Texas
wieder aufzunehmen.«
Diese vom Himmel gefallene Chance, den in Texas herrschenden Spannungen zu entfliehen, machte Jubal Lust, unverzüglich abzureisen: »Mattie! Wir können in die Heimat zurück.«
Aber Mattie dämpfte seine Begeisterung sehr rasch. »Ich habe nicht den Wunsch, Tennessee noch einmal wiederzusehen«, erklärte sie.
Jubal hielt ihr einen Vortrag über die Unterschiede zwischen dem kultivierten Tennessee und dem barbarischen Texas, aber am Ende setzte sie seiner Überredungskunst eine kategorische Antwort entgegen: »Mir gefällt’s hier. Du kannst ja mit Yancey zurückgehen und deine Ansprüche geltend machen und, wenn du willst, auch dort bleiben. Ich gebe dir deine Freiheit, auch vor Gericht, wenn du möchtest, aber das hier ist jetzt meine Heimat, und ich werde wohl bis ans Ende meiner Tage die Fähre betreiben.«
Die Entschlossenheit, mit der sie ihn von ihrer Entscheidung in Kenntnis setzte, gab Jubal zu denken. Zweimal nahm er Anlauf, ihr zu antworten, fand aber keine Worte. Schließlich verließ er das Balkonhaus und spazierte eine Weile unter den Eichen herum, die Mattie so liebte. Er versuchte ihre neue
Heimat mit ihren Augen zu sehen und begriff allmählich, warum sie Texas liebte und es nicht verlassen wollte. Nachdem er über eine Stunde am Brazos spazieren gewesen war, kehrte er zu seiner Frau zurück und schloß sie in die Arme: »Matt, altes Mädchen, wenn das deine Heimat ist, ist es auch meine. Ich könnte dich nie verlassen. Ich gehe zurück, verkaufe das Land und kaufe Bauholz in New Orleans. Ich werde dir ein richtiges Haus bauen!«
Mit einem Lied auf den Lippen begann Mattie an diesem Tag für Jubal und Yancey die Sachen zu packen, die sie für die lange Reise brauchen würden. Plötzlich unterbrach Yancey ihre Arbeit und flüsterte ihr zu: »Ich will nicht mitgehen. Die Indianer und dieser >Strip< und das alles!«
»Was wird bloß aus ihm werden?« fragte Mattie sich. »Ein Junge, der es ablehnt, eine Fahrt den Mississippi hinauf zu machen!«
Sie hatte gerade fertiggepackt, da stieg von Süden her eine Staubwolke auf: Benito Garza war mit einer neuen Partie Maultiere für die amerikanische Armee nach New Orleans unterwegs. Er war jetzt zweiundzwanzig Jahre alt, ein schlanker, hübscher Bursche mit einem Schnurrbärtchen, einem gewinnenden Lächeln und in der Zwischenzeit verbesserten Englischkenntnissen. »Diesmal ich nehme selbst die Maultiere. Ich brauche keinen Händler aus San Antonio als Führer.«
Er hatte einen jungen Mexikaner mitgebracht, nicht älter als vierzehn, und eine große Remuda von etwa vier Dutzend Maultieren, die er auf seinem Weg nach Norden zu vergrößern hoffte.
»Ist es wahr, Señor? Sie gehen nach Tennessee?« fragte er Jubal.
»Ich muß.«
»Eine Stadt am Mississippi?«
»Es ist ein Staat. Wie Coahuila-y-Tejas.«
»Aber es liegt am Mississippi?« Quimper nickte. Der junge Mann schlug sich auf die Schenkel und rief: »Da müssen Sie mit uns kommen! Sie sparen Zeit, Sie sparen Geld. Wir fahren mit dem Dampfschiff den Fluß hinauf!«
Mattie war von dem Vorschlag begeistert und drängte ihren jetzt sechzehnjährigen Sohn, doch mitzufahren. »Dann kannst du mit den Maultieren helfen, und du siehst das Dampfschiff.« Aber Yancey weigerte sich weiterhin, die gefährliche Reise anzutreten.
Sie brachen im Oktober auf, wanderten mit ihren etwa fünfzig Maultieren die Goliad-Straße hinauf, folgten dann der südlichsten Route am Golf entlang, überquerten den Sabine und gelangten so nach Louisiana und schließlich nach New Orleans.
Quimper verließ den Flußdampfer in Memphis. Nachdem er in seinem Heimatort Gallatin angekommen war, ging er gleich am nächsten Morgen zur Bank, ließ sein neues Geld an einen Vermögensverwalter in New Orleans überweisen, auf den er daheim Wechsel ziehen konnte, und eilte zurück zum Mississippi.
New Orleans, Nachitoches in Louisiana, Nacogdoches in Texas, El Camino Real, den Trinity River entlang und über die Goliad-Straße nach Süden, das war die Route, auf der außer Einwanderern auch noch andere Dinge unterwegs waren. In diesem Herbst war auch die Cholera mit von der Partie und holte Jubal Quimper ein, als er das Dorf am Trinity River erreichte, in dem Reverend Harrison sich versteckt hielt und von wo aus er seine verbotenen Erweckungsversammlungen organisierte. Die beiden Männer freuten sich über das Wiedersehen.
Am zweiten Tag seines Aufenthalts am Trinity wurde Jubal plötzlich von einem heftigen
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