Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Und taeglich grueßt die Evolution

Und taeglich grueßt die Evolution

Titel: Und taeglich grueßt die Evolution Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: wissenmedia
Vom Netzwerk:
Mitglied Klarheit über den ihm zugewiesenen Platz oder Rang hat, kann die Gemeinschaft arbeitsteilig und kooperativ funktionieren. Ein weiteres Argument für Zusammenarbeit ist es, wenn jeder der Beteiligten einen persönlichen Vorteil aus der Kooperation zieht. Denn warum Zeit oder Energie in Gemeinschaftsaufgaben investieren, von denen man nicht unmittelbar profitiert? Forscher sind auf zwei Erklärungen für ein solches gemeinschaftsdienliches Verhalten gestoßen. Zum einen verzichtet der Einzelne oft dann auf seinen Vorteil, wenn es sich bei den Profiteuren um Verwandte handelt. Denn bessere Überlebenschancen für die Verwandtschaft bedeuten auch, dass zumindest ein gewisser Teil des eigenen Erbguts überleben wird. Die zweite Erklärung ist ebenso plausibel: Wer anderen einen Vorteil verschafft, erwartet demnach, dass diese sich irgendwann revanchieren.
    Diese gängigen Theorien ließen allerdings immer noch Fragen offen. Wie funktionieren eigentlich große Gesellschaften, in denen der Einzelne nicht zu allen seiner Gefährten soziale Beziehungen unterhalten kann? In solchen Fällen haben u.a. »Trittbrettfahrer« gute Karten, weil sie einfach in der Menge untertauchen können. Welche Mechanismen diesem Verhalten entgegensteuern, haben Wissenschaftler durch Rollenspiele herausgefunden. Wichtig kann demnach einerseits das Prestige sein, das man mit gesellschaftsdienlichem Handeln gewinnen kann. Sich einen »guten Ruf« zu verschaffen, kann später zum Beispiel bei der Suche nach Verbündeten oder Geschlechtspartnern helfen. Umgekehrt kann die Gemeinschaft einen Trittbrettfahrer für unkooperative und egoistische Handlungsweisen bestrafen, bis dieser das gewünschte Verhalten annimmt.
    Ein solches System aus Hierarchien, Belohnungen und Sanktionen ist nicht auf den Menschen beschränkt. Auch Tiere haben im Verlauf der Evolution ihr Zusammenleben ähnlich organisiert. Bei Menschenaffen haben Wissenschaftler sogar ein hoch differenziertes Sozialleben entdeckt. Unsere nächsten Verwandten, die Schimpansen, kümmern sich jahrelang um ihre Kinder und bringen ihnen alles bei, was sie für das Überleben benötigen – von der Nahrungsauswahl bis zum Werkzeuggebrauch. Die Wurzeln unseres heutigen Miteinanders liegen also durchaus im Tierreich.
    Herde oder Familie: Soziale Strukturen
    Nicht nur Menschen, sondern auch Tiere schließen sich zu größeren Einheiten zusammen. Die Organisationsform dieser Gruppenverbände wird durch Umweltbedingungen, die Form der Nahrungsbeschaffung und die Pflege des Nachwuchses bestimmt. Während viele Tierarten Herden bilden, deren Größe und soziale Bindung sehr verschieden sein kann, hat sich diese Form für den Menschen im Laufe seiner Entwicklungsgeschichte als unzweckmäßig erwiesen. Spätestens mit dem Übergang zur Sesshaftigkeit und der Ausdifferenzierung der gesellschaftlich notwendigen Tätigkeiten bildeten die Menschen komplexere Gruppenstrukturen aus. Aus der Mehrgenerationenfamilie früherer Zeiten ging im Industriezeitalter die Kernfamilie hervor, die allerdings in den letzten Jahren scheinbar zu einem Auslaufmodell geworden ist.
    Die neolithische Revolution veränderte nicht nur das Verhältnis des Menschen zu der ihn umgebenden Tier- und Pflanzenwelt, sondern auch die Formen des sozialen Miteinanders. Durch Ackerbau und Viehzucht, die Errichtung fester Siedlungen und die beginnende Differenzierung des Handwerks musste die zuvor ausschließlich geschlechtsspezifische Arbeitsteilung durch komplexere gesellschaftliche Organisationsformen ergänzt werden. Eine große Rolle spielte dabei die mehrere Generationen umfassende Großfamilie, die ungeachtet ihrer spezifischen historischen Erscheinungsformen bis weit über das Mittelalter hinaus das vorherrschende Familienmodell blieb. Einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Umbruch brachte erst das industrielle Zeitalter, das die gesellschaftliche Dominanz der Kernfamilie manifestierte. Heute geht die Soziobiologie der Frage nach, wie Lebewesen überhaupt kooperative Sozialverbände bilden können. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass familiäre Bindungen soziales Verhalten wie Solidarität, Fürsorglichkeit und Kinderliebe fördern. Dieser Befund überrascht in einer Zeit, in der auch die Kleinfamilie unübersehbar Auflösungserscheinungen zeigt.
    Verschiedene Modelle bei Menschenaffen
    Soziales Verhalten lässt sich gut an Menschenaffen beobachten. Die Primatologen erforschen zu diesem Zweck Schimpansen und in jüngster Zeit auch

Weitere Kostenlose Bücher