Schwert und Laute
Jahr die Bücher des Hauses Lochiel anvertraut. Zuvor war ich Gillecoise, also Leibwächter bei Sir Ewen Cameron.«
»Warum nimmt ein Schatzmeister an einer Menschenjagd teil?«
Ròs-Muire rutschte im Schlamm aus und machte einen Schlenker, und ich konnte mich gerade noch am Sattelknauf festhalten, sonst wäre ich vom Pferd gefallen. Adam schielte nach meinem feuchten Mieder, das an meiner Brust klebte.
»Geht es Euch gut?«
Ich zog mein Plaid wieder um die Schultern und brummelte etwas Zustimmendes. Er schenkte mir ein charmantes Lächeln, dann beantwortete er meine Frage.
»Ich bin derjenige, der die Schatullen verwaltet, und ich muss das verschwundene Geld wiederfinden. Hinter die Abgaben, die in Naturalien geleistet wurden, können wir wohl drei Kreuze machen, aber das Bargeld muss ja irgendwo sein. Fast alle Pachtgelder
von unseren Ländereien im Süden des Spean-Flusses sind verschwunden, ebenso wie ein Teil der Einnahmen aus Glen Gloy.«
Er unterbrach sich.
»Ich habe auch meine persönlichen Gründe«, fuhr er dann mit düsterer Stimme fort. »Die Campbells haben mir einen Teil meines Lebens geraubt, Ginny und unser ungeborenes Kind.«
Sein Blick verhärtete sich.
»Solange ich mich nicht an dem Hauptschuldigen schadlos halten kann, der sich irgendwo in Frankreich aufhält, tut es ebenso gut sein Neffe.«
»Aber soviel ich weiß, hat er gar nicht zum Regiment von Argyle gehört!«, wandte ich ein. Seine Sicht der Dinge entsetzte mich.
»Das ist die einzige Gerechtigkeit, die hier existiert, Caitlin. Und außerdem ist dieser Mann alles andere als unschuldig. Ich glaube, sogar die Seinigen werden nicht lange um ihn weinen.«
Sich den Kopf eines Campbell zu holen, stellte für die Männer aus Glencoe und für andere eine akzeptable Form der Rache dar, immer vorausgesetzt, dass Breadalbane ihnen seinen Segen gab und sie also keine Repressalien fürchten mussten. Bei dem Gedanken an das Los, das diesen Mann erwartete, lief es mir kalt über den Rücken, so verdient es auch sein mochte.
»Ginny fehlt Euch sicherlich sehr.«
»Ja«, flüsterte er bedrückt.
»Habt Ihr jemals wieder geheiratet?«
»Nein... Aber vielleicht treffe ja auch ich eines Tages meine Selkie«, sagte er leise und lächelte mir zu.
Die Straßen befanden sich in einem so furchtbaren Zustand, dass wir nur langsam reiten konnten und Carnoch erst am frühen Abend erreichten. Nach einem ganzen Tag im Regen war ich durchweicht und freute mich auf mein eigenes Dach über dem Kopf und die Wärme eines schönen Feuers. Das würde vielleicht für lange Zeit die letzte Nacht sein, die ich geschützt vor den Naturgewalten verbrachte. Am nächsten Tag würden wir nach Finlarig Castle aufbrechen, das in der Nähe von Killin in Breadalbane lag, am Ufer des Loch Tay. Finlarig war die Festung von Sir Grey
John Campbell, dem elften Laird und ersten Grafen von Breadalbane. Nach seinem Neffen Archibald Campbell, dem gegenwärtigen Herzog von Breadalbane, war er der zweitmächtigste Mann in den Highlands.
Wir standen fast auf unserer Türschwelle. Liam unterhielt sich mit Adam, den er eingeladen hatte, bei uns zu übernachten, als ich plötzlich erstarrte.
»Liam...«
Die beiden Männer verstummten. Einen langen Moment blieb es still, dann stieß Liam mich in Adams Arme und riss den Nagel heraus, den jemand mitten in die Tür geschlagen hatte.
»Was ist denn das?«, brummte er.
Der Nagel durchbohrte einen Raben, der in ein Tuch gewickelt war. Vorsichtig betrachtete er ihn einen Augenblick lang, dann öffnete er die Tür mit einem Fußtritt. Ich konnte den Blick nicht von dem langen Blutrinnsal abwenden, das über das Holz verlief. Eine Hand zog mich nach drinnen.
»Liam...«, seufzte ich.
Er ignorierte mich, ging zu dem kalten Kamin und machte Feuer. Als die Flammen kräftig hochschlugen, warf er den Vogel hinein. Ein widerlicher Geruch nach brennendem Fleisch hüllte uns ein. Niemand wagte die Grabesstille zu brechen, die sich plötzlich über uns gesenkt hatte. In meinem Sessel sitzend wartete ich darauf, dass der Zauber – ich zweifelte nicht im Geringsten daran, dass es sich darum handelte – vollständig verbrannte. Ich hatte mein Taschentuch wiedererkannt, das aus dem Schrank verschwunden war.
»Hast du vielleicht eine Ahnung, wer uns diesen... schlechten Streich gespielt haben könnte?«
Ich schüttelte den Kopf.
»Hat Isaak sich während meiner ... Abwesenheit anständig betragen?«
»Ja. Aber er kann es nicht gewesen sein, er
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