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Scriptum

Scriptum

Titel: Scriptum Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Raymond Khoury
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nahm ihm den Kugelschreiber aus der Hand, zeichnete neben den Häusern ein großes X ein und sagte:
«Köy suyun altında. Bir el Safsaf.»
    Tess sah Reilly an. Er reichte ihr seine unbeholfene Zeichnung. «Es ist da unten», sagte er. «Unter Wasser. Durch diesen Staudamm
     wurde das gesamte Tal überflutet, mitsamt den Überresten des Ortes. Er liegt auf dem Grund des Sees.»

KAPITEL 57
    In einem Tempo, das dem alten Mann deutlich mehr behagte, steuerte Reilly den Pajero behutsam über den holperigen und von
     Steinbrocken übersäten Weg abwärts bis an den See.
    Die riesige Wasserfläche lag glatt und schimmernd wie Glas vor ihnen. Am gegenüberliegenden Ufer waren mehrere Masten zu sehen,
     vermutlich für Strom und Telefon, und etwas, das Reilly für eine Zufahrtsstraße hielt. Von dem Damm aus zog sich eine lange
     Reihe von Masten nordwärts über einen Bergkamm und weiter in Richtung Hinterland. Abgesehen von der Staumauer und dem durch
     sie entstandenen künstlichen See hatte die Zivilisation diesen Ort noch nicht berührt. Ringsum erstreckte sich Wald, aus dem
     kahle Berggipfel aufragten, insgesamt eine recht unwirtliche Landschaft. So musste es hier auch schon ausgesehen haben, als
     die Tempelritter vor mehr als siebenhundert Jahren durch diese Gegend zogen.
    Schließlich erreichten sie den Damm. Reilly, der erleichtert war, endlich wieder ebenen Boden unter den Rädern zu haben, und
     mittlerweile ebenso sehr wie Tess darauf brannte, ans Ziel zu gelangen, fuhr zügig über die betonierte Staumauer. Zur Linken
     fiel der Damm wenigstens sechzig Meter tief senkrecht ab. Am anderen Ende stand eine Wartungsstation, und dorthin dirigierte
     sie der alte Mann.
    Während sie den Damm überquerten, suchte Reilly mit den Augen das Seeufer und die Berghänge darüber ab. Er entdeckte keinerlei
     Lebenszeichen, was allerdings nicht viel besagte. Jeder, der nicht gesehen werden wollte, konnte sich leicht im Schutz der
     dichten Bäume verbergen. Je näher sie dem Ziel ihrer Reise gekommen waren, desto wachsamer hatte Reilly auf Anzeichen geachtet,
     ob Vance sich bereits in der Gegend aufhielt. Bislang deutete nichts auf die Anwesenheit eines Fremden hin. In der sommerlichen
     Touristen-Hochsaison wäre das vermutlich anders gewesen, doch derzeit schienen sie die einzigen Reisenden hier zu sein.
    Nicht dass Reilly deshalb beruhigt gewesen wäre; Vance hatte bereits unter Beweis gestellt, wie meisterhaft er sich darauf
     verstand, ihnen stets einen Schritt voraus zu sein. Dieser Mann verfolgte wild entschlossen sein Ziel und ließ sich durch
     nichts und niemanden davon abbringen.
    Er war dort draußen. Irgendwo.
    Reilly hatte während der Fahrt den alten Mann gefragt, ob sich in letzter Zeit noch irgendjemand nach dem Dorf erkundigt habe.
     Nach einigen sprachakrobatischen Wendungen verstand er, der Alte wisse von niemandem. Vielleicht sind wir ihm voraus, dachte
     Reilly, während er den Geländewagen neben dem Wartungsgebäude abstellte.
    Bei der Hütte stand bereits ein rostiger weißer Fiat. Von der anderen Seite führte eine ziemlich neu aussehende Straße bis
     an den Damm heran. «Wenn es das ist, was ich denke», sagte Reilly zu Tess, «hätten wir ganz bequem und in der Hälfte der Zeit
     hierher gelangen können.»
    Grinsend versetzte sie: «Dann können wir ja, wenn wir hier fertig sind, ganz bequem und schnell wieder wegfahren.» Ihre Stimmung
     war gänzlich umgeschlagen. Siestrahlte Reilly an, dann sprang sie aus dem Wagen und folgte dem Alten. Dieser begrüßte gerade einen jüngeren Mann, der aus
     der Hütte gekommen war.
    Reilly blickte ihr einen Moment lang nach, wie sie mit langen Schritten auf die beiden Einheimischen zuging. Sie war einfach
     unverbesserlich. Worauf ließ er sich nur ein mit dieser Frau? Er hatte vorgeschlagen, sie sollten ihre Entdeckung melden und
     abwarten, bis ein Expertenteam eintraf, das sich der Sache annahm. Zugleich hatte er Tess erneut versichert, er werde sein
     Möglichstes tun, damit der Fund ihr gehörte. Sie hatte seinen Vorschlag rundheraus abgelehnt und ihn beschworen, mit dem Anruf
     noch zu warten. Wider besseres Wissen hatte er vor der schieren Kraft ihrer Begeisterung die Waffen gestreckt. Sie hatte sich
     dieser Suche wirklich mit Haut und Haaren verschrieben und ihm schließlich das Versprechen abgerungen, das Satellitentelefon
     vorerst nicht zu benutzen. Wenigstens so lange nicht, bis sie Gelegenheit gehabt hatte, sich die Sache selbst

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