex. »Carol ist ganz wild drauf! Sie mag das!« Er grinste unter seiner goldgerahmten neuen Sonnenbrille. »Mein Gott, Carol war doch mal bei den Häusersprengern. Und sie vögelt mit Greg, und Greg ist so 'ne Art Sondereinsatz-Sprengfreak, ein grusliger, düsterer Typ. Ich bin echt froh, daß die jetzt Stürme jagen, anstatt Brücken in die Luft zu sprengen, aber Carol und Greg sind trotzdem zwei irre Typen. Mit Eia-popeia haben die nichts am Hut.«
    »Mir gegenüber haben weder Carol noch Greg etwas von Vandalismus erwähnt«, erwiderte Jane würdevoll.
    »Yeah«, meinte er spöttisch. »Abgesehen davon, daß sie dir dabei helfen, in mexikanische Krankenhäuser einzubrechen.« Er schüttelte den Kopf. »Du bist ja bloß sauer, weil ich dir nichts besorgt hab.

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