Verrat der Welten - Niven, L: Verrat der Welten - Betrayer of Worlds
bringen? Wäre er fähig, Völkermord zu begehen als Vergeltung für etwas, das die Gw’oth als erforderliche und angemessene Notwehr angesichts von Achilles’ unablässigen Drohungen ansehen mussten?
Weder in der Sprache der Bürger noch in der Sprache der Menschen vermochte Nessus seine Frustration in Worte zu fassen. Die Kzinti hingegen wussten genau, wie man verbal in Raserei verfallen, toben und fluchen konnte. Nachdem Nessus eine Zeitlang in der Heldensprache gezischt und gefaucht hatte, fühlte er sich ein wenig besser. Leider nur eine Winzigkeit.
Vielleicht hatte Sigmund ja recht, und die Streitkräfte der Tn’ho-Nation wollten die Weltenflotte tatsächlich nur passieren. Vielleicht konnte Louis Achilles wirklich irgendwie davon abhalten, die Armada anzugreifen und damit deren ganzen Zorn auf Hearth zu lenken.
Und falls wundersamerweise wirklich alles so kommen würde? Dann würde erneut eine Welt der Gw’oth der völligen Vernichtung anheimfallen – und alles nur wegen Achilles’ aus Geistesgestörtheit geborenem Ehrgeiz!
Eines Tages, das schwor sich Nessus, würde Achilles für seine Verbrechen bezahlen.
35
Es würde ein Massaker.
Louis saß an der Gefechtsstation und ließ wie auf Autopilot eine weitere Gefechtsübung ablaufen. Dieses Mal basierte die Übung auf zweiunddreißig Drohnen. Mittlerweile war ihre Anzahl auf vier geschrumpft. Bei seinen verstohlenen Blicken zum Taktik-Display hinüber sah er, dass der Kurs der Gw’oth-Armada, dort als gestrichelte Linie dargestellt, nur noch zwei Sprünge von dem Punkt entfernt war, an dem die Gw’oth wahrscheinlich die größte Annäherung zu Hearth hätten. Vom Angriffspunkt also.
Und das war allein seine Schuld. Hätte er sich doch nie mit der Pak-Bibliothek befasst! Ohne diesen Fusionssuppressor wäre ein Angriff wie dieser gar nicht möglich.
Aber da gab es ja immer noch genügend andere Waffen, andere Angriffsmöglichkeiten, andere bösartige, unmoralische Pläne, nicht wahr? Schließlich wusste Louis doch nur zu genau, dass Achilles niemals aufgeben würde! Ach, tanj, das war doch nur, wie Louis sich eingestand, ein nutzloser Rationalisierungsversuch, mehr nicht. Dieser Angriff war und blieb seine Schuld. All die, die dieser Angriff das Leben kosten würde, gingen auf sein Konto, und ihr Tod würde auf seinem Gewissen lasten. Louis stand von seiner Konsole auf.
»He da«, rief Enzio, »wohin denn so eilig?«
Louis hielt sich die Hand vor den Mund. »Mir ist schlecht. Muss mich übergeben.«
»Ich übernehme«, sagte Rogers und verließ seine Station.
»Dann los, Wu!«, entschied Walker-Wong.
Louis stürmte von der Brücke, als wollte er zum Recycler laufen. Stattdessen rannte er drei Decks weiter nach achtern und schlich durch einen verlassenen Gang. Abgesehen von der Brücke, dem Maschinenraum und den Mannschaftsquartieren war das riesige Schiff praktisch leer. Die gesamte Besatzung der Remembrance bestand aus vielleicht fünfundzwanzig Bürgern, dazu kamen die Söldner, die völlig mit ihren Einsatzübungen beschäftigt waren.
Unruhig tigerte Louis hin und her, und es drehte ihm tatsächlich den Magen um. Da steckte er wieder in derselben Scheiß-Situation, genau wie auf Wunderland. Nur dass über ihm keine Vögel kreisten, die er zur Warnung hätte abschießen können. Er musste die Gw’oth warnen, musste dafür sorgen, dass sie die Remembrance ohne Zwischenfall passierten! Um eine Nachricht abzusetzen, bräuchte er das Hyperwellen-Funkgerät, und das war unmöglich. Nie hatte er weniger als sechs Puppenspieler gleichzeitig auf der Brücke gesehen, und je näher die Gw’oth kamen, desto häufiger ließ Enzio die New Terrans auf der Brücke trainieren. Die Addison verfügte über ein Hyperwellen-Funkgerät. Aber Achilles hatte seine Ingenieure und Techniker überall auf dem kleinen Schiff. Soweit Louis wusste, installierten sie gerade eine Tarnvorrichtung, statteten eine der Kabinen mit allen einem führenden Puppenspieler würdigen Annehmlichkeiten aus und stellten auf der Brücke eine für Puppenspieler geeignete Pilotenliege und eine dazugehörige Steuerkonsole auf.
Irgendwann innerhalb der nächsten Tage würden die Gw’oth, wenn sie ihr Muster beibehielten, aus dem Hyperraum austreten. Die übernächste Rückkehr in den Normalraum würde sie geradewegs in Achilles’ Falle tappen lassen. Üblicherweise blieben die Gw’oth immer mehrere Stunden im Normalraum. Nur innerhalb dieser wenigen Stunden hatte Louis die
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