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Waffenschwestern

Waffenschwestern

Titel: Waffenschwestern Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Elizabeth Moon
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Schild landete, auf dem stand: BITTE ACHTEN SIE DARAUF, DASS DER MÜLL IM
    TRICHTER LANDET.
    Und er sah auch nicht die Frau mit dem muffeligen Gesicht, die ihm finster nachblickte, ehe sie sich bückte, um die 418
    zerknitterten Seiten aufzuheben und sie sorgfältig … die dann jedoch stoppte, gebannt von dem krassen grammatischen Fehler schon im ersten Satz. Sera Alicia Spielmann, als Verteidigerin korrekten Sprachgebrauchs ebenso leidenschaftlich wie als Verfechterin öffentlicher Sauberkeit, nahm das Flugblatt mit nach Hause, um es bei ihrer nächsten Beschwerde an den örtlichen Schulvorstand als schlechtes Beispiel zu verwenden …
    Als sie den Text jedoch las, rief sie stattdessen eine Freundin an, deren Enkel für den Sicherheitsdienst der Station arbeitete.
    Sie brachte weder den »faulen Schmutzfinken« noch ihr
    eigenes Handeln damit in Verbindung, als man zwei Tage später die übel zugerichtete Leiche eines gewissen Pradish Lorany in seiner eigenen Wohnung fand. Andere stellten diese Verbindung jedoch her.
     
    419

Kapitel sechzehn
    Altiplano, Estancia
    Suiza
     
    Nach dem Mittagessen folgte Luci Esmay mit eindeutigen
    Absichten in die Wohnung der Landbraut. Esmay hatte auf etwas Zeit gehofft, um über alles nachzudenken, entschied aber, dass sie eher Frieden fand, wenn sie Luci gestattete, sich auszusprechen. »Um was geht es jetzt?«, fragte Esmay und musste beinahe lachen. »Hast du noch fünf weitere Pläne für die Estancia, oder planst du, die Regierung zu übernehmen?«
    Luci war, wie es schien, in einen Jungen – eigentlich einen jungen Mann – aus einem benachbarten Haushalt verliebt.
    »Dein Vater ist dagegen … Ich weiß nicht, warum«, erzählte sie. »Es ist eine gute Familie…«
    »Wer ist es?«, erkundige sich Esmay, die einen Verdacht hatte. Als sie den Namen hörte, nickte sie. »Ich weiß warum, aber ich denke, er irrt sich.«
    »Ist das wieder eins von diesen Dingen, von denen du mir nichts erzählen kannst?«, fragte Luci mit einem bockigen Unterton. »Denn wenn es das ist, finde ich es gemein, mir zu sagen, du wüsstest den Grund…«
    »Komm erst mal ganz herein und setz dich«, sagte Esmay
    und schloss die Tür sorgfältig. Niemand würde sie jetzt stören.
    Sie deutete auf einen der bequemen, mit Chintz bezogenen 420
    Sessel und setzte sich selbst in einen anderen. »Ich erzähle es dir, aber es ist keine erfreuliche Geschichte. Wie du weißt, ging es mir schlecht, als ich letztes Mal hier war, und ich vermute, niemand hat dir den Grund erzählt…«
    »Niemand wusste etwas«, sagte Luci. »Außer, dass du Streit mit deinem Vater hattest.«
    »Ja. Na ja … Zu viele Geheimnisse machen die Runde, und jetzt, wo ich Landbraut bin, werde ich es anders handhaben.
    Damals, ehe du geboren wurdest, als ich noch ein kleines Kind war und meine Mutter gestorben war, bin ich weggelaufen.«
    »Du!«
    »Ja. Ich wollte meinen Vater finden, der im Krieg war. Ich hatte keine Ahnung, was Krieg bedeutet… Hier war alles sicher gewesen. Jedenfalls bin ich in eine sehr gefährliche…« Es schnürte ihr den Hals zu, und sie räusperte sich. »Es war in einem Dorf mitten im Kriegsgebiet. Soldaten sind gekommen.«
    »Oh, Esmay…«
    »Ich wurde … angegriffen. Vergewaltigt. Dann hat mich
    einer der Soldaten meines Vaters gefunden – aber ich war sehr krank…«
    »Esmay, ich hatte ja nie davon gehört…!«
    »Nein, natürlich nicht. Sie haben es vertuscht. Weil der Soldat, der es tat, zur Brigade meines Vaters gehörte.«
    »Nein…!« Lucis Gesicht war weiß bis auf die Lippen.
    »Ja. Er wurde getötet… tatsächlich war es der alte Seb Coron, der ihn umgebracht hat. Aber zu mir haben sie gesagt, es wäre nur ein schlimmer Traum gewesen – ich hätte mich am Fieber 421
    meiner Mutter angesteckt, was vielleicht auch passiert ist, und alles weitere wäre nur ein Fiebertraum gewesen. Diese ganzen Albträume, die ich hatte… Sie haben mir weisgemacht, ich wäre verrückt.«
    »Und du hast es… schließlich herausgefunden?«
    »Seb Coron hat mir davon erzählt, weil er glaubte, ich wüsste es schon … es wäre bei den Psychotests der Flotte herausgekommen, und man hätte mich dort geheilt.« Sie holte tief Luft und ließ sie langsam wieder heraus. »Also … habe ich Vater zur Rede gestellt, und als ich das Gesicht im Regimentsverzeichnis wiedererkannte, gab er es zu. Dass es passiert ist; dass ich mich richtig erinnert habe.«
    Lucis Gesicht wechselte von Weiß zu Zornesröte. »Das ist

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