Todesrennen
den in die Tasche.«
»Ist schon okay, Mr. Bell«, meinte Dashwood grinsend und machte eine schlenkernde Handbewegung, bei der ein glänzender, nagelneu aussehender Derringer aus dem Ärmel in seine Finger glitt.
Isaac Bell war beeindruckt. »Ganz schön raffiniert, Dash. Außerdem eine hübsche kleine Waffe.«
»Geburtstagsgeschenk.«
»Von Ihrer Mutter, nehme ich an.«
»Nein, ich habe ein Mädchen kennengelernt, das gerne Karten spielt. Sie hat die Gewohnheit von ihrem Vater übernommen. Er war ebenfalls Kartenspieler.«
Bell nickte. Er war froh, dass der Messdiener allmählich auf der Strecke blieb. »Wir treffen uns hier, wenn Sie mit Musto fertig sind«, sagte er und machte sich auf die Suche nach Dmitri Platow.
Er fand den Russen, als er gerade die Rampe von Mudds Werkstattwagen herunterkam und sich gleichzeitig die Hände mit einem benzingetränkten Lappen säuberte.
»Guten Abend, Mr. Platow.«
»Guten Abend, Mr. Bell. Ist heiß in Peoria.«
»Darf ich fragen, Sir, ob Sie in Paris eine Thermo-Maschine verkauft haben?«
Platow lächelte. »Darf ich fragen, weshalb Sie das fragen?«
»Ich habe gehört, dass ein italienischer Flugmaschinenerfinder namens Prestogiacomo möglicherweise bei einem Flugtreffen in Paris einen ›Düsen‹-Motor gekauft hat.«
»Nicht von mir.«
»Er kann dabei einen anderen Namen benutzt haben. Es ist möglich, dass er sich Celere nannte.«
»Auch in diesem Fall hat er die Maschine nicht von mir gekauft.«
»Haben Sie diesen Prestogiacomo mal kennengelernt?«
»Nein. Ich habe sogar noch nie von ihm gehört.«
»Er muss für einiges Aufsehen gesorgt haben. Er hat nämlich der italienischen Armee einen Eindecker verkauft.«
»Ich kenne keine Italiener. Bis auf einen.«
»Marco Celere?«
»Ich kenne Celere nicht.«
»Aber Sie wissen, wen ich meine, oder nicht?«
»Natürlich. Das ist der Italiener, der Josephines Flugmaschine und den großen Apparat gebaut hat, den ich für Steve Stevens in Schuss halte.«
Bell wechselte das Thema. »Was halten Sie von Stevens’ Maschine?«
»Es wäre nicht fair, wenn ich mich dazu äußern würde.«
»Warum nicht?«
»Weil Sie für Josephine arbeiten.«
»Ich beschütze Josephine. Ich arbeite nicht für sie. Ich frage Sie eigentlich nur, ob Sie mir etwas mitteilen können, das mir helfen würde, sie noch besser zu beschützen.«
»Ich kann nicht erkennen, was Stevens’ Maschine damit zu tun haben könnte.«
Bell änderte seine Taktik abermals und fragte: »Haben Sie in Paris jemals einen Russen namens Sikorsky kennengelernt?«
Ein Lächeln ließ Platows mächtigen Backenbart erzittern. »Genialer Landsmann.«
»Wenn ich richtig verstanden habe, sind Vibrationen ein großes Problem bei mehr als einem Motor. Wäre es möglich, dass Sikorsky Ihren Motor für eine seiner Maschinen haben möchte?«
»Eines Tages vielleicht. Würden Sie jetzt entschuldigen, bitte? Pflicht ruft.«
»Natürlich. Tut mir leid, so viel von Ihrer Zeit in Anspruch zu nehmen … Oh, Mr. Platow? Darf ich Ihnen noch eine Frage stellen?«
»Ja?«
»Wer war der eine Italiener, den Sie in Paris kennengelernt haben?«
»Professor Di Vecchio. Großer Mann. Nicht praktisch, aber grandiose Ideen. Konnte nicht verwirklichen, aber große Ideen.«
»Mein Di-Vecchio-Eindecker ist ein absoluter Höhenflieger«, sagte Bell und fragte sich, weshalb Danielle gesagt hatte, sie kenne Platow nicht. »Ich würde meinen, dass diese Flugmaschine zumindest eine Idee ist, die er realisiert hat.«
Platow zuckte geheimnisvoll die Achseln.
»Kannten Sie Di Vecchio gut?«
»Überhaupt nicht. Ich habe nur seine Vorlesungen gehört.« Plötzlich sah er sich um, als wollte er sich vergewissern, dass sie allein waren, und senkte die Stimme zu einem verschwörerischen Murmeln herab. »Was Stevens’ Doppeldecker betrifft? Sie haben recht. Vibrationen von zwei Motoren sehr heftig. Schütteln die Maschine in Trümmer. Aber jetzt entschuldigen, bitte.«
Isaac Bell blickte dem Russen nach, wie er über das Innenfeld stolzierte, sich vor den Damen verbeugte und Handküsse verteilte. Platow, dachte der hochgewachsene Detektiv, du funktionierst noch glatter als dein Thermo-Motor.
Und er konnte unmöglich glauben, dass sich der ausgewiesene Frauenheld niemals an Professor Di Vecchios bildschöne Tochter herangemacht hatte.
Bell fuhr fort, seine topografischen Landkarten zu studieren, um einen Punkt zu finden, an dem Frost möglicherweise wieder angriff. Dash kehrte
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