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Texas

Texas

Titel: Texas Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: James A. Michener
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daß sich eine Abordnung von drei Pflanzern unter Führung von Jubal Quimper entschlossen zu Austins Hauptquartier aufmachte und ihn offen warnte: »Unsere Freiheiten müssen gewahrt bleiben!« Dieser einfachen Erklärung entsprang ein moralisches Problem, das Texas noch jahrzehntelang plagen sollte, denn es war die ehrliche Überzeugung gutherziger Menschen wie Jubal Quimper, daß ihre Freiheit nur dadurch gesichert werden könne, daß man andere versklavte.
    Austin, der das Unmoralische dieser Denkweise erkannte, machte kein Hehl aus seiner Ansicht: »Ich sage es ganz ehrlich, meine Herren: Ich lehne die Sklaverei mit jeder Faser meines Herzens ab. Ich verurteile sie aus vier Gründen: Sie ist schlecht für die Gesellschaft im allgemeinen. Sie ist schlecht für den Handel. Und sie ist schlecht für den Herrn und schlecht für den Sklaven. Das war immer meine Überzeugung, und ich werde nie davon abgehen. Die klugen Männer in Saltillo, die unsere Verfassung entworfen haben, wußten, was sie taten. Die Sklaverei muß verboten werden!«
    Quimper ließ sich von diesen Argumenten überzeugen. »Sie haben recht, Stephen. Wir brauchen einen neuen Anfang. Keine Herren. Keine Sklaven.«
    Doch kaum hatte Quimper ihn seiner Unterstützung versichert, als ein Gesinnungswandel bei Austin eintrat. An diesem Abend begann er, das Problem einmal nicht nur auf der Grundlage seiner persönlichen moralischen Überzeugung zu prüfen, sondern untersuchte es in seiner Rolle als Leiter einer noch nicht existenzgesicherten Kolonie, und je gründlicher er darüber nachdachte, desto mehr gewann er die Überzeugung, daß Texas wenig Überlebenschancen hatte, wenn die Bemühungen fehlschlugen, Hunderte oder Tausende von Gentlemen aus den Südstaaten und mit ihnen Wohlstand und Kultur ins Land zu bringen. Am nächsten Morgen führte er eine offene Ausspracht herbei.
    »Meine Herren! Es ist mir schmerzlich bewußt geworden, daß sich unsere Kolonie nur weiterentwickeln kann, wenn es uns gelingt, Familien von Vermögen, hohen geistigen Fähigkeiten und gesunden Moralbegriffen aus Südstaaten wie
    Virginia, Carolina, Georgia, Alabama und Mississippi in großer Zahl für unser Land zu interessieren.« Quimper rief: »Sie haben recht, Stephen. Wir brauchen Lehrer und Männer, die die Bibel kennen.«
    Viele nickten und manche tuschelten miteinander. Austin wartete. Er fürchtete sich davor, die Schlußfolgerung des eben Gesagten auszusprechen, aber schließlich faßte er sich ein Herz: »Solche Leute aber werden nicht zu uns kommen, wenn sie nicht auch ihre Sklaven mitbringen dürfen. Welcher Weiße könnte in unserem feucht-heißen Schwemmland Zuckerrohr pflanzen? Welcher Weiße aus Alabama könnte unter unserer glühenden Sonne Baumwolle anpflanzen? Oder pflücken? Nur Neger sind für solche Arbeiten geschaffen, und die Sklaverei scheint die gottgewollte Ordnung für den Umgang mit ihnen zu sein. Ich stelle fest: Texas muß die Sklaverei zulassen oder untergehen.«
    Der wankelmütige Jubal Quimper hatte sich wieder einmal sofort von Austin überzeugen lassen. Er half ihm dabei, Petitionen an die Regierung des Staates Tejas in Saltillo und an die Bundesregierung in Mexico City abzufassen, in denen dargelegt wurde, daß die Abschaffung der Sklaverei für den Rest des Landes zweifellos richtig sei, nicht aber für eine Grenzregion wie Tejas: »Ohne Sklaven können wir unsere Felder nicht bebauen und auch nicht unsere leeren Räume bevölkern, wenn es Männern aus den Südstaaten Amerikas nicht erlaubt wird, ihre Sklaven mitzubringen.« Austin, der die Sklaverei gehaßt hatte, war zu ihrem Fürsprecher geworden.
    Im Herbst des Jahres 1828 erhielt Jubal einen Brief seines Rechtsanwalts in Gallatin, Tennessee:
    »Ich habe große Neuigkeiten für Sie, Jubal! Hammond Carver, Ihr Prozeßgegner, ist bei einem Duell ums Leben gekommen, was nach dem Gesetz die Einstellung seiner Klage gegen Sie nach sich zieht. Ich habe von seinen Rechtsnachfolgern erfahren, daß sie nicht die Absicht haben, den Prozeß noch einmal aufzurollen. Sie haben schriftlich erklärt, daß das umstrittene Grundstück einschließlich des darauf befindlichen Hauses, Ihr, Jubal Quimpers, Eigentum ist. Sie sind damit noch kein reicher Mann, verfügen jetzt jedoch immerhin über ein wenig Geld, das sie allerdings nur persönlich beheben können. Kommen Sie gleich, denn Sie und Mattie haben viele Freunde, die sich freuen würden, wenn Sie sich entschließen könnten, Ihr altes Leben hier

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