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Und taeglich grueßt die Evolution

Und taeglich grueßt die Evolution

Titel: Und taeglich grueßt die Evolution Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: wissenmedia
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ermöglicht uns auch, auf eine mentale Zeitreise zu gehen und viele Stationen unseres Lebens noch einmal durchzuspielen. Menschen sind sich ihrer eigenen Biographie bewusst. Sie reflektieren und bewerten sie, etwa unter der Fragestellung, ob sie, wenn sie noch einmal von vorn beginnen könnten, an entscheidenden Wendepunkten ihres Lebens anders handeln würden. Ähnlich verfahren wir mit unserer Zukunft, die wir schon heute planen und organisieren, um sie besonders vielversprechend zu gestalten.
    Wer sich an seine vergangenen Taten erinnern kann, ist in der Lage, diese zu beurteilen und moralische Grundsätze zu entwickeln. In der menschlichen Gesellschaft konnte sich auf diese Weise ein Regelwerk aus Gesetzen und ethischen Geboten entwickeln. Das Wissen um die eigene Existenz umfasst auch ein Bewusstsein der eigenen Endlichkeit. Der Glaube kann dem Menschen helfen, mit diesem Wissen umzugehen. In allen menschlichen Kulturen werden existenzielle Ereignisse wie Geburt und Tod von einer Vielzahl von Ritualen begleitet. Auch Kunst und Literatur behandeln die Frage nach dem Sinn des Lebens. Das Selbstbewusstsein und die damit verbundenen Möglichkeiten bestimmen also in allen Kulturen das gesamte menschliche Leben von der Kindheit bis ins hohe Alter.
    Urzeitliche Dämmerung des bewussten Geistes
    Vieles spricht für die Annahme, dass geistige Eigenschaften ebenso wie anatomisch-körperliche Merkmale durch natürliche Selektion entstanden sind. Einige Wissenschaftler vermuten, dass sich das selbstreflektierte Bewusstsein im Kontext der sozialen Lebensform des Menschen entwickelte. In der Folge revolutionierte und optimierte der Mensch dieses Bewusstsein durch Interaktion. Wer in sozialen Gruppen lebt, muss sich selbst und seine Partner einschätzen können. Fast zwangsläufig ergeben sich Interessenkonflikte und soziale Probleme, deren Lösung soziale Intelligenz erfordert. Beispielsweise wird um Nahrung, Lebensraum oder Sozialpartner konkurriert. Wer ein selbstreflektiertes Bewusstsein hat, kann die beste Lösung für jedwedes Problem dadurch zu finden versuchen, dass er alle möglichen Lösungsansätze im Geiste durchspielt und dann den besten auswählt. Psychologen nennen diese Tätigkeit mentales Probehandeln.
    Wann genau ein zu diesem Verhalten fähiges Bewusstsein entstanden ist, darüber lässt sich nur spekulieren. Sicher aber kann man davon ausgehen, dass es nicht plötzlich in seiner vollständigen Entfaltung vorhanden war, sondern dass es sich langsam und schrittweise entwickelte. Diesen Prozess kann man sich wie ein immer stärkeres zeitliches Ausdehnen des anfänglich komplett auf die aktuelle Gegenwart fokussierten bewussten Erlebens vorstellen. Man geht heute davon aus, dass das Leben der frühesten Menschen vollständig von den unmittelbaren Erfordernissen und Bedürfnissen geprägt wurde. Handlungen wie die Jagd oder das Aufsuchen eines geeigneten Schlafplatzes wurden nicht langfristig geplant, sondern aus aktuellem Anlass direkt vollzogen.
    Eine erste große Veränderung vollzog sich im Zeitalter des Homo erectus vor etwa 2 Mio. Jahren. In dieser Phase wurde das menschliche Leben durch neue kulturelle Errungenschaften maßgeblich verändert. Der Gebrauch des Feuers und die Herstellung von Steinwerkzeugen deuten darauf hin, dass Tätigkeiten wie die Fabrikation von Gerätschaften jetzt sorgfältig geplant und eingeübt wurden. Offenbar hatten sich also Fähigkeiten entwickelt, die mit dem selbstreflexiven Bewusstsein eng zusammenhängen: die Begabung, sich nützliche Tricks bei anderen abzuschauen, seine eigenen Fertigkeiten durch Training zu verbessern und die dabei gewonnenen Einsichten später in Form von Anweisungen an andere weiterzugeben. Diese neue Stufe des Bewusstseins war vermutlich die Basis für die Entwicklung kultureller Praktiken und Rituale.
    Sprache als Initialzündung
    Mit dem Auftreten des Homo sapiens vor etwa 250 000 Jahren kündigten sich neue dramatische Veränderungen an. Beflügelt wurden die Fähigkeiten des Bewusstseins vor allem durch die Entstehung einer komplexen Sprache. Mit ihrer Hilfe waren die Menschen nun in der Lage, Erzählungen weiterzugeben und so eine gemeinsame Geschichte zu begründen. Dies stiftete eine völlig neue Art von kultureller Identität und schuf einen immer komplexeren kulturellen Zusammenhalt. Das sich nun herausbildende Selbst hatte ein tieferes Bewusstsein von der Zeitdimension, in der sich sein eigenes Leben sowie das seiner Ahnen und Kinder

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