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Stunde der Vergeltung (German Edition)

Stunde der Vergeltung (German Edition)

Titel: Stunde der Vergeltung (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Shannon McKenna
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von ihnen unter Beobachtung.
    Zumindest würde niemand sie in einem 1965er Fiat vermuten, den einzig der Rost zusammenhielt. Die Kehrseite der Medaille war, dass sie allein dadurch Aufmerksamkeit erregen würde, weil sie so lächerlich darin aussah.
    Hör auf zu zaudern und mach dich an die Arbeit , ermahnte sie sich selbst.
    Wenn sie ehrlich war, hatte sie es tatsächlich hinausgezögert. Sie war zornig und zugleich verwirrt über sich selbst. Dieses Verhalten sah ihr überhaupt nicht ähnlich.
    Es hatte eine ganze Weile gedauert, ihren Angriffsplan gegen Ana vorzubereiten und die vorgesehenen Schmuckstücke zu präparieren. Anschließend hatte sie noch geraume Zeit dafür aufgewendet, zu baden, ihren Körper zu pflegen, ihre Waffen anzulegen und sich hübsch zu machen, bis sie vollends zufrieden war. Voller Unbehagen hatte sie sich mit den passenden Zungensteckern abgemüht, die sie für den Anlass ausgewählt hatte. Als Modebekenntnis hatte Tam nicht viel für Piercings übrig, aber die Stecker in der Zunge waren die einzige geeignete Waffe für einen so persönlichen Job wie diesen.
    Sie gehörten zu einer geheimen, sehr privaten Designlinie von »Tödliche Schönheit«, die sie »Ultimative Bewaffnung« nannte – allerdings nur in ihrem Kopf, da sie noch nie mit einer Menschenseele darüber gesprochen hatte. Es waren Ideen, die sie nicht kommerziell verwertete, weil sie zu gefährlich waren. Zudem verfügten viele von ihnen über keinerlei ästhetischen Aspekt. Sie waren nur für sie allein. Für ihr paranoides, kaputtes Selbst.
    Jedes ihrer Schmuckstücke musste einen bestimmten Algorithmus durchlaufen, den Tam entwickelt hatte, um den Risikofaktor für die Trägerin einschätzen zu können. Wenn bei einer Waffe das Risiko, einen Tod durch Unfall herbeizuführen, die Fünfzig-Prozent-Marke überstieg, wurde das Schmuckstück der Kategorie »Ultimative Bewaffnung« zugeordnet und war damit unverkäuflich.
    Die Zungenstecker bargen ein fünfundsiebzigprozentiges Todesrisiko.
    Sie musste ihre Zunge entspannen und aufhören, sich zu sorgen, sonst lief sie Gefahr, die Kapseln vorzeitig zu zerbrechen. Und das wäre verheerend. Selbstbeherrschung, Steele . Mist. Es war ihr noch nie so schwergefallen.
    Nachdem sie sich angekleidet und fertig gemacht hatte, nahm sie sich ein paar Minuten Zeit, um sich zu sammeln und den gelassenen, coolen Profi hervorzulocken.
    Das Roboterbiest. Das war der Punkt, an dem der Plan zu kippen drohte. Das Roboterbiest war nämlich nirgendwo zu finden, aber ohne sie war Tam verloren und zutiefst verunsichert. Anders konnte man es nicht ausdrücken.
    Sie wollte nicht, dass Val bei seiner Rückkehr feststellen musste, dass sie verschwunden war. Es kam ihr wie ein hinterhältiger Betrug vor. Sie wollte seine Hilfe nicht ablehnen, seine Gefühle nicht verletzen, seinen Zorn nicht heraufbeschwören. Gott, wann hatte es sie je gekümmert, ob sie einen Mann wütend machte? Vorausgesetzt natürlich, besagter Mann hielt ihr nicht gerade eine Pistole an den Kopf oder ein Messer an die Kehle. Das waren Ausnahmen.
    Und dies war eine weitere Ausnahme – Gott möge ihr beistehen. Val war ihr wichtig genug, dass sie sich hier verkroch und kostbare Zeit verplemperte, in der Hoffnung, dass er zurückkommen würde, bevor sie es schaffte, ins Auto zu steigen. Dann nämlich könnten sie sich einen ausgiebigen, erbitterten Kampf liefern, den sie definitiv gewinnen würde. Val wäre schließlich gezwungen zuzugeben, dass es die beste Lösung war, wenn Tam allein fuhr.
    Ha. Träum weiter. Dieser ausgiebige Kampf war ein problematisches Szenario. Sie gestand es sich nicht gern ein, aber Val war größer, stärker und schneller als sie. Dazu störrisch und unvernünftig und maßlos darauf bedacht, sie zu beschützen, was einerseits rührend und süß und männlich von ihm war, andererseits unglaublich lästig.
    Der einzige Weg, einen Kampf gegen einen Mann zu gewinnen, der stark genug war, dass sich ein Kampf gegen ihn überhaupt lohnte, bestand darin, sich davonzustehlen und zu tun, was man wollte, während er gerade in eine andere Richtung schaute. Mit den negativen Konsequenzen müsste man sich dann später auseinandersetzen. Das war schon immer ihre Strategie gewesen. Was hatte sich also verändert?
    Denk nicht darüber nach. Tam schreckte davor zurück, diese Frage genauer zu beleuchten. Immerhin plante sie gerade einen kaltblütigen Mord. Wenn Janos nicht auf ihrem Beifahrersitz saß, konnte er in gewissem

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