Silberband 014 - Rhodans Sohn
wieder
zu sich gekommen und hatte von den eigenartigen Vorfällen innerhalb des Sperrgebiets keine Ahnung
mehr gehabt. Ein kräftiges Schädelbrummen machte ihm jedoch plausibel, daß Meech Hannigans
Bericht der Wahrheit entsprach – ganz abgesehen davon, daß er sich darüber im klaren war,
daß ein Roboter seinen Vorgesetzten nicht anzulügen vermochte.
Ron Landry hatte nicht gezögert, die Gefangenen zu vernehmen. Freiwillig hatten sie ihm nichts
verraten wollen. Er hatte sie mit Meech zusammen in die geheimen Räume geschafft und sie dort
unter dem Einfluß eines mechanohypnotischen Generators verhört. Selbst da war der Erfolg nur
mittelmäßig gewesen. Der Anführer der Gruppe, Doosdal, hatte jeglicher Beeinflussung
widerstanden, und von seinen Untergebenen war nur ein einziger, Zaleel, nicht in der Lage
gewesen, die Kraft des Generators mit seiner eigenen Geisteskraft wirkungsvoll zu kompensieren.
Unglücklicherweise war Zaleel nicht gerade der am besten Informierte unter den Antis. Was er
sagen konnte, war wenig. Aber für Ron Landry reichte es aus, um daraus einen kurzen Bericht an
Nike Quinto zu machen und vor allen Dingen selbst einige Vorbereitungen für sein weiteres
Vorgehen zu treffen.
Er hatte sich danach mit Larry Randall und Lofty Patterson in Verbindung gesetzt, und im
Augenblick waren sie in jenem kleinen, abhörsicheren Büroraum dabei, ihre Erfahrungen
auszutauschen und Ron Landrys Pläne zu diskutieren.
»Natürlich weiß Zaleel nicht«, erklärte Ron in diesem Augenblick, »welcher Art die
Ausstrahlung ist, die Kalal von sich gibt. Aber nach seinen Angaben und unseren eigenen
Beobachtungen kann es sich kaum um etwas anderes handeln als einen mechanohypnotischen Generator,
ähnlich dem, den wir unten im Labor haben. Arbeitet er wirklich nach dem gleichen Prinzip, dann
haben wir wahrscheinlich keine Schwierigkeit, uns gegen die Ausstrahlung des Hohenpriesters mit
einem helmähnlichen Absorber zu schützen. Der Techniker der Niederlassung arbeitet bereits an den
Geräten. Wir werden sie morgen früh ausprobieren können. Bis morgen früh wird auch eine Antwort
auf meinen Bericht von Terra vorliegen. Ich denke, daß Nike Quinto uns weitere Anweisungen gibt,
so daß wir nicht nur auf unsere eigene Phantasie angewiesen sind.«
Larry Randall und Lofty Patterson, ein älterer Agent mit verschmitztem Gesichtsausdruck,
wechselten einen Blick.
»Wir waren inzwischen nicht untätig«, sagte Larry. »Wir haben einen ehemaligen
Liquitiv-Händler namens Kazek in Massennock aufgespürt. Er kennt einen Geheimgang in den Tempel.
Früher wurde auf diesem Weg oft Liquitiv transportiert.«
»Er wäre bereit, uns hinzuführen«, ergänzte Lofty. »Soweit haben wir ihn gebracht.«
Ron Landry nickte zufrieden.
»Sobald die Helme getestet sind, versuchen wir es«, entschied er.
26.
Sie hatten ihm befohlen, in sein Studierzimmer zurückzukehren und dort zu warten.
Kalal hatte gehorcht, weil er wußte, was sie vorhatten, und weil er es für gefährlich hielt,
durch Widerspenstigkeit ihren Verdacht zu erregen.
Kalal begab sich auf dem schnellsten Weg in sein Zimmer, legte sich auf das bettähnliche
Gestell und entspannte sich. Er versuchte, seine Gedanken auf die große Aufgabe zu konzentrieren,
die vor ihm lag. Das gelang ihm kaum. Er wußte nicht, ob er allein gegen zehn kräftige Männer
aufkommen und Sieger bleiben könne. Diese Ungewißheit versetzte ihn in Panik, und die Panik
hinderte ihn daran, sich voll und ganz der Vorbereitung zu widmen.
Nur langsam begann die Ruhe ihn zu erfüllen, die er brauchte. Er spürte, wie Stück für Stück
die Angst von ihm abfiel, und als er die Augen schloß, sah er deutlich die zehn Priester, wie sie
sich ebenfalls konzentrierten, um so bald wie möglich den tödlichen Geistesimpuls aussenden zu
können.
Das war die Art, in der die Anhänger des Baalol-Kults ihre Verurteilten töteten. Zehn Priester
taten sich in geistiger Konzentration zusammen, mit ihren Gehirnen eine Macht bildend, der
niemand widerstehen konnte – oder fast niemand. Im Augenblick der höchsten Konzentration
strahlte die Einheit der zehn Gehirne den Sterbebefehl aus. Sie schossen den Befehl in das Gehirn
des Verurteilten hinein, und dem blieb, unter der Wucht des Aufpralls zusammenbrechend, nichts
anderes übrig, als zu gehorchen. Es hörte auf zu arbeiten, der Verurteilte starb an
Gehirnschlag.
Kalal sah deutlich, wie sie dort standen, die Augen
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