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Tod den Unsterblichen

Tod den Unsterblichen

Titel: Tod den Unsterblichen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Frederik Pohl
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tätschelte ihre Hand. Der Kaffee war kalt, aber sie trank ihn trotzdem. Der Arzt wußte, wo sie zu finden waren, dachte sie, obwohl er natürlich schrecklich viel zu tun hatte …
    »Er war das beste meiner Babys«, sagte ihre Mutter.
    Locille wußte, daß das Ende ihres Bruders kurz bevorstand. Der Ausschlag, der die Ärzte stutzig machte, das Fieber, das seine Augen glasig machte, waren nur äußere Anzeichen für den fürchterlichen Kampf in seinem unbeweglichen Körper; sie waren Schlagzeilen einer Zeitung, tausend Meilen entfernt, die lauteten: 800 Marinesoldaten bei der Erstürmung von Iwo gefallen; sie stellten die Tatsache von Blut und Schmerz und Tod dar, aber sie waren nicht die Tatsache selbst. Roger lag im Sterben. Die äußeren Anzeichen waren unter Kontrolle gebracht worden, aber die Salbe konnte nur die Pusteln eintrocknen, die Pillen ihm nur das Atmen erleichtern, die Spritzen nur seine Kopfschmerzen lindern.
    »Er aß so gut«, sagte ihre Mutter, laut träumend, »und er sprach schon mit achtzehn Monaten. Er hatte einen kleinen Elefanten mit einer Spieluhr, und er konnte sie selbst aufziehen.«
    »Mach dir keine Sorgen«, flüsterte Locille verlogen.
    »Aber wir haben ihm erlaubt, schwimmen zu gehen«, seufzte ihre Mutter und sah sich im überfüllten Raum um. Aber nicht sie, sondern Locille erblickte als erste die Krankenschwester, die durch die Menge auf sie zukam, doch sie mußte ebenso schnell wie Locille im Gesicht der Krankenschwester gelesen haben, welche Nachricht sie ihnen brachte.
    »Er war heute schon der zehnte in meiner Station«, flüsterte die Krankenschwester und hielt vergeblich Ausschau nach einem ungestörten Winkel, um es ihnen zu sagen. »Er hat das Bewußtsein nicht wiedererlangt.«
     
    Cornut trat blinzelnd aus dem Wohnsitz des Präsidenten. Es war Morgen. »Schönes Wetter«, sagte er höflich zu Jillson an seiner Seite. Jillson nickte. Er war mit Cornut zufrieden. Das Kind würde ihm keine Schwierigkeiten mehr machen.
    Unterwegs »schrie« Jillson in Cornuts Verstand. Es war schwierig bei diesen unfertigen Telepathen, seufzte er; aber es gehörte zu seiner Aufgabe. Er war der Henker. Er nahm Cornut beim Ellenbogen – körperlicher Kontakt half etwas, aber nicht viel – und erinnerte ihn an das, was er zu tun hatte. Sie müssen sterben. Sie werden sich umbringen.
    »O ja«, sagte Cornut laut. Er war erstaunt. Er hatte es versprochen, nicht wahr? Er empfand keinen Groll mehr wegen der Prügel. Er verstand, daß sie einen Zweck hatten; je benommener, je erschöpfter er war, desto sicherer war ihre Kontrolle über ihn. Er hatte überhaupt nichts dagegen, unter der Kontrolle vier uralter Unsterblicher zu stehen, denn – das tat er.
    Sie sterben, Cornut, aber was macht das schon aus? Ob heute, ob morgen oder in fünfzig Jahren. Es ist alles das gleiche.
    »Das stimmt«, pflichtete Cornut ihm höflich bei. Er war nicht besonders interessiert, das Thema war gründlich behandelt worden, die ganze Nacht hindurch. Er bemerkte zerstreut, daß eine große Menschenmenge vor der Universitätsklinik stand. Auf dem ganzen Campus schien Unruhe zu herrschen.
    Sie kamen in den Schatten des Verwaltungsgebäudes und machten einen Bogen darum, in Richtung Mathe-Turm.
    Sie werden sterben, das wissen Sie, »schrie« Jillson. Eines Tages wird die Welt erwachen – ohne Cornut. Ein Stethoskop an seine arme Brust halten – kein Herz schlägt mehr. Die Töne eines schlagenden Herzens, die Sie an jedem Tag Ihres Lebens gehört haben, werden nie mehr gehört werden. Cornut war peinlich berührt. Das stimmte zwar alles; er hatte nichts dagegen, es gesagt zu bekommen, aber es war wirklich sehr unreif von Jillson, daß er mit so offensichtlicher Freude darüber sprach. Seine Gedanken wurden von einem verschmitzten Schmunzeln begleitet, so wie bei einem Halbwüchsigen, der ein unanständiges Bild betrachtet.
    Das Gehirn verwandelt sich in Gelee, jubelte Jillson. Der Körper verwandelt sich in Schleim. Mit glänzenden Augen leckte er sich die Lippen.
    Cornut sah umher, denn er brannte darauf, das Thema zu wechseln. »Oh, sehen Sie nur«, sagte er. »Ist das nicht Sergeant Rhame?«
    Jillson hämmerte weiter: Der Niednagel Ihres Daumens, der jetzt wehtut, wird verwesen und verfaulen und vermodern. Nicht einmal an den Schmerz wird je wieder ein Lebender denken. Haben Sie irgend etwas aufgeschoben, das Sie Ihrem Betthäschen sagen wollten? Sie haben es schon zu lange aufgeschoben, Cornut.
    »Es ist Sergeant

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