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Schwert und Laute

Schwert und Laute

Titel: Schwert und Laute Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Sonia Marmen
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jungen Mann, den man mit Eichenlaub bekränzt hatte. Die Bedeutung dieses Rituals sollte ich allerdings erst später verstehen, als Nellie mir erklärte, dass die Heiden zu Beltane die Erneuerung und die Fruchtbarkeit der Erde und der Menschen feierten.
    Immer noch halb in Trance, öffnete ich die Augen. Liam lehnte an der benachbarten Stele und beobachtete mich aus halb geschlossenen Augen.
    »Woran hast du gedacht?«, fragte er.
    »Ich habe mich erinnert... ein Erlebnis aus meiner Kindheit. Das Beltane-Fest, in einem Steinkreis wie diesem, an der Küste von Antrim in Irland...«, flüsterte ich, und ein Schauer überlief mich.
    »Du hast gelächelt.«
    Er trat auf mich zu, und ich schmiegte mich an seinen ebenso kräftigen wie warmen Brustkasten. Die Nachtkühle begann durch mein Plaid zu dringen. Musik drang bis zu uns und hüllte uns ein. Ich hörte den Dudelsack, der einen klagenden ceol mor spielte, eine Kriegsweise. Die Männer bereiteten sich innerlich auf den Kampf vor. Ich schloss die Augen und ließ mich von der dröhnenden Musik mitreißen, die mich erbeben ließ und mich tief bewegte. Ich spürte, wie Liam ebenfalls erschauerte; er empfand dasselbe wie ich.
    Langsam verdunkelte sich der Himmel, und immer mehr Sterne erschienen, je weiter die Nacht im Tal ihren dichten Mantel um uns schlang. Zwischen den Bäumen war unser Lagerfeuer zu erkennen, und ein köstlicher Duft nach gebratenem Fleisch kitzelte unsere Nasen.
    »Warum bist du nicht mit den Männern gegangen? Alasdair schien zu wünschen, dass du sie begleitest«, fragte ich ohne Vorrede.
    »Ich konnte dich nicht mit fünfzehn Männern allein lassen, denen der Whisky durch die Adern rinnt. Und mitnehmen konnte ich dich auch nicht.«
    »Wie wollt ihr es anstellen, Campbell in diesen Bergen zu finden?«

    »Wir warten auf ihn. Er wird zu uns kommen. Irgendwann muss er nach Hause zurückkehren, nach Carnusvrachan.«
    »Das kann aber lange dauern.«
    »Wir haben den ganzen September Zeit. Danach müssen sie ihre Herden von den Sommerweiden heruntertreiben und nach Crieff auf den Markt bringen. Wir werden ihrer rechtzeitig habhaft werden, bevor es richtig kalt wird.«
    »Ich habe Angst um dich, Liam...«, flüsterte ich in sein Hemd hinein.
    Er zwang mich, ihn anzusehen, und küsste mich.
    »Auch ich habe Angst um dich, a ghràidh. Mir wäre es lieber gewesen, dich in Sicherheit in unserem Haus zu wissen, aber... solange wir nicht wissen, wer dir Angst einjagen will, ist es schon besser, wenn du bei mir bleibst.«
    »Ich hätte dich ohnehin gezwungen, mich mitzunehmen, Liam.«
    »Hmmm... Wahrscheinlich. Du bist ziemlich starrköpfig«, setzte er lächelnd hinzu. »Das ist vielleicht einer der Gründe, warum ich dich liebe. Du und ich, wir sind aus demselben Holz geschnitzt.«
    Er ließ die Finger durch mein langes schwarzes Haar gleiten, das ich offen trug, und breitete es über meine Schultern aus wie ein Cape.
    »Ich liebe dein Haar... Wie ein sternenbestreuter Nachthimmel...«
    Dann huschte seine Hand unter mein Plaid und wagte sich gefährlich nahe an den Ausschnitt meines Mieders heran. Er zupfte leicht daran, um meine Schulter zu entblößen, und strich dann mit den Lippen darüber.
    »Deine Haut... so weiß... wie der Mond und so weich wie die herrlichste Seide aus China.«
    Ich schloss die Augen und erbebte unter seinen zärtlichen Worten.
    »Ah, a ghràidh gile mo chridhe «, flüsterte er an meinem Hals. »Du machst mich so glücklich, dass ich kaum atmen kann. Wenn ich dich berühre ... steht mein ganzer Körper in Flammen. Ich verzehre mich nach dir.«

    Seine Hand glitt wieder an meinem Hals hinauf, und er strich mit den Fingerspitzen über meine Wange.
    »Gott hat dich zu mir gesandt...«
    Er küsste mich lange und streichelte mir mit einer Hand den Nacken, während er mich mit dem anderen Arm fest an sich drückte.
    »In Frankreich habe ich gedacht, ich würde wahnsinnig. Ich war drauf und dran, das Geschäft in den Wind zu schreiben, um früher zurückzukehren...«
    »Warum macht ihr eigentlich diese Geschäfte?«, fragte ich und bebte unter seinen Fingern, die über meinen Rücken liefen.
    »Nun ja, die Sassanachs verkaufen uns bestimmt keine Waffen. Und außerdem ist der Whisky, der schwer besteuert wird, eine gute Tauschwährung. Da wir ihn in Schottland nicht gewinnbringend losschlagen können, verkaufen wir ihn auf dem Kontinent oder tauschen ihn gegen Waffen ein.«
    »Woher kommt dieser ganze Whisky? Die Brennerei in Glencoe erzeugt

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