Sei gut zu dir, wir brauchen dich
Nervensystem lahm. Plötzlich durchdringt
er jede Zelle und jeden Gedanken. Wir leiden, sehen bleich aus, werden von einem auf den anderen Moment zu einem freudlosen
Menschen. Es ist, als habe man uns Sand ins Getriebe gestreut: Die Kräfte schwinden und der Motor verreckt.
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Take-Care-Prinzip: So ärgern Sie sich weniger
Deshalb ist dieser Take-Care-Ansatz möglicherweise der Wichtigste in diesem Buch. Denn es ist allgemein bekannt, dass Ärger
den Herz und Schlaganfall fördert, Magengeschwüre und psychosomatische Beschwerden, Beziehungsprobleme und gescheiterte Ehen
sowie eine ungute Ausstrahlung und Misserfolge verursachen kann.
Deshalb ist es wichtig, dass Sie mental eingreifen und sich nicht dem Ärger hingeben. Passen Sie in diesem Punkt besonders
auf sich auf. Denn wie oft gerät man in Situationen – im Büro und anderswo im Alltag – in denen man sich dem Verdruss hingibt,
an nichts anderes mehr denkt und über nichts anderes mehr redet. Lassen Sie es nicht so weit kommen. Das Leben ist zu kurz,
um sich über jedes Missgeschick, jede Anfeindung, jede Nichtplanmäßigkeit, jede |93| kleine Erschütterung zu ärgern. Ganz ehrlich: Nicht alles, was uns ärgern will, ist genauer betrachtet so verheerend, dass
es sich überhaupt lohnt, sich damit zu beschäftigen. Wenn Sie diesen Grundsatz verinnerlichen, ist das bereits der erste Schritt,
sich auch in diesem empfindlichen Punkt liebenswürdiger zu behandeln, statt sich unüberlegt vergiften zu lassen. Und vor allem
sollten Sie immer ein Gegenmittel parat haben.
Drehen Sie am Ärgerknopf
Reagieren Sie schnell! Ob beim Zoff mit dem Kollegen oder Partner – wenn Sie erst einschreiten, wenn Ihnen bereits übel vor
Zorn ist oder die Stimme zittert, ist es zu spät. Stellen Sie sich daher darauf ein, aufkommende Ärgergefühle klein zu halten.
Am besten erspüren Sie sie schon im Vorfeld, so können Sie sie eher beherrschen. Dazu eine Gedankenbrücke: Stellen Sie sich
vor, im Innern über einen Regler zu verfügen, ähnlich dem Lautstärkeregler bei einem Radio. Will sich Ihnen nun ein Ärgernis
aufdrängen, drehen Sie die »Lautstärke« sofort herunter. Achten Sie darauf, dass Sie in diesem Moment innerlich laut »Stopp«
sagen. Am besten entfernen Sie sich auch räumlich von der Ärgerattacke, indem Sie zum Beispiel in einen anderen Raum, an die
frische Luft oder um den Block gehen. Mit der Vorstellung des Ärgerknopfes sind Sie besser gerüstet, die sich aufbauenden
negativen Gedankenprogramme zu bändigen, denn Ihr Kopf braucht dazu ein Bild. So können Sie den Schaden der inneren Vergiftung
durch Ärger gering halten.
Lassen Sie den Ärger nicht an sich heran
Gehen Sie auf Abstand: Ob die Beleidigung eines Kunden oder eines Bekannten – wenn Sie sich dabei ertappen, verletzt zu sein,
sollten |94| Sie Ihren Gefühlen positiv entgegenarbeiten. Allen Methoden gemein ist, dass die Umsetzung in der Praxis nicht immer einfach
ist. Das gilt – wer wüsste das nicht – besonders für die Einflussnahme auf Emotionen. Trotzdem sollten Sie es versuchen, denn
es trägt dazu bei, das Ausmaß der Kränkung zu minimieren. Die mentale Taktik führt über die Bestimmung des eigenen Selbstbilds.
Fragen Sie sich einmal: Als was sehe ich mich selbst? Eher als zartes Wesen, das man rasch kränken kann? Oder mehr als Typ
mit dickem Fell? Die Gedankenbrücke dazu: Sehen Sie sich als einen großen starken Baum, den nichts erschüttern kann, und denken
Sie dabei an einen Baum, den Sie kennen, zum Beispiel eine riesige Buche im Garten oder eine alte Eiche im Park, die schon
viel gesehen hat und die kein Sturm wirklich erschüttern konnte. Oder noch besser: Stellen Sie sich vor, Sie seien eine steinerne
Statue und ständen auf einem Podest, so wie die berühmte Skulptur des »David« von Michelangelo.
Sehen Sie sich dort oben stehen – lässig, locker und unerreichbar. Schauen Sie von dort auf diejenigen, von denen Sie sich
ungerecht behandelt und angegriffen fühlen. Sagen Sie sich: »Niemand kann mich verletzen, wenn ich es nicht will. Ohne meine
Einwilligung kann mich hier oben niemand treffen. Ich entscheide, wem ich erlaube, mich zu ärgern und wem nicht.« So lassen
Sie sich weniger leicht durch Ärger verletzen.
Fragen Sie nach dem Nutzen
Stellen Sie die Sinnfrage. Ob die boshafte Rhetorik eines Vorgesetzten oder die gewiefte Taktik eines Menschen, der Ihre empfindlichen
Stellen genau
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