Todesrennen
ein echter Sportsmann, der darauf bestand, dass das Programm ohne ihn weitergehen solle.
Whiteways gelber, sechs Waggons langer Josephine Special stand auf der anderen Seite des Eagle Special, und Bell hatte seinen Lokführer angewiesen, beim Parken des Zuges darauf zu achten, dass die beiden Flugmaschinen-Werkstattwagen genau nebeneinander standen. Beide hatten die Rampen für ihre Tourenwagen heruntergeklappt, während die Wagen selbst nach Peoria gefahren waren, um aus den dortigen Metallwarenläden diverse Ersatzteile zu besorgen, oder bereits die weitere Rennstrecke erkundeten. Gelächter und das Klirren von Gläsern begleiteten eine Dinnerparty, zu der Preston Whiteway eingeladen hatte.
Dashwood traf Bell dabei an, wie er eine topografische Landkarte großen Maßstabs studierte, die er von der Decke des Werkstattwagens abgerollt hatte und die das Terrain im Bereich der Flugstrecke durch Illinois und Mississippi bis nach Kansas City zeigte.
»Was haben Sie in Erfahrung bringen können, Dash?«
»Ich bin auf ein Buch über Meereszoologie gestoßen, mit dem Titel Wissenswertes über Cephalopoden. Tintenfische und Kraken sind Cephalopoden.«
»Ich erinnere mich«, sagte Bell. »Was haben sie miteinander gemein?«
»Die Fortbewegung mittels Schubkraft.«
Bell, der vor der Landkarte stand, wirbelte herum. »Natürlich. Beide bewegen sich vorwärts, indem sie Wasser in die entgegengesetzte Richtung spritzen.«
»Tintenfische mehr als Kraken, die eher über den Boden laufen und fließen.«
»Sie düsen herum.«
»Aber mit was für einer Art von Motor haben meine Fischer sie verglichen?«
»Mit Platows Thermo-Maschine. Er verwendete das Wort ›Düse‹.« Bell ließ sich das durch den Kopf gehen. »Demnach haben Ihre Fischer mitgehört, wie Di Vecchio Celere beschuldigt hat, ein Gigolo zu sein, weil er sich von einer Frau hat Geld geben lassen, um bei einem Flugtreffen in Paris irgendeinen Motor zu kaufen. Einen Düsenmotor. Das klingt ganz nach Platows Thermo-Maschine.«
Eine Hand schlug kräftig gegen die Seitenwand des Werkstattwagens, und ein Mann stand schwitzend auf der Rampe. »Chefermittler Bell? Ich bin Asbury, Vertragspartner Ihrer Agentur und für Zentral-Illinois zuständig.«
»Ja, natürlich. Kommen Sie herein, Asbury.« Der Mann war ein pensionierter Gesetzeshüter, der seinen Dienst in Peoria und Umgebung auf Teilzeitbasis versah und gewöhnlich bei Banküberfällen hinzugezogen wurde. Bell streckte ihm die Hand entgegen und stellte vor: »Detektiv Dashwood aus San Francisco.« Dann wollte er von Asbury wissen: »Was haben Sie für mich?«
»Nun …« Asbury wischte sich sein schweißnasses Gesicht mit einem roten Taschentuch ab, während er sich seine Antwort zurechtlegte. »Mit dem Renn-Tross sind eine ganze Menge Fremde in die Stadt gekommen. Aber ich habe niemanden gesehen, auf den die Beschreibung von Harry Frost passen würde.«
»Ist Ihnen irgendwer besonders aufgefallen?«, fragte Bell geduldig. Während er sich mit dem Rennen weiter nach Westen bewegte, erwartete er, mit Privatdetektiven und Gesetzesvertretern zusammenzutreffen, die eine derart prägnante Ausdrucksweise pflegten, dass Constable Hodge aus North River neben ihnen geradezu nervtötend geschwätzig erschien.
»Da ist ein Spieler aus New York, offenbar eine große Nummer. Wird von zwei Schlägern begleitet. Hat auf Anhieb gemerkt, dass ich Polizist bin.«
»Um die Taille herum ziemlich breit gebauter, mittelalter Knabe in einem karierten Anzug? Riecht wie ein wandelnder Friseurladen?«
»Das kann man wohl sagen. Angelockt von seinem Parfüm umschwärmten ihn die Fliegen wie Fledermäuse bei Sonnenuntergang.«
»Das ist Johnny Musto aus Brooklyn.«
»Was treibt er hier oben in Peoria?«
»Ich bezweifle, dass er hier Urlaub machen will. Danke, Asbury. Wenn Sie in den Küchenwagen von Whiteways Zug einsteigen, können Sie ihnen von mir bestellen, sie sollen Ihnen ein Abendessen vorsetzen … Dash, versuchen Sie herauszubekommen, was Musto vorhat. Mit ein wenig Glück erkennt er Sie nicht als Van Dorn. Außerdem kommen Sie nicht aus New York«, fügte Bell hinzu, auch wenn Dashwoods beste Tarnung in Wirklichkeit sein Messdiener-Aussehen war. »Geben Sie mir Ihren Revolver. Ihm würde die Beule in Ihrer Jacke auf Anhieb auffallen.«
Bell verstaute den langläufigen Colt in seiner Schreibtischschublade. Seine Hand wanderte zu seinem Hut und kam mit einem zweischüssigen Derringer wieder herunter. »Stecken Sie sich
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