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Texas

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Titel: Texas Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: James A. Michener
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sind, als Halunken, die schlechte Katholiken sind. Meine Freunde, wir wollen hier in Texas eine neue Gesellschaft aufbauen, eine starke und moralisch einwandfreie. Das können wir nicht, wenn wir einander an die Kehle springen. Und wenn ihr diese neue Verfassung ablehnt, könnt ihr auch die Sicherheit nicht finden, die wir alle brauchen.«
    Seine Worte fanden große Zustimmung bei Jubal Quimper: »Wenn die neue Verfassung uns alles gibt, bis auf religiöse Freiheit, sollten wir sie annehmen, denn auf lange Sicht wird der Druck der Menschen, die nach Texas kommen, es ohnehin protestantisch machen. Natürlich ist Mexiko katholisch, und natürlich muß es das auch bleiben. Die guten Katholiken dieses Landes werden Texas auch weiterhin regieren - nicht viel anders als bisher. Wir alle werden Respekt und die üblichen Freiheiten genießen.«
    »Das glaube ich nicht«, konterte Reverend Harrison. »Merken Sie sich, was ich sage:    Wir werden noch
    mexikanische Truppen an diesem Fluß sehen, wenn sie herkommen, um den Katholizismus durchzusetzen und das Christentum zu unterdrücken.«
    »Was für ein schrecklicher Irrtum doch aus Ihren Worten spricht«, gab Vater Clooney rasch zurück. »Keine Konfession monopolisiert das Christentum.«
    »Der Katholizismus versucht es«, fuhr Harrison ihn an, und damit endete das Gespräch.
    Die Promulgation der Verfassung von 1824 bewirkte, daß hoffnungsvolle Neuankömmlinge wie Jubal Quimper jetzt den Mut fanden, sich als Mexikaner zu fühlen, als Bürger einer liberalen Demokratie, nicht unähnlich der amerikanischen, und sich Texikaner zu nennen begannen, - eine glückliche Wortschöpfung. »Klingt doch vernünftig«, sagte Jubal zu Mattie. »Wenn die im Süden Mexikaner sind, sind wir hier im Norden Texikaner.«
    In ihrer Euphorie vergaßen die Texikaner Reverend Harrisons Prophezeiung, daß sie bald um ihre nackte Existenz würden kämpfen müssen. Noch in jenem Jahr 1825 erfüllte sie sich. Der Feind jedoch war nicht Mexiko. Die letzten Karankawa kamen zu dem Schluß, daß sie keine Möglichkeit hatten, so weiterzuleben wie bisher, wenn sie die Weißen nicht ausrotteten, die in ihr Land eingedrungen waren. Sie unternahmen eine Reihe von Überfällen, bei denen sie so wild und grausam wüteten, daß den Siedlern nichts anderes übrigblieb, als zurückzuschlagen. »Tötet sie jetzt, oder geht zugrunde!« war die Devise in San Felipe, als die Siedler sich auf die, wie sie hofften, letzte Schlacht vorbereiteten.
    Eine Gruppe von Freiwilligen versammelte sich bei Quimpers Fähre, von wo aus sie nach Süden marschierten, um sich mit anderen Siedlern zu vereinigen, die sich entlang der Küste zusammengeschlossen hatten. Da man auch von Jungen, die älter als zehn Jahre waren, erwartete, daß sie mit eigenen Büchsen an dem Feldzug teilnahmen, hatte sich auch der dreizehnjährige Yancey gemeldet. Als sich die Rächer der Küste näherten, steigerte sich seine Erregung; er war begierig, seine Pflicht zu erfüllen. Doch als sie sich an eine Siedlung der Karankawa herangeschlichen hatten - eine Ansammlung zeltartiger Hütten - und die Zeit zum Kampf kam, erstarrte er wie damals vor der Klapperschlange, und während seine Kameraden die Indianer mit einer Überraschungssalve angriffen und dann wild nachdrängend vernichteten, starrte er wie gelähmt auf das blutige Gemetzel.
    »Wir haben sie erledigt«, brüllten die Freiwilligen, während Kundschafter ihnen den Weg zu einer weiteren Karankawa-Siedlung wiesen.
    An diesem Abend stieß eine Gruppe vom Trinity River zu den Männern von Quimpers Fähre, und am nächsten Tag, gegen Mittag, fand die letzte große Schlacht gegen die
    Karankawa statt. Diese stolzen Indianer, seit Jahrhunderten die Herren der drei Flüsse, erkannten, daß ihr Untergang bevorstand, und kämpften mit dem Mut der Verzweiflung. Gegen Abend gelang es einem kläglichen Rest unter der Führung von zwei heldenhaften Kriegern, den Ring der sie einschließenden Weißen zu durchbrechen. Sie begannen ihren langen Rückzug nach Süden über den Rio Grande; nach schrecklichen Tagen ohne Nahrung und ohne Wasser verschwanden sie vom Boden Texas’ und lebten nur noch in zum größten Teil erfundenen Geschichten über die »Kronks, die Menschenfresser«, weiter.
    Sie waren der erste von mehr als achtzig Indianerstämmen, die aus Texas vertrieben wurden. Zum Schluß konnten sich die triumphierenden Weißen rühmen: »Wir haben keine Indianer in Texas. Wir konnten sie einfach nicht

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