Svantevit - historischer Roman (German Edition)
verdreht haben muss. Und nun möchte er sie gerne näher kennen lernen, traut sich aber nicht", erklärte Radik.
"Vielleicht sollte er mit ihr Bernsteine sammeln gehen", meinte sie neckisch und Radik verstand die Anspielung sofort.
"Hat mein Bruder überhaupt eine Chance oder soll ich ihm die Sache ausreden, bevor er sich in etwas verrennt?", wollte Radik wissen.
"Mein Schwesterchen erregt seit einiger Zeit die Aufmerksamkeit der Jünglinge, hat sich aber hier noch mit keinem näher eingelassen. Ich weiß recht gut, was in ihr vorgeht, denn wir sind uns vom Wesen sehr ähnlich. Was sie nun allerdings genau über Ivod denkt, kann ich nicht sagen", verriet Zasara und Radik wusste, dass er auf sie zählen konnte.
"Er wollte gern mit ihr zusammentreffen, in unverfänglicher Situation, während wir zwei dabei sind. Kannst du so was einfädeln?"
Zasara blinzelte in die Sonne und grübelte.
"Das ließe sich schon machen, aber dieses eine Mal. Danach müsste er sich schon allein vorwagen. Watira ist nämlich nicht auf den Kopf gefallen und würde den Braten schnell riechen."
"Also wie wollen wir es anfangen?", drängte Radik.
"Du hast es ja mächtig eilig. Verstehe, in wenigen Tagen zieht es dich nach Garz und du willst es vorher erledigt haben!"
"Woher weißt du davon? Wird im Dorf darüber gesprochen?"
"Nicht direkt. Vielleicht habe ich mich ja nach dir erkundigt", antwortete Zasara leise, "Wie wäre es, wenn wir uns übermorgen am frühen Nachmittag in der kleinen Bucht bei den Booten treffen? Mir wird schon noch einfallen, wie wir Watira und Ivod in einen Kahn bekommen", schlug sie vor.
"Sehr gut! Alles andere muss sich dann entwickeln", bestätigte Radik und bemerkte, dass sie bereits im Dorf angelangt waren.
Zu der großen Freude, die Ivod bei der Nachricht Radiks gezeigt hatte, gesellte sich bald deutlich heftige Nervosität.
"Bleib nur ganz ruhig. Du musst dich einfach so geben, wie du sonst auch immer bist, dann wird sie dir nicht widerstehen können", machte Radik seinem Bruder Mut, "Außerdem verstehen sich die beiden Schwestern sehr gut und du kannst sicher sein, dass Zasara jederzeit ein gutes Wort für dich einlegen wird. Also, was soll schief gehen?"
Zwei Tage später gingen Radik und Ivod zu den Booten, etwas früher als verabredet. Sie blickten sich um, konnten aber niemand anderen bemerken.
Es war ein klarer Tag, bei dem man weit über das ruhige Wasser blicken konnte. Am Horizont zeichnete sich Land ab, was Radik sofort wieder an die Kaperfahrt und die Verschleppung der Sklaven denken ließ. In wenigen Tagen würde er in der Fürstenburg Garz zu den Kriegern aufgenommen werden. Dieser Gedanke erfüllte ihn mit großer Freude und Zufriedenheit.
Ivod gingen ganz andere Dinge durch den Kopf, ihm war die Aufregung deutlich anzumerken. Bei jedem Geräusch sah er sich ungeduldig um und war schon nach kurzer Zeit überzeugt, dass den beiden Schwestern etwas dazwischen gekommen sein musste.
"Unfug", hielt Radik dagegen, "Wir haben ´früher Nachmittag´ gesagt und jetzt ist gerade die Mittagszeit vorbei. Gedulde dich ein wenig!" Und nach kurzer Zeit fügte er hinzu: "Hast du dein Messer dabei? Dann schnitze irgendeine Figur oder sonst was aus dem Treibholz oder den alten Plankenteilen, die hier überall herumliegen. Das wird dich ablenken."
Und Ivod tat brav, was der große Bruder ihn geheißen hatte, froh darüber, sich nicht im grübelnden Warten zu verlieren. Und schließlich war er so sehr in sein Tun vertieft, dass er die Ankunft der Schwestern erst bemerkte, als diese bereits vor ihnen standen.
"Oh hallo, hoffentlich stören wir euch nicht", sagte Zasara und tat überrascht, hier jemanden anzutreffen.
"Nein, nein!", machte Ivod klar, erhob sich schnell von dem Stein, auf den er sich gesetzt hatte und stand dann etwas unbeholfen da.
"Das Wetter ist heute ja herrlich!", rief Zasara aus und fügte flüsternd für Radik hinzu: "Wenn das kein gutes Zeichen ist!"
"Ja, wunderschön heute", bestätigte Ivod sofort.
"Wer?", fragte Zasara frech zurück.
"Das Wetter meine ich", klärte Ivod etwas unsicher das vermeintliche Missverständnis auf, "Das Wetter! Und das Wasser, alles wunderschön!"
"Zum Baden ist es nun schon etwas kühl, daher wollten wir ein kleines Stück mit dem Boot hinausfahren."
Auch Watira wirkte leicht verlegen. Sie hatte noch kein Wort gesagt und blickte sich mit ihren großen Augen etwas hilflos in der Gegend um. Radik kannte sie schon als kleines Mädchen, aber ihm
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