Time of Lust | Absolute Hingabe | Band 2 | Roman von Megan Parker
Dinge schienen mir viel wichtiger. »Wir sind gestern vom Thema abgekommen«, beschwerte ich mich. »Du wolltest mir erzählen, wie es dazu kam, dass du Santiago schon drei Mal verlassen hast ...«
»Ich hatte gehofft, du würdest es vergessen«, gestand David, als er sich auf mein Bett setzte, um mir beim Ausziehen zuzusehen. »Aber wenn du unbedingt willst ... Das erste Mal war noch in Miami, er hat mich gezwungen, mit einem Mädchen zu schlafen.« David fuhr sich gequält mit der Hand über die Stirn und seufzte. »Ich erzähle dir das nicht gern ... wirklich.«
»Bitte ... ich weiß fast überhaupt nichts von ihm! Und ich möchte ihn einfach besser einschätzen können. Wenn du mir nichts erzählst, dann erzählt mir niemand etwas, das weißt du ganz genau. Ich lerne aus jedem deiner Worte. Ich weiß nicht mal, ob er Eltern hat ... warum er reich ist ... welchen Beruf er gelernt hat ... Ich weiß gar nichts!«, bettelte ich ihn an.
»Keines der Mädchen weiß das alles«, gab er mir zu bedenken.
»Ja, es ist aber auch keine mit dir zusammen! Ich erzähle es niemandem ... das kannst du mir glauben ... bitte, David ...«
Er seufzte. »Er ist aus Chicago. Als er fünf war, sind seine Eltern bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen, in einem Privat-Jet. Die Familie hatte ein riesiges Firmen-Imperium. Er ist bei Zieh-Eltern aufgewachsen, die mehr schlecht als recht ein Auge auf ihn hatten ...«
»Bei Zieh-Eltern?«, unterbrach ich ihn. »Gab es sonst keine Verwandten?«
»Nein, keine engeren, und seine Eltern hatten das testamentarisch so verfügt.«
»Und wie war das für ihn ... bei diesen Zieh-Eltern?«, fragte ich besorgt.
David seufzte. »Es war die Hölle für ihn.«
»Warum?«, hauchte ich und setzte mich zu ihm aufs Bett. Instinktiv wusste ich, David würde mir jetzt etwas Schlimmes erzählen.
»Ich kann dir nur sagen, dass er seit damals seine Aversion gegen die Hände einer Frau hat. Bitte versuch dir den Rest selbst zusammenzureimen.«
»Nein! ... Sag, dass das nicht wahr ist!«
Sorgenfalten gruben sich in Davids Stirn und er musste von mir wegsehen. Ich konnte es nicht glauben. Diese eine Person war also schuld an seiner Phobie! »Wo lebt diese Frau? Gibt es sie noch?« Ich begann, David am Arm zu packen und ihn mit aller Kraft zu schütteln. »Sag mir, dass ich sie umbringen darf, bitte! Warum hat er das nicht längst getan? Wie konnte sie ihm das antun?« Ich war außer mir.
»Sie ist gestorben ... vor ein paar Jahren«, erklärte David.
Ich nickte und fühlte einen Schmerz in meiner Brust. Aber nicht wegen dieser Frau. Bis jetzt hatte ich immer gedacht, er würde es mir aus einer Laune heraus verbieten. Ich wusste ja nicht, welche Erinnerungen er damit verband und wie sehr es ihn verletzten würde, wenn ich ihn tatsächlich berührt hätte.
»Zahira, bitte behalte das für dich. Ich hätte es dir bestimmt nicht erzählen dürfen, aber vielleicht fällt es dir so leichter, ihn zu verstehen, und vielleicht ist es dann auch nicht so schlimm für dich, dieses Verbot zu respektieren.«
»Ja, ich behalte es für mich. Ich bin dir unendlich dankbar. Du hättest es mir schon viel früher erzählen sollen ... noch auf Ivory.«
David schüttelte den Kopf. »Nein, das war unmöglich. Wenn er das herausgefunden hätte! Er will keine Schwäche zeigen, darum verkauft es gern als willkürliches Verbot, um die Mädchen bewusst damit zu quälen.«
Ich war mir noch nicht sicher, ob es für mich nun mit diesem Wissen einfacher zu ertragen sein würde. Vermutlich nicht. Wie gern hätte ich ihm bewiesen, dass meine Hände zärtlich waren und ihm bestimmt nichts Böses wollten. Trotzdem, David schenkte mir mit dieser Erklärung ganz viele Gründe, warum ich mich nicht dafür hassen brauchte, Santiago zu lieben. Er war es wert, von mir geliebt zu werden ... mit all seinen Eigenheiten.
»Wie lange war er bei diesen Zieh-Eltern?«, fragte ich David.
»Er ist mit sechzehn Jahren mit Damian zusammengezogen, rein freundschaftlich. Und zu seinem achtzehnten Geburtstag hat er das Vermögen seiner Eltern geerbt. Er wusste das schon seit frühester Kindheit an und hatte daher nie wirklich den Anreiz verspürt, sich für einen vernünftigen Beruf zu interessieren. Ab achtzehn hatte er Geld ohne Ende. Zum Zeitpunkt, wo ich ihn kennenlernte, war er bereits stolzer Besitzer seiner Insel, aber die Villa, die nach seinen Wünschen dort errichtet werden sollte, war noch in der Bauphase, ein Monat vor
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