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Verdi hören und sterben: Ein Roman aus Venedig und dem Veneto (German Edition)

Verdi hören und sterben: Ein Roman aus Venedig und dem Veneto (German Edition)

Titel: Verdi hören und sterben: Ein Roman aus Venedig und dem Veneto (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Michael Böckler
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klein.«
    »Das habe ich gerade gemerkt«, bestätigte Mark grinsend.
    »So ist es, keine Ahnung, ob etwas dabei herauskommt. Doch wir lassen nicht locker, das können Sie mir glauben. Und wenn Ihnen irgendetwas einfällt, dann rufen Sie mich an, in Ordnung?«
    »Klar, mach ich. Ich bin mindestens so wie Sie an einem Erfolg interessiert.«
    Sanabotti sah erschrocken auf die Uhr. »Santo Dio! Es ist bereits nach eins, wir haben schon längst Mittagspause. La pausa di mezzogiorno è un dovere sacrosanto! Meine Herren, ich darf Sie zu einem kleinen pranzo einladen. Ich habe in der Bottega del Vino einen Tisch reserviert.«
     
    Wenige Minuten später betraten sie die traditionsreiche Osteria in einer Seitenstraße der Via Mazzini. Nicht nur zur jährlichen Weinmesse Vinitaly ist die Bottega del Vino eine Pilgerstädte für Weinliebhaber, die sich hier durch die wichtigsten Anbauregionen trinken können. Der Commissario und seine Gäste wurden herzlich begrüßt. Kaum hatten sie in der holzgetäfelten Gaststube Platz genommen, wurde ihnen Prosecco eingegossen. Mark bewunderte die Batterie der großvolumigen Weingläser, die vor ihnen auf dem Tisch stand und die ahnen ließ, was auf sie zukam. Später sollte er feststellen, dass bereits das Eingießen zu einem heiligen Akt geriet, bei dem der Wein vor der ersten Verköstigung in mehreren Gläsern geschwenkt, beschnuppert und gegen das Licht gehalten wurde. Als dann schließlich Sanabotti den ersten Schluck nahm, verdrehte er genussvoll die Augen.
    Er hob das Glas. »Signori, lassen Sie uns auf die polizeilichen Ermittlungsarbeiten anstoßen.« Mark konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Sanabotti für diesen Teil seiner Arbeit entschieden besser qualifiziert war als für das, worauf sie gerade tranken. Aber dem Genuss tat dieser Gedanke keinen Abbruch. Der Commissario erzählte, dass der 93er Amarone della Valpolicella Mazzano der Kellerei Masi von besonderer Qualität sei. Außerdem sei das Gut, von dem der Wein stamme, in ganz besonderer Weise geschichtsträchtig. Es gehöre dem Conte Serègo Alighieri, einem direkten Nachkommen von Dante, dem größten Dichter Italiens, den Florenz so schmählich vertrieben und Verona mit offenen Armen aufgenommen habe. Einige Verse der
Göttlichen Komödie
habe Dante auf dem Landsitz in Gargagnago geschrieben. Leider habe der Conte nur zwei Töchter, so dass die Linie jetzt aussterbe.
    Mark hatte das Gefühl, dass Sanabotti diese Tatsache stärker zu betrüben schien als die bisherigen Misserfolge bei der Fahndung nach seinen Entführern. Das gab nicht zu allzu großen Hoffnungen Anlass. Ob es Sinn machte, Sanabotti von den verschwundenen Bronzefiguren zu erzählen? Er hatte vorhin auf dem Revier gänzlich vergessen, sie zu erwähnen. Es könnte ja sein, dass man die Spur von Adamo und Eva leichter finden würde als die eines profanen Chemieklos. Er beobachtete den Commissario, der soeben wieder einen Schluck aus dem Weinglas nahm und dessen Wangen bereits leicht gerötet waren. Ob allerdings Sanabotti der richtige Mann war, die Bronzefiguren zu finden, durfte bezweifelt werden. Und wo sollte er auch suchen? Einer seiner Entführer hatte die Figuren wahrscheinlich in seinem Haus stehen und erfreute sich an dieser Trophäe. Man konnte ja wohl kaum alle Privatwohnungen und Häuser Italiens durchforsten. Aber er vermochte sich gut vorzustellen, welche Hektik Sanabotti entfalten würde, sobald er von den verschwundenen Bronzefiguren wusste. Vermutlich würde die Polizei erneut das Haus am Gardasee auf den Kopf stellen, und Laura müsste aufs Revier, um die näheren Umstände der Ersteigerung zu schildern. Mark schmunzelte. Nein, die nächsten Tage stellte er sich entschieden anders vor. Sanabotti würde seinen schönen Plan jedenfalls nicht durchkreuzen. Und von den Figuren könnte er ihm in einer Woche ja immer noch erzählen. Wahrscheinlich war es ohnehin besser, der Commissario konzentrierte sich zunächst auf diese schnuckelige Toilette.
    Auf ein Zeichen Sanabottis eilte der Ober mit einer weiteren Flasche Wein herbei. Nach der Entkorkung wiederholte sich das ihm jetzt schon bekannte Ritual. Sanabotti begleitete den Vorgang mit einem freudigen Nicken. Vielleicht sollte der Mann in eine Spezialabteilung versetzt werden, die nach verschollenen alten Jahrgängen fahndete?
    Mark und Wächter zögerten etwas, als die Vorspeise serviert wurde, die Sanabotti ausgewählt hatte. Das
Sfilacci di cavallo
, fein geschnittenes

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