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Tochter Der Traumdiebe

Tochter Der Traumdiebe

Titel: Tochter Der Traumdiebe Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Michael Moorcock
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Kopf und taumelte. Gaynor richtete den Bogen wieder auf sie.
    Der glänzende schwarze Körper, der vor ihr lag, zitterte. Mächtige Muskeln spannten sich, der Schwanz peitschte, der große Schnurrbart zuckte. Jadegrüne Augen funkelten. Aus der großen, schwarzen Nase drang ein unsicheres Schnauben.
    Oona konnte es noch nicht recht glauben, doch Gaynor fluchte, als der Säbelzahnpanther langsam auf die Pfoten kam und sich nach dem Feind umsah. Die großen weißen Reißzähne funkelten im Licht des Flusses. Dann, Schulter an Schulter neben der riesigen Katze, sah ich eine weitere menschliche Gestalt.
    Mein Doppelgänger.
    Hatte er die Katze wieder zum Leben erweckt? Gaynor konnte sein Entsetzen kaum noch verbergen. Oona hatte genug Verstand, uns hinter einen Stalagmiten zu ziehen, sodass wir aus der Deckung weiter beobachten konnten.
    Der Albino schien mit Gaynor zu reden. Er machte eine Geste. Auf einmal waren er und die Katze verschwunden. Gaynor nahm den Pfeil aus dem Bogen, steckte ihn in den Gürtel und rannte in die Dunkelheit davon.
    Ich hatte nicht die leiseste Ahnung, was diese Begegnung zu bedeuten hatte. Ich wollte Oona fragen, ob sie mehr verstanden hatte, doch sie machte sich mit entschlossenem Gesicht eilig auf den Rückweg in die Stadt. »Wir müssen die anderen warnen und ihnen sagen, was hier vor sich geht. Sie werden hier alle ihre Kräfte aufbieten müssen.«
    »Was hat das zu bedeuten? Wer ist diese bizarre Ausgabe meiner selbst?«
    »Es würde genauer treffen, wenn man sagt, dass Sie eine andere Ausgabe von ihm sind«, erklärte sie. »Er heißt Elric von Melnibone und trägt die schwerste Last von uns allen.«
    »Kommt er aus einer anderen - woher denn eigentlich? Aus einer alternativen Welt, die neben unserer eigenen Realität existiert?«
    »Manche sprechen von Verästelungen oder Verzweigungen. Oder von verschiedenen Reichen oder Ebenen. Alle sind jedenfalls verschiedene Versionen unseres Universums.« Sie lief eilig durch die gewundenen Straßen Mu Oorias und drang immer tiefer in die Stadt ein.
    »Kann dieser Doppelgänger wie Sie zwischen den Welten reisen? Und kennen Sie ihn?«
    »Nur in seinen Träumen«, erklärte sie.
    Wir waren inzwischen außer Atem. Ich hatte keine Ahnung, wohin sie mich führte, aber sie wollte nicht ausruhen. Ich musste an die unmittelbare Gefahr denken, doch dahinter tobten tausend offene Fragen. So viele Fragen, dass ich nicht wusste, wo ich anfangen sollte, um sie in Worte zu kleiden.
    Wir waren durch einen hohen Hauseingang getreten, durch einen langen Flur gerannt und eine gekrümmte kurze Rampe hinaufgelaufen und standen nun in einem Saal mit niedriger Decke. Lang gestreckte Bänke aus behauenem Stein waren um einen großen runden und an Glas erinnernden mittleren Bereich angeordnet.
    Ich musste an den Gemeinschaftsraum eines Klosters denken. Der Saal war mit den üblichen hohen Wasserbehältern beleuchtet und strahlte eine tiefe Ruhe aus. Das Licht warf weiche Schatten, der kreisrunde Bereich im Zentrum regte sich manchmal, die Schatten wechselten von Pechschwarz nach Dunkelgrau.
    Oona führte mich hinter die Hauptgruppe der Bänke. Gleichzeitig trafen die ersten Off-Moo ein. Die langen, schmalen Gesichter wirkten ernst, die eigenartigen Augen fragend. Ich hatte nicht gesehen, dass die junge Frau irgendein Zeichen gegeben hatte. Unsere Gegenwart im Raum hatte anscheinend ausgereicht, um die Ältesten der Off-Moo sofort herzuholen. Manche wirkten wie Leute, die man bei wichtigen Arbeiten unterbrach. Offenbar hielten sie die Angelegenheit für ernst. Hatte Oona die Leute gerufen? Stand sie in telepathischer Verbindung mit dem Gruppenbewusstsein? Ihr Gesicht war schön und offen, wenn sie mit den Off-Moo sprach. Die Anmut dieser nichtmenschlichen Wesen gab mir das Gefühl, ich hielte mich in der Gesellschaft von Engeln auf.
    Mit gemurmelten Grüßen versammelten sich die Off-Moo um den Kreis aus dunklem Glas und hörten aufmerksam zu, als Oona ihnen berichtete, was sie gesehen und was wir erfahren hatten.
    »Es könnte sein, dass bereits eine Armee gegen Mu Ooria marschiert«, sagte sie schließlich zögernd.
    Auch dies wurde von den Mu Ooria aufgenommen, doch ihre Konzentration richtete sich jetzt vor allem auf den spiegelnden, glänzenden Kreis, um den sie sich versammelt hatten. Ich fragte mich, was sie dort sahen und ob dies ihre Version einer Kristallkugel sei. Vielleicht ein Hilfsmittel, um die Konzentration der Gruppe zu verbessern?
    Dann kippte ich fast

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