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Texas

Texas

Titel: Texas Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: James A. Michener
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wußten nur Gutes über den Unternehmer zu berichten: »Dem können Sie vertrauen. Er berechnet etwas für sein Land, aber es sind zivile Preise.«
    »Geld? Ich dachte, man muß nur den Vermesser bezahlen.«
    »Ja, aber es ist nicht viel.«
    Quimper begann an der Rechtschaffenheit Stephen Austins zu zweifeln. »Der ist doch nichts anderes als ein Bankier, der aus Tennessee nach Süden gezogen ist!«
    Er fragte Vater Clooney nach Austin aus. »Soviel ich weiß, jedenfalls hat man es mir in New Orleans so erklärt, ist Austin der einzige, dem die mexikanische Regierung traut, und auch der einzige, dem die amerikanischen Siedler trauen«, sagte der Priester. »Wenn Sie Ihr Land von ihm bekommen, erhalten Sie einen unanfechtbaren Rechtstitel, andernfalls gibt es große Probleme.«
    Nachdem die Quimpers den Trinity überquert hatten, folgten sie seinem Lauf einige Tage lang am rechten Ufer in Richtung Osten, bis sie auf eine schmale, aber gut befestigte Straße stießen, die zu dem alten spanischen Missionskomplex La Bahia führte, der später unter dem Namen Goliad berühmt werden sollte.
    Dort, wo die Goliad-Straße den Trinity überquerte, war eine kleine Siedlung entstanden. In den Hütten lebten sechs Paare, die ohne kirchlichen Segen geheiratet hatten. Sie hießen Vater Clooney herzlich willkommen, denn jetzt konnten sie endlich getraut werden.
    Die Hochzeitszeremonie für die sieben Paare - ein weiteres war von weit her gekommen, um an der Feier teilzunehmen -wurde zunächst zu einer Katastrophe. Die Männer hatten so viele Tiere erjagt, daß die Frauen ein wahres Festmahl zubereiten konnten, und da einer der Siedler sehr gut die Fiedel zu spielen wußte, würde getanzt werden. Der Erfolg der Veranstaltung schien gesichert; aber es kam zum Eklat: An dem Abend, an dem die Trauungen feierlich vollzogen werden sollten, verließ einen der Männer plötzlich der Mut. »Seit sechs Jahren lebe ich jetzt mit Emily. Ich wußte immer: Wenn’s mal nicht mehr klappt, ffffttt - kein Problem. Jetzt will sie mir eine Schlinge um den Hals legen, nein, nein, vielen Dank!« Sprach’s und verschwand im Wald.
    Man war allgemein der Ansicht, daß Lafe Harcomb nur Angst vor der eigenen Courage bekommen habe und daß er bald wieder zurückkommen werde. Also wurden die Trauungen verschoben, und tatsächlich kehrte Lafe am Mittag des folgenden Tages in die Siedlung zurück. »Sie ist ja nicht schlecht, meine Emily. Wir haben viel zusammen durchgemacht, wir beide. Ich glaube nicht, daß ich eine bessere finden werde.«
    So wurde die Zeremonie für den Nachmittag angesetzt. Aber nun ergab sich wieder ein Problem. Die Frauen verkündeten: »Vater Clooney ist zu betrunken, um einen Traugottesdienst abzuhalten.« Der Priester hatte nach der Enttäuschung am Vortag einen ziemlich großen Krug Whisky gefunden. Er lag völlig steif da, konnte sich nicht rühren und lallte zusammenhangloses Zeug.
    Zum zweiten Mal mußten die Trauungen verschoben werden. Erst am nächsten Morgen versicherte Mattie den anderen: »Ich glaube, er wird nach dem Frühstück aufstehen können.«
    In dieser Nacht hatte ein großgewachsener, grämlich dreinblickender Mann die Hütte betreten, in der die Quimpers den betrunkenen Priester betreuten, sich als Joel Job Harrison vorgestellt und in konspirativem Ton gesagt: »Ich nehme an,
    Sie wissen es schon. Man hat es Ihnen ja sicher schon mitgeteilt.«
    »Was denn?« hatte Mattie gefragt.
    Harrison hatte umhergeblickt und dann verächtlich auf den regungslos daliegenden Priester gestarrt. »Ich bin methodistischer Pfarrer. Ich tue, was ich kann, um in diesem papistischen Land die wahre Religion am Leben zu erhalten.«
    »Hat denn die Regierung nicht,?«
    »Sie darf nichts erfahren. Ich arbeite im geheimen, um den wahren Glauben am Leben zu erhalten.«
    »Und wenn man Sie erwischt?«
    »Die Menschen in diesen Hütten sind alle auf meiner Seite.«
    »Warum vollziehen Sie nicht die Trauungen?«
    »Das habe ich schon. Heimlich, nachts.«
    »Warum lassen sie sich dann ein zweites Mal von dem Priester trauen?«
    »Um sich ihr Land zu sichern.« Bitter, mitleidlos hatte er auf den hingestreckten Katholiken hinabgeblickt: »Sehen Sie ihn sich an! Tröster verlorener Seelen, und er selbst mehr verloren als irgend jemand sonst!«
    Reverend Harrison hatte sich in der Hütte umgesehen und war dann nahe an Quimper herangetreten. »Bald«, hatte er gesagt, »bald wird Texas von vertrauenswürdigen Protestanten überflutet werden. Sobald

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