Todesrennen
zurück und berichtete, dass er gesehen habe, wie Johnny Musto Zeitungsreportern Drinks spendierte.
»Das ist nicht verboten«, sagte Bell. »Buchmacher leben von Informationen. Genauso wie Detektive.«
»Ja, Mr. Bell. Aber ich habe ihn bis zum Güterbahnhof verfolgt und gesehen, wie er denselben Reportern bündelweise Geldscheine zusteckte.«
»Was halten Sie davon?«
»Wenn er sie schmiert, wüsste ich nicht, was sie als Gegenleistung für das Geld tun könnten.«
»Ich bezweifle, dass er seinen Namen in den Zeitungen sehen will«, sagte Bell.
»Was will er dann?«
»Zeigen Sie mir, wo er ist.«
Dash deutete in die Richtung. »Drüben am Fluss, wo die Jungs würfeln, steht ein geschlossener Güterwagen. Musto nimmt Wetten an.«
»Bleiben Sie in der Nähe, um mithören zu können, aber achten Sie darauf, dass er uns beide nicht zusammen sieht.«
Bell roch den Buchmacher aus Brooklyn, ehe er ihn hörte, da der süßliche Duft von Gardenien den strengen Geruch von Eisenbahnschienen und Lokomotiven durchdrang. Dann hörte er sein heiser geflüstertes »Die Wetten, Gentlemen. Machen Sie Ihr Spiel.«
Bell ging um den einsamen Güterwagen herum, der in einer dunklen Ecke des Betriebshofs stand.
Ein Schläger mit hartem Blick stupste Musto an.
»Wen sehe ich denn da? Wenn das nicht einer meiner besten Kunden ist. Es ist niemals zu spät, um Ihre Investition aufzustocken, Sir. Wie viel sollen wir Ihren dreitausend auf Miss Josephine noch hinzufügen? Muss Sie allerdings warnen, die Quoten ändern sich. Das Girl bringt jetzt fünfzehn für eins, da einige Wetter bemerken, dass sie zu Stevens aufholt.«
Bells Lächeln war freundlicher als seine Stimme. »Ich bin ein Wetter, der sich fragt, ob Spieler sich zusammengetan haben, um das Rennen zu manipulieren.«
»Meinen Sie etwa mich?«
»Brooklyn ist weit weg, Johnny. Was treiben Sie hier?«
Musto wehrte wortreich ab. »Ich brauche kein Rennen zu manipulieren. Gewinnen, verlieren, unentschieden, für mich ist es völlig gleichgültig. Sie wetten gern, Mr. Bell, und Sie kennen das Spiel. Außerdem sind Sie ein Mann von Welt, wenn ich Sie nicht völlig falsch einschätze. Sie wissen, dass der Buchmacher niemals verliert.«
»Stimmt nicht«, sagte Bell. »Einige Buchmacher verlieren schon mal.«
Musto wechselte erstaunte Blicke mit seinen Leibwächtern. »Ja? Wann denn?«
»Wenn sie zu gierig werden.«
»Was meinen Sie damit? Wer ist gierig?«
»Sie schmieren Zeitungsreporter.«
»Das ist doch lächerlich. Was können diese armseligen Schreiberlinge schon für mich tun?«
»Sie können für eine bestimmte Maschine Werbung machen, so dass Millionen von Lesern entsprechende Wetten abschließen«, sagte Isaac Bell. »Mit anderen Worten, sie können die Quoten beeinflussen.«
»Ach ja? Und für welche Maschine soll ich denn zufälligerweise werben?«
»Für dieselbe, die Sie schon die ganze Zeit in den Himmel loben – Eddison-Sydney-Martins kopflose Pusher.«
»Die Curtiss ist eine Flugmaschine von echter Klasse«, protestierte der Buchmacher. »Die braucht keine Hilfe von Johnny Musto.«
»Aber sie bekommt trotzdem eine Menge Hilfe von Johnny Musto.«
»Hey, es ist nicht so, dass ich das Rennen manipuliere. Ich gebe nur Informationen weiter. Man könnte es fast als öffentliche Dienstleistung bezeichnen.«
»Ich würde es eher ein Geständnis nennen.«
»Sie können nichts beweisen.«
Isaac Bells Lächeln hatte sich verflüchtigt. Er fixierte den Buchmacher mit eisigem Blick. »Ich glaube, Sie kennen Harry Warren?«
»Harry Warren?« Johnny Musto massierte sein Doppelkinn. »Harry Warren? Harry Warren? Lassen Sie mich nachdenken. O ja! Ist er nicht der New Yorker Van Dorn, der die Banden im Visier hat?«
»Harry Warren wird mir in zwei Tagen telegrafieren, dass Sie sich bei ihm in der Van-Dorn-Zentrale im Knickerbocker Hotel in der Forty-second Street Ecke Broadway in New York City gemeldet haben. Wenn das Telegramm nicht kommt, nehm ich mir Sie vor – ganz persönlich – und zwar gründlich, von Kopf bis Fuß.«
Mustos Leibwächter wirkten böse.
Bell ignorierte sie. »Johnny, ich möchte, dass Sie meine Bitte weitergeben: Anständig und fair auf das Rennen zu wetten ist völlig okay, aber die Wetten zu manipulieren ist nicht okay.«
»Was die anderen Spieler tun, ist nicht meine Schuld.«
»Geben Sie meine Bitte nur weiter.«
»Und was haben Sie davon?«
»Sie können am Ende nicht behaupten, sie seien nicht gewarnt worden. Ihnen
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