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Texas

Texas

Titel: Texas Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: James A. Michener
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der junge Maultierhändler bei den Quimpers verbrachte, konnte Mattie ihre Neugierde nicht bezähmen: »Was hält eigentlich deine Mutter von einer so langen Reise nach New Orleans?«
    »Sie tot. Aber ich schon mit zwölf auf Wanderschaft.«
    »Wie sieht es bei dir daheim aus?«
    »Rio Grande. Viel Land. Aber auch viel Kinder. Brüder bekommen Land, ich bekommen Maultiere.«
    »Was war deine Mutter für eine Frau?« fragte Mattie, während sie ihm ein paar gesalzene Pekannüsse reichte.
    »Schönstes Mädchen von San Antonio. Haben alle gesagt. Franzose wollte sie heiraten. Amerikaner auch. Aber sie gehen zum Rio Grande und heiraten meinen Vater. Neun Kinder. Große Liebe.«
    »Und was wirst du jetzt tun?«
    »Viel Geld verdienen, New Orleans. Dann meinen Schwestern helfen, Ehemänner finden.«
    Der junge Kerl zog mit seinen einundzwanzig Maultieren ab, und Quimper meinte: »Er war der interessanteste Besucher, den wir seit Vater Clooney hier hatten.«
    Manchmal konnte Jubal seine schmächtige, verschlossene Frau nicht verstehen. Sie konnte endlos lang arbeiten, ohne sich zu beklagen. Sie betrieb die Fähre und kümmerte sich um die Schenke, aber immer wieder kam sie auf ihre zwei fixen Ideen zurück. »Jubal, ich werde nicht mehr lange in diesem Höhlenhaus leben.« Und: »Jubal, wir müssen das Land am anderen Ufer in die Hand bekommen!«
    »Du hast doch gehört, was Austin gesagt hat. Man kann nicht Land auf beiden Seiten eines Flusses haben.« Aber sie ließ den Einwand nicht gelten. »Austin muß es ja nicht erfahren.« Und wenn die Fähre auf der anderen Seite lag, konnte Jubal seine Frau manchmal beobachten, wie sie am anderen Ufer herummarschierte und Grenzsteine zusammentrug, um das Land zu markieren, das sie haben wollte.
    Als sie eines Tages wieder einmal damit beschäftigt war, griffen die Karankawa an, und sie konnte sich nur retten, indem sie zum Fluß hinunterraste und auf die Fähre sprang, während diese sich schon vom Ufer entfernte. Die Indianer stürmten am Ufer entlang und verschwanden dann in den Wäldern, wo sie einsame Hütten überfielen und deren Bewohner töteten.
    Eine geharnischte Antwort blieb nicht aus. Dreißig gut bewaffnete Männer marschierten zum neuen Hauptquartier in der Siedlung San Felipe, wo sie sich mit Siedlern von der Küste zu einem zehntägigen Feldzug gegen die Karankawa zusammenschlossen. Als die Männer von Brazos River zur Fähre zurückkehrten, erzählten sie Mattie: »Wir haben sie in ihrem Lager überrascht. Zehn von uns auf der einen Seite, zehn auf der anderen, zehn griffen frontal an, und dann Kreuzfeuer, bis sie einem Waffenstillstand zustimmen mußten.«
    Diese Schlacht hatte etwas Kurioses zur Folge: Als Mattie eines Morgens Reisende, die nach Nacogdoches unterwegs waren, mit der Fähre ans andere Ufer gebracht hatte, hörte sie ein Rascheln im Wald und sah zu ihrem Entsetzen, daß sich ein riesengroßer, mit einer altmodischen Büchse bewaffneter Karankawa dort versteckt hielt. Anders als das letzte Mal hatte sie jetzt keine Chance, die Fähre zu erreichen. Sie griff daher zu einem Stecken, um sich zu verteidigen, aber der Indianer legte seine Waffe nieder und kam mit ausgestreckten Händen auf sie zu. Weil Mattie immer bereit war, einen anständigen Menschen als ihren Bruder zu akzeptieren, zögerte sie nicht, den Stecken fallen zu lassen und ebenfalls ihre Hände auszustrecken. So begann eine seltsame Freundschaft mit einem Krieger, den die Quimpers einfach den Kronk nannten.
    Er wohnte in einer selbstgebauten Hütte neben der Schenke. Nachdem er ein paar Worte Englisch gelernt hatte, erklärte er mit Hilfe von Zeichen, daß Männer seiner Familie den Überfall auf die Hütten am Brazos River angeführt hatten und im Zug der Vergeltungsmaßnahmen alle getötet worden waren. »Sonne geht unter. Keine Karankawa mehr.« Er sprach mit großer Traurigkeit von den beklagenswerten Zeiten, in denen er lebte. »Weißer Mann zu stark. Er uns zerbrechen.« Er mochte Yancey, der jedoch schreckliche Angst vor ihm hatte und sich von ihm zurückzog. »Wenn es wieder zu einer Schlacht kommt, werden sie den Kronk bestimmt umbringen«, meinte er.
    Mattie starrte ihren Sohn an und erschrak. Als sie ihn wegen seiner Gefühllosigkeit zur Rede stellte, antwortete er: »Er ist doch nur ein Indianer, oder?«
    Der Kronk machte sich im Höhlenhaus so nützlich, daß Jubal eines Tages zu seiner Frau sagte: »Ich glaube, daß wir mit der Hilfe des Kronks richtige Außenmauern für

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