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Unter dem Zwillingsstern

Titel: Unter dem Zwillingsstern Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tanja Kinkel
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ppen zu ihrer W ohnung erklo m m en hatten. »Gerade Menschen gegenüber, deren Gesinnung beklagenswert ist, sollte m an Haltung und Höflichkeit bewahren, Carla.«
    »Pah!« stieß Carla hervor, zog ihren Mantel aus und schleuderte ihn in die ungefähre Richtung des Garderobenhakens. Er landete statt dessen auf einer Ki s t e m it Büchern, die Käthe nicht m ehr auf ihren Regalen untergebracht hatte. S i e seufzte und hob ihn auf.
    »Er hat das alles einge f ädelt, Kath i «, sagte Carla heftig, »die drei W itzfiguren und sein Erscheinen. Es würde m ich nicht wundern, wenn er auch für den Aufruhr bei der Veranstaltung verantwortlich wäre, aber ich ver m ute, da gibt es noch genügend and e re interessierte Parteien.«
    Käthe warf ihr einen überraschten Blick zu. S i e hatte Carla selten so fassungslos erlebt; ihre W angen waren gerötet, ihre Brust hob und senkte sich schneller, als es die wenigen Treppenstufen verursacht haben konnten, und auf ihrer Stirn standen feine Schweißperlen. Außerdem neigte sie sonst nicht zu derartig irrationalen Äußerungen, wenn m an ein m al von ihrer Theaterbesessenheit absah.
    »Zweifellos«, m einte Käthe beruhigend, während sie Carlas Mantel glättete und ordentlich aufhängte, »gehört Herr B ach m aier zu der Art von Schwerkapitalisten, die sich etwas von der Unterstützung der NSDAP versprechen. Ich habe sogar gehört, daß er Partei m itglied sein soll. Insofern ist er auch m itverantwortlich für den Auf r uhr heute, soweit stimme ich dir zu. Aber warum u m alles in der W elt sollte er uns diese drei Männer hinterh e rgeschickt haben? Ich weiß, daß du dich nie m it ihm verstanden hast, doch Abneigung unter angeheirateten Verwandten, die sich ohnehin nie sehen, geht doch kaum so weit.«
    Carla antw o r t e te nicht. Statt des s en lehnte sie sich gegen die Tür und schloß die Augen.
    » W ir haben uns heute beide sehr aufgeregt«, sagte Käthe und widerstand der Versuchung, Carla über die W ange zu streichen. Sie mußte aufhören, Carla als Kind zu behandeln. »Ich werde uns noch einen Tee m achen, ehe wir zu Bett gehen.«
    » W as m acht m an m it Menschen, d e ren Illusionen m an nicht zerstören will ? « f ragte Carla Robert, während sie durch den Schnee in Richtung S ender stapften. Dies m al hatte sie ihn abgeholt; Robert kam regelmäßig zu spät, und da sie in der W oche eine äußerst wichtige Sendung vor sich hatten, die darüber entscheiden würde, ob der Radioableger des Hermes-Theaters einen regel m äßigen S e ndeplatz erhi e lt, we c hselten sich seine Freunde darin ab, persö n li c h f ür sein rechtzeitiges Erschei n en zu sorgen.
    »Man läßt sie ihnen, so gut es geht. Zugegeben, über m ich m achen sich nur Max und Dada Illusionen, aber die sind unausrottbar.«
    »Und Monika m acht sich keine ? «
    Robert zuckte die Achseln und sch a ute nachdenklich drein. »Keine Ahnung. Ich weiß selten, was sie denkt, das ist einer der Gründe, warum ich si e geheiratet habe. Zur Zeit besucht sie ihre Eltern und versucht, sie zu einer Kapitalspritze für das Theater zu überre d en, und rate m al, was sie mir als Grund genannt hat. Nicht, daß ich das Geld brauche oder daß ihr unser Fortbestehen als Stern am Theaterhim m el wi c htig wäre, sondern…«
    »…daß sie Peter nicht ausstehen kann«, ergänzte Carla. Robert pfiff anerkennend.
    »Gut geraten.«
    »Nichts da geraten. Sie will schlicht und einfach alle wichtigen Menschen in deinem Leben ers e tzen«, antwortete Carla und konnte nicht widerstehen hinzuzufügen: »Das ist der erer b t e Ra u britterinstinkt. Sie hat es schon in der Schule nicht vertragen, wenn je m and m ehr Auf m e rksa m keit erhielt als sie.«
    »Endlich ein Charakterzug, der uns dreien gemeinsam ist«, konterte Robert und duckte sich, als Carla sich blitzschnell bückte und ihm einen Schneeball an den Kopf warf.
    Das Frühjahr wurde zu einer glückli c hen Zeit für ihn; er hatte seine Beziehung zu Carla in Ordnung gebracht, und seine Entscheidung, der politischen Tragödie eine Farce folgen zu lassen, verärgerte zwar einige der linksgeric h teten Kritiker, die ihm vorher gewogen gewesen waren, doch sie stritten die Lebendigkeit der Inszenierung nicht ab. Da er selbst dies m al nicht m it s pielte, war es nicht nötig, nach der Pre m iere noch öfter als ein- oder zwei m al zu e rscheinen. Er konnte sich auf die Radioarbeit konzentrieren und die R unde in den übrigen Berliner T h eatern m achen. Als let z tes Stück

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