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Texas

Texas

Titel: Texas Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: James A. Michener
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ausstehen.« Andere amerikanische Staaten fanden Mittel und Wege - nicht immer vernünftige oder zweckmäßige -, um ein Zusammenleben von Indianern und Weißen zu ermöglichen; die Bürger von Texas waren dazu nicht imstande. Ihre Antipathien waren unüberwindlich.
    Yancey zeichnete sich auch in dieser letzten Schlacht nicht aus. Auf dem Heimweg jedoch, den er in Begleitung anderer Siedler zurücklegte, begann er von seinen Heldentaten im Kampf gegen die Karankawa zu erzählen und gewann mit der Zeit selbst die Überzeugung, daß er sich mit mehr als durchschnittlicher Tapferkeit geschlagen habe. Als sie schon in der Nähe der Fähre waren, sagte er zu seinen Kameraden: »Hier in der Nähe gibt es auch einen Karankawa, der sich hin und wieder sehen läßt.« Das erregte die siegestrunkenen Texaner so sehr, daß sie den Kronk, als dieser unerwartet friedlich und sehr groß vor ihnen auftauchte, ohne Zögern erschlugen - den letzten Karankawa, den man am Brazos River je sehen sollte.
    Mattie war über dieses sinnlose Blutbad empört und stellte die Mörder zur Rede. »Yancey hat uns nicht gesagt, daß er friedlich war«, rechtfertigten sie sich, und sie folgerte daraus den verbrecherischen Anteil, den ihr Sohn an diesem Mord gehabt hatte. Sie bestrafte ihn nicht wegen dieser schrecklichen Tat, aber wenn sie in den folgenden Tagen erschöpft auf der Veranda saß - erschöpft von der vielen Arbeit, die sie bewältigen mußte, während Jubal jagen ging oder nach Honigbäumen suchte -, wurde ihr klar, welch schweren Verlust sie mit dem Tod des Kronks erlitten hatte. Er war ein Mitglied der Familie gewesen, ihr Beschützer, der immer bereitgestanden hatte, wenn es Arbeit gab, der Freund, mit dem sie hatte reden können, wenn Jubal fort war. Dieser wilde Indianer war den beschwerlichen Weg in die Zivilisation gegangen, und am Ende hatte ihn eben diese Zivilisation vernichtet - allein aus dem Grund, weil er ein Indianer war.
    Jubal und Mattie hielten sich an die Devise: »Was immer Stephen F. Austin entscheidet, er tut bestimmt das Richtige.« Wie viele andere verehrten auch sie den sonderbaren kleinen Mann und verziehen ihm sein oft willkürliches Verhalten. Sie betrachtete ihn als verläßlichen Ratgeber, und wenn er sich auf seinen Reisen durch die Kolonie in ihrem Gasthof aufhielt, stimmte Jubal allem zu, was er den Leuten zu sagen hatte, die gekommen waren, um mit ihm über Politik zu reden.
    »Meine Herren, Texas wird unter dieser neuen mexikanischen Verfassung nicht nur leben, sondern eine Blütezeit erleben.«
    »Sind Sie es zufrieden, den Rest Ihres Lebens unter mexikanischen Gesetzen zu verbringen?« fragte ein Siedler aus Alabama. Austin antwortete: »Jawohl, mir ist es recht.«
    Quimper ergriff Austins Hand: »Mr. Austin«, sagte er, »ich werde als mexikanischer Bürger neben Ihnen stehen... Sie können sich darauf verlassen.«
    Aber wenige Tage    nachdem    Austin mit dieser
    Loyalitätserklärung der Leute aus der Umgebung von Quimpers Fähre abgereist war, traf ein Exemplar der neuen Verfassung ein, und der Mann aus Alabama, der Austin gefragt hatte, kam, das Dokument durch die Luft schwenkend, in den Gasthof gestürzt: »Hört mal, was da geschrieben steht.« Er bat Quimper, die anstößige Stelle laut vorzulesen: »Mit dem Inkrafttreten dieser Verfassung wird die Sklaverei in ganz Tejas verboten; in sechs Monaten wird auch die Einfuhr von Sklaven ungesetzlich sein, die sich bereits auf dem Weg nach Tejas befinden.«
    So begann einer der unlösbaren Widersprüche der texanischen Geschichte. Von hundert Familien wie den Quimpers waren nicht mehr als fünfzehn Sklavenhalter. Die meisten Siedler konnten also keinerlei finanzielles Interesse daran haben, die Sklaverei aufrechtzuerhalten; dennoch wurde diese Einrichtung auch von der Mehrheit derer verteidigt, die keine Sklaven hatten.
    Jubal und Mattie sprachen vielen aus der Seele: »Wir hatten nie Sklaven in Tennessee, und weiß Gott, auch hier in Texas haben wir keine. Aber in der Bibel steht geschrieben, daß die Söhne Harns Holzhauer und Wasserträger sein sollen, und so muß es auch bleiben.«
    Mattie, die mit allen Menschen, selbst Karankawa, Freundschaft schloß, verurteilte das neue Gesetz besonders scharf: »Nigger sind gar keine richtigen Menschen. Ich selbst will keine halten, aber man sollte den guten Leuten, die welche mitgebracht haben, ihre Eigentumsrechte nicht schmälern.«
    Das Verbot löste so große Aufregung unter den Siedlern aus,

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