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Totenstätte

Totenstätte

Titel: Totenstätte Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: M. R. Hall
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gemacht werden soll, Simon, dann gilt das Recht nicht mehr. Dann bleibt nur Bequemlichkeit, was okay ist, solange man nicht als die Unbequeme abgestempelt wird. Mrs. Jamal war nicht bequem, und die Untersuchung zum Tod ihres Sohnes ist es sicher auch nicht. Ich bin ebenfalls nicht bequem, aber wenn es hart auf hart kommt, würden Sie es sicher vorziehen, mich auf Ihrer Seite zu haben.«
    »Wenn nur alle Facetten Ihres Charakters eine solche Selbstsicherheit ausstrahlen würden«, entgegnete Moreton mit einem gewissen Bedauern.
    »Am Mittwoch nehme ich die Anhörung wieder auf. Und ich werde sie nicht eher beenden, bis ich herausgefunden habe, was mit Nazim Jamal geschehen ist.«
    Man musste Moreton zugutehalten, dass er wusste, wann er geschlagen war. Er versuchte es erst gar nicht mit Drohungen oder Versprechungen. Mit einem laschen Händedruck und einem freundlichen Gruß an Alison verabschiedete er sich. Er hatte nicht mehr erfahren als den Namen und den Beruf von Frank Madog.
    Bestärkt von ihrem Sieg trat Jenny in den Empfangsbereich und ging zur Küche, aus der sie Geschirr klappern hörte. Alison war mit ihrem üblichen Teeritual beschäftigt und schaute schuldbewusst auf.
    »Kann ich Ihnen irgendetwas anbieten, Mrs. Cooper?«
    »Sie haben Moreton von Madog erzählt.«
    »Er hat mir keine Wahl gelassen. Er sagte, ich sei dazu verpflichtet.«
    »Wozu verpflichtet?«
    »Ihm zu erzählen, was wir herausgefunden haben.«
    »Hat er auch gesagt, was passiert, wenn Sie nicht damit herausrücken?«
    »Es tut mir leid, Mrs. Cooper, aber wer bin ich, dass ich ihm widersprechen würde?«
    »Sie hätten auf mich warten können.«
    »Er hat mich nicht in Ruhe gelassen. Er hat darauf bestanden, sonst werde die Sache ein Nachspiel haben.«
    »Er hat Sie bedroht?«
    »Nicht wirklich.«
    »Hat er gesagt, wofür er die Informationen braucht?«
    »Nein.«
    »Sie haben also einfach so alles preisgegeben.«
    »So war das nun auch nicht. Er hat behauptet, die Geheimdienste hätten mit ihm gesprochen. Sie hätten ihm erzählt, dass sich Nazim Jamal und Rafi Hassan mit Terroristen eingelassen haben, die möglicherweise auch Mrs. Jamal auf dem Gewissen haben.«
    »Hatte er Beweise dafür?«
    »Wenn Sie hier gewesen wären, hätte ich vielleicht …«
    »Was haben Sie ihm sonst noch erzählt?«, fuhr Jenny sie an.
    »Nichts. Dr. Levins Arztberichte habe ich nicht erwähnt.«
    »So sehr haben Sie ihm also doch nicht vertraut.«
    »Ich bin kein Rechtsanwalt. Ich wusste nicht, was ich davon halten sollte.«
    »Mit wem haben Sie sonst noch gesprochen? Mit Dave Pironi?«
    »Natürlich nicht.«
    »Die Frage ist ernst gemeint. Sie gehen mit ihm zum Gottesdienst.«
    Alisons Verteidigungshaltung verwandelte sich jetzt in Ärger. »Bei allem Respekt, Mrs. Cooper, aber das ist meine Privatsache. Damit haben Sie nichts zu tun.«
    »Wenn es meine Untersuchung betrifft, dann schon. Haben Sie je darüber nachgedacht, dass Pironi Sie vielleicht benutzt? Soweit ich weiß, war er persönlich in die Sache mit Nazim Jamal verwickelt. Ist es nur ein Zufall, dass er sich just in dem Moment, da alles wieder hochkocht, zu Ihrem geistlichen Mentor aufschwingt?«
    »Sie wissen nicht, wovon Sie reden.«
    »Ich weiß von Ihrer Tochter.«
    Alison hielt inne und starrte sie an. »Wirklich? Und was genau glauben Sie über meine Tochter zu wissen, Mrs. Cooper?«
    »Ich habe gehört, wie Sie mit Ihrem Mann telefoniert haben. Sie lebt mit einer Frau zusammen. Was hat Pironi Ihnen erzählt – dass Ihre Tochter durch Gebete geheilt werden könnte?«
    »Ich werde Ihnen etwas über meine Tochter erzählen«, sagte Alison. »Als sie siebzehn war, hat sich ein junger Mann ihr mit Gewalt aufgedrängt. Sie können es auch Vergewaltigung nennen. Zwei Jahre lang hat sie kaum noch das Haus verlassen. Auch danach konnte sie es nicht allein mit einem Mann im Raum aushalten, nicht einmal mit ihrem Vater. Nicht Dave Pironi hat mich aufgesucht, ich bin zu ihm gegangen. Ich habe miterlebt, wie er seine Frau verloren hat und wie er jetzt damit klarkommt, dass sein Sohn in Afghanistan ist. Ich wollte wissen, was er mir voraushat. Vielleicht passt es nicht in Ihr Weltbild, aber Sie sollten doch besser wissen als andere, dass die Wahrheit nicht immer so ist, wie man sie gerne hätte.«
    Der Wasserkocher schaltete sich aus, als das Wasser aufkochte. Alisons Hände zitterten, als sie den Teebeutel übergoss und Milch in die Tasse schüttete. »Im Übrigen habe ich die Kopien von Dr. Levins

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