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Texas

Texas

Titel: Texas Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: James A. Michener
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Jungen und schon gar nicht mit Yancey selbst, aber sie erinnerte sich oft an ihres Vaters Ermahnung, als sie in einem elenden Loch in Tennessee gelebt und sich von Bohnen und nur hin und wieder einer Scheibe Speck ernährt hatten: »Ihr müßt es nicht mit der ganzen Welt aufnehmen, und ihr braucht auch nicht die Tapfersten im ganzen Dorf zu sein, aber, bei Gott, wenn ihr meine Kinder seid, müßt ihr wissen, was zu tun ist, wenn ihr in Gefahr kommt. Auch wenn euer Gegner zweimal so groß ist wie ihr, springt ihm an die Kehle!« Mattie war der Riesenschlange an die Kehle gesprungen. Ihr Sohn nicht.
    Mattie bewahrte ihre kleine Sammlung von Münzen, die sie mit dem Betrieb der Fähre erwirtschaftet hatte, in dem Leinensack auf, der einst ihre Maiskörner enthalten hatte. Als sie eines Tages zu der Überzeugung kam, daß sie genug gespart hatte, sagte sie sich: »Schluß mit dem Höhlenhaus!« Sie bat einen Farmer, der zu dem primitiven Laden in Austins Hauptquartier unterwegs war, eine Besorgung für sie zu erledigen, und zwei Monate später traf ein Reiter mit einem großen Paket beim Höhlenhaus ein. Es war eine Zwei-MannSäge mit zwei großen Griffen. Als sie sie ausgepackt hatte, teilte Mattie ihrem Mann mit: »Wir werden uns ein paar Bretter schneiden und ein richtiges Haus bauen. Ich will nicht mehr unter der Erde leben.«
    Der Kronk spielte eine wichtige Rolle in ihren Plänen. Sie zeigte ihm, wie man eine Grube aushob, die tief genug war, daß ein Mensch darin stehen konnte: »Und jetzt hol mir den höchsten und dicksten Stamm, den du fällen kannst.« Als der Stamm über die Grube gezerrt worden war, kletterte sie hinunter.
    Sie packte einen Griff der Säge, die die Grube hinabgelassen wurde, während einer der Männer, der mit gespreizten Beinen über dem oberen Ende des Stammes stand, das Werkzeug zum Schneiden ansetzte. Dann drückten die Männer nach unten, während Mattie zog, und auf diese mühselige Weise, den ganzen Tag über Sägemehl in den Augen, half sie mit, die Bretter zu schneiden, die sie für das Haus benötigten. Als sie das Gefühl hatte, daß genügend Bretter geschnitten waren, kletterte sie aus der Grube und wies die Männer an, mit dem Bau zu beginnen.
    An verschiedenen Orten in Texas hatte sie Häuser gesehen, wie sie eines haben wollte; die Bauweise war aus South Carolina und Georgia nach Westen gekommen und eignete sich vorzüglich zum Leben in heißem oder feuchtem Klima. »>Dogrun< nennt man so ein Balkenhaus«, erklärte Mattie dem Kronk, der die schwerste Arbeit verrichtete. »Wir bauen ein kleines quadratisches Haus hier, lassen fünf Meter freien Raum und bauen ein zweites Haus, ebenso groß, da drüben.«
    »Warum hier, warum da?« wollte der Indianer wissen. Die Antwort lautete: »Ein Haus zum Schlafen, ein Haus zum Leben.« Dann erklärte sie ihm, daß die zwei Häuser nicht getrennt bleiben würden. »Oben ein langes Dach über beiden. Unten eine lange Veranda, von einem Ende zum anderen. Und dazwischen Platz für kühle Brisen. Platz für Hunde zum Laufen am Tag, zum Schlafen bei Nacht. Nach der Arbeit schauen wir uns den Sonnenuntergang an. Und vielleicht will auch der eine oder andere Reisende auf der Veranda schlafen.«
    Das Balkenhaus war fertig. Mattie freute sich, als bald darauf Reverend Harrison auf dem Weg zu Austins Hauptquartier vorbeikam: »Wollen Sie dieses Haus segnen, Reverend?« Er tat es und betete, Gott möge die Quimpers Jahre des Glücks und des Wohlstands darin verbringen lassen.
    Jubal hatte immer geahnt, daß es einmal passieren würde, und nun war es soweit: Reverend Harrison und Vater Clooney hielten sich gleichzeitig in dem Gasthof auf. Eine häßliche Konfrontation schien unausweichlich.
    Der protestantische Kirchenmann war als erster eingetroffen; er befand sich auf seiner Runde von heimlichen methodistischen Erweckungsversammlungen. Eines Spätnachmittags hielt er gerade, von etwa zwanzig Farmern umringt, eine solche Versammlung in Quimpers Gasthof ab, als ein Aufpasser, der das Auftauchen mexikanischer Soldaten melden sollte, hereingestürzt kam: »Vater Clooney kommt auf seinem Maulesel.« Die Verschwörer schauten hinaus und sahen die vertraute Gestalt des irischen Priesters, jetzt schon älter und hagerer, das weiße Haar im Wind wehend, zur Veranda heraufreiten.
    Der Gemeinde blieb keine Zeit mehr, sich zu zerstreuen, bevor er abgestiegen war, sich den Staub von seinem schwarzen Gewand gebürstet und das Haus betreten hatte. Ein Blick auf

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