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Scriptum

Scriptum

Titel: Scriptum Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Raymond Khoury
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Aufgabemehr als gewachsen: Seine bullige Statur ließ noch immer erkennen, dass er einst Footballspieler gewesen war. Sein markantes
     Gesicht unter dem eisgrauen Haar trug für gewöhnlich eine stoisch-distanzierte Miene zur Schau. Was aber Leute, die für ihn
     arbeiteten, nicht lange hinters Licht führte, weil sie bald eines merkten: Wenn man Jansson auf seiner Seite hatte, konnte
     man sich darauf verlassen, dass er einem jedes Hindernis zuverlässig beiseite räumte. Falls man aber den Fehler beging, es
     sich mit ihm zu verderben, war es durchaus ratsam, mit dem Gedanken an Auswanderung zu spielen.
    Janssons Versetzung in den Ruhestand war nicht mehr fern, und Reilly konnte nachvollziehen, wieso sein Chef nicht gerade erfreut
     war, sich in seinen letzten Monaten im Amt mit einem so aufsehenerregenden Fall wie METRAID – wie der Museumsüberfall im internen
     Sprachgebrauch hieß – herumschlagen zu müssen. Für die Medien war die Geschichte natürlich ein gefundenes Fressen. New Yorker
     Prominente waren unter den Beschuss von Maschinenpistolen geraten. Die Frau des Bürgermeisters war als Geisel genommen worden.
     Ein Mann wurde in aller Öffentlichkeit hingerichtet; nicht einfach erschossen, sondern enthauptet, und zwar nicht in einem
     ummauerten Innenhof in irgendeiner Diktatur im Nahen Osten, sondern hier, mitten in Manhattan, auf der Fifth Avenue.
    Live übertragen im Fernsehen.
    Reilly ließ den Blick zu der Flagge und den FB I-Insignien an der Wand hinter Jansson wandern und sah dann wieder den Assistant Director an, der die Ellenbogen auf seinem Schreibtisch
     abstützte und tief durchatmete.
    «Wenn wir die Dreckskerle einbuchten, werde ich sie ingebotener Form auf ihr miserables Timing aufmerksam machen», schlug Reilly vor.
    «Tun Sie das», sagte Jansson, lehnte sich vor und ließ seinen durchdringenden Blick über die Gesichter der versammelten Mannschaft
     wandern. «Ich brauche Ihnen wohl nicht zu sagen, wie viele Anrufe ich bekommen habe oder von was für hohen Stellen die gekommen
     sind. Informieren Sie mich, was wir derzeit wissen und in welche Richtungen ermittelt wird.»
    Nach einem kurzen Blick in die Runde machte Reilly den Anfang.
    «Gerichtsmedizinisch deutet noch nichts in irgendeine spezielle Richtung. Die Kerle haben außer Patronenhülsen und den Pferden
     kaum Spuren hinterlassen. Unsere Leute von der Spurensicherung raufen sich die Haare, weil so wenig verwertbares Material
     zur Verfügung steht.»
    «Ganz was Neues», warf Aparo trocken ein.
    «Anhand der Patronenhülsen konnten wir jedenfalls feststellen, dass sie M11/​9   Cobrays und Micro-Uzis benutzt haben. Rog, damit ist Ihr Team beschäftigt, richtig?»
    Blackburn räusperte sich. Er war ein Mann wie eine Naturgewalt. Vor kurzem hatte er dem größten Heroinhändlerring in Harlem
     das Handwerk gelegt; es war zu über zweihundert Festnahmen gekommen. «Die ganz gewöhnliche Variante, natürlich. Wir führen
     die üblichen Tests durch, aber versprechen Sie sich nicht zu viel davon. Nicht bei so etwas. Kann mir nicht vorstellen, dass
     die Jungs die einfach so im Internet erstanden haben.»
    Jansson nickte. «Was ist mit den Pferden?»
    Reilly ergriff wieder das Wort. «Bisher noch nichts. Grauschimmel und Füchse, Wallache, ziemlich verbreitet. Wirgehen gerade Verzeichnisse vermisster Pferde durch und versuchen, die Herkunft der Sättel zu ermitteln, aber auch hier   …»
    «Keine Brandzeichen oder Mikrochips?»
    Bei jährlich über 50   000   Pferdediebstählen im Land gewann die Kennzeichnung von Pferden zunehmend an Bedeutung. Am häufigsten war die Markierung per
     Kaltbrand: Mit einem in flüssigen Stickstoff getauchten, extrem kalten Kupferstempel wurde die Struktur pigmentbildender Hautzellen
     so verändert, dass an der markierten Stelle weißes statt pigmentiertes Haar nachwuchs. Bei der anderen, weniger verbreiteten
     Methode wurde dem Tier mit einer Kanüle ein Mikrochip mit einer individuellen Nummer unter die Haut gespritzt.
    «Keine Mikrochips», antwortete Reilly, «aber wir lassen sie gerade nochmal durchleuchten. Diese Chips sind so winzig, dass
     sie nicht leicht zu orten sind, wenn man nicht genau weiß, wo sie sich befinden. Sie werden in der Regel bewusst unauffällig
     platziert, um sicherzustellen, dass sie noch dort sind, falls ein gestohlenes Pferd wiedergefunden wird. Immerhin ließ sich
     noch feststellen, dass die Tiere per Kaltbrand markiert worden sind. Leider sind die

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