Theodor: The Theodor Story (Die Wiedergeburt) (German Edition)
Hände ballten sich so fest zusammen, dass sie schmerzten. „Annemarie“, kam es qualvoll aus ihm hervor. „Du hast nichts erkannt! Theodor wird die Menschen unterjochen. Vernichten wird er die Religionen, versklaven wird er den Menschen. Blind, Annemarie – du bist blind!“ Wütend schnaubte er und schlug zornig gegen die Schiffsplanken. Allmählich kehrte die Kraft in ihm wieder zurück. Langsam richtete er sich auf und blickte in den Himmel.
„Gott ist in mir, Theodor“, flüsterte er. „In mir – und du kannst nicht das verhindern, was ich tun werde!“
Kein Windstoß, kein kalter Luftzug, nichts. Auf einmal jedoch verspürte er eine Hand auf seiner Schulter. Kurz zuckte er zusammen und drehte sich um.
„Geht es Ihnen gut?“, wurde er von einem Schiffsmatrosen gefragt.
„Ja“, antwortete Henriece und versuchte zu lächeln.
„In zwei Stunden laufen wir ein“, lächelte der Matrose zurück und ging weiter.
„Zwei Stunden – Marseille, was erwartet mich?“
In voller Fahrt durchbrach der Schiffsbug die Wellen, das Getöse der Dieselmotoren vermischt mit dem Rauschen des Wassers übertönte die Gespräche der Reisenden. Für Henriece kamen die zwei Stunden wie eine Ewigkeit vor und er war froh darüber, das Schiff in der Gewissheit verlassen zu können, dem Vatikan entkommen zu sein.
Mit Adlerblicken wurde seine Ankunft von Garden angepeilt, nachdem er sich aus der Menge herausgelöst hatte. Erschöpft von der Überfahrt ließ er sich in eine Parkbank fallen und schloss die Augen. Für den Moment wusste er nicht, wohin. Das wenige Geld reichte gerade noch, um ein paar Tage davon leben zu können.
Geraume Zeit verging, die Menschenmenge hatte sich längst aufgelöst, stand er wieder auf, hievte sein Gepäck auf die Schulter und betrachtete sich den Hafen. Majestätisch ragte die Cathédrale de la Major zwischen den neueren Bauten hervor und zog seine Aufmerksamkeit geradezu an. Einige der Fahrgäste befanden sich auf direktem Weg zu der Sehenswürdigkeit; kurz entschlossen visierte er das Gebäude als sein Ziel an.
Zehn Minuten nur benötigte er bis zum Gelände der Kathedrale. Garden wusste ihm geschickt zu folgen, der ihn nicht eine Sekunde lang aus den Augen ließ.
Ein eigenartiges Gefühlt überkam Henriece, je näher er der Eingangspforte kam. Das Gelände war von Touristen gut besucht; jeder zweite mit einem Fotoapparat in der Hand. Aufmerksam achtete er darauf, nicht zufällig auf eines der Fotos mit abgelichtet zu werden.
Kühle Luft strömte ihm entgegen, nachdem er den schweren Flügel öffnete, ein sonderbares, noch nie da gewesenes Gefühl durchflutete ihn, als er seinen Blick der sechzig Meter hohen Kuppe empor wandern ließ.
Schritte, leise Stimmen, das Knipsen eines Fotoapparates; Geräusche, welche sich in dem gewaltigen Gebäude verloren.
In der letzten Bankreihe fiel ihm eine weibliche Person auf, die kniete und betete. Zwar konnte Henriece sie nur von der Seite sehen, dennoch hatte er den Eindruck, sie zu kennen.
Das lange, rotbraune Haar, das zu einem Zopf geflochten war, die schlichte Kleidung – das alles war es nicht, was seine Aufmerksamkeit erweckte. Ihm kam die Frau, er schätzte sie um die dreißig Jahre, sehr bekannt vor, obwohl er wusste, ihr noch nie begegnet zu sein.
Auf einmal stand sie auf und wandte sich ihm zu. Ihre Blicke trafen sich; Henriece spürte sehr deutlich, dass auch sie innerlich von seiner Person berührt wurde. Langsam kam sie selbstbewusst auf ihn zugeschritten.
„Kennen wir uns?“, fragte sie ihn leise.
Henriece schreckte kurz zusammen. Er fühlte sich ertappt. „Sie kommen mir sehr bekannt vor“, erwiderte er ebenso leise.
„Sie mir auch.“ Sie lächelte, schaute ihm in die Augen und ging.
Henriece schaute ihr nach, ohne dabei die Person zu registrieren, die in unmittelbarer Nähe eine andächtige Haltung eingenommen hatte.
Frank Garden.
Henriece versuchte zu rekonstruieren. Sämtliche Personen, die er kannte, ließ er vor seinem geistigen Auge ablaufen. Er war sich schon bewusst, dass er sich auf französischem Boden weit weg seiner Heimat befand, doch wusste er auch, dass Begegnungen sich auf energetischen Ebenen anbahnen. So sehr er sich auch anzustrengen vermochte, keine Frau die er kannte, passte zu dieser brünetten Dame.
Nachdenklich und verwirrt zugleich wandte er sich dem Ausgang zu und verließ die Kathedrale wieder. Ein älterer Herr unterhielt sich mit der brünetten Dame, die sich dann in seinen Arm einhakte
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